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Studie Knast-Währung: Instantnudeln sind die neuen Zigaretten

Ramen-Nudeln sind im Gefängnis zum begehrten Produkt geworden
Ramen-Nudeln sind im Gefängnis zum begehrten Produkt geworden
© picture alliance / AP Photo
Jahrzehntelang war Tabak die Gefängniswährung Nummer eins. Doch in Zeiten von mickriger, unappetitlicher Verpflegung verschiebt sich der Fokus. Nun sind Ramen-Nudeln ein begehrtes Gut.

Wer im Gefängnis sitzt und von seinen Mithäftlingen einen Gefallen einfordern will, muss nur ein Päckchen Tabak rüberschieben. Das zumindest suggerieren Hunderte Hollywoodfilme und Serien, die sich mit dem Mythos der Tauschwirtschaft hinter schwedischen Gardinen beschäftigen. Doch glaubt man einer neuen Studie des Soziologen Michael Gibson-Light, gibt es mittlerweile ein noch begehrteres Gut in Gefängnissen: Ramen-Nudeln. Die trockenen Nudeln, die man einfach nur in heißes Wasser eintauchen muss, erfreuen sich großer Beliebtheit, denn sie sind ein schneller, sättigender Snack.

Miese Verpflegung sorgt für Nudel-Boom

Der Grund für den Ramen-Boom: Die Verpflegung in Gefängnissen wird immer schlechter, schreibt der Experte. Das liege zum einen an gekürzten Mitteln, gelegentlich wird zu wenig oder schlechtes Essen aber auch als Bestrafung von Häftlingen eingesetzt. "Schlichtes Essen als Bestrafung ist keine offizielle Politik in den Gefängnissen, ist aber ein landesweiter Trend in den Verwaltungen", schreibt Gibson-Light.

Die Gefängnisinsassen seien hungrig, weil das Essen eine schlechte Kombination aus hochkalorischen, aber wenig sättigenden Lebensmitteln sei, schreibt die britische Zeitung "The Guardian". Suppen werden etwa intensiv mit Stärkemehl angedickt, warme Frühstücksflocken werden mit Margarine überzogen, um die Kalorienmenge zu steigern.

"Selbst Insassen, die drei Gefängnismahlzeiten gegessen haben, wollen noch mehr zu sich nehmen; das ist auch der Grund, warum immer mehr Häftlinge (vor allem Frauen) zunehmen, statt Gewicht zu verlieren", schreibt der "Guardian".

Billig, schmackhaft, kalorienreich

"Die Insassen sind so unglücklich mit Menge und Qualität des Essens, dass sie dazu übergegangen sind, sich auf Ramen-Nudeln als eine Form von Geld in der Untergrund-Wirtschaft zu verlassen", heißt es in der Studie. Die ursprünglich aus Japan stammenden Weizenmehl-Nudeln seien "billig, schmackhaft und kalorienreich". Dabei sind die Nudeln alles andere als gesund, wie diese Untersuchung zeigt.

Der Währungswechsel  sei keine kleine Sache, erklärt Gibson-Light. Immerhin sei Tabak mindestens seit dem US-Bürgerkrieg die Hauptwährung in Gefängnissen, vermutlich sogar schon länger. "Die Tatsache, dass sich das geändert hat, hat ernste Ursachen." Er rief deshalb dazu auf, das Thema der Ernährung Gefangener größer angelegt zu untersuchen.

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cf / mit DPA

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