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Corona-Krise Geschäfte bis 800 Quadratmeter dürfen wieder öffnen - das sagt ein Wirtschaftsexperte dazu

Sehen Sie im Video: Angela Merkel erklärt den Corona-Fahrplan für Deutschland.
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Wie geht es in der Corona-Krise weiter? Angela Merkel hat den Fahrplan der Bundesrepublik für die kommenden Wochen vorgestellt. Eine hitzige Debatte entspinnt sich um die Regel, das nur Geschäfte bis 800 Quadratmeter öffnen dürfen.

"Was wir erreicht haben, das ist ein Zwischenerfolg - nicht mehr und nicht weniger – und ich betone: Es ist ein zerbrechlicher Zwischenerfolg." Mit diesen Worten stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch den weiteren Fahrplan der Bundesrepublik in der Corona-Krise vor. Mit den Länderchefs konnte sie sich auf  grundlegende Änderungen einigen. Die wichtigsten sind:

  • Die bundesweiten Kontaktbeschränkungen bleiben bis zum 03. Mai verlängert
  • Nach dem 04. Mai sollen Schulen schrittweise öffnen
  • Friseure dürfen unter strengen hygienischen Auflagen ab 04. Mai wieder öffnen
  • Versammlungs und Reiseverbote bleiben bestehen
  • Eine Maskenpflicht gibt es nicht ("Es ist geboten, die Atemmasken zu verwenden im öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkaufen, wir werden den Bürgern das dringend empfehlen")
  • Geschäfte mit einer Größe von maximal 800 Quadratmetern dürfen wieder öffnen, auch hier gelten strenge HygieneAuflagen

Warum 800 Quadratmeter?

Für Diskussionen sorgte vor allem die  Begrenzung auf Geschäfte mit maximal 800 Quadratmetern. Auf den ersten Blick wirkt die Grenze beliebig. Bei diesem Wert orientiere man sich vor allem an Bauvorschriften, erklärte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Rahmen der Pressekonferenz. Unkontrollierte Situationen sollen durch diese Limitierung so weit wie möglich verhindert werden, führte Söder aus.

Dr. Christian Rusche vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln findet die Beschränkung auf 800 Quadratmeter grundsätzlich nachvollziehbar. "Dies entspricht der Größte der meisten Discounter", sagt er dem stern. "Diese Zahl ist fix und kann direkt dem Mietvertrag entnommen werden. Zudem ist diese Zahl einfach zu kommunizieren, anders als bei Umsatzgrößen oder unterschiedlichen Maßzahlen je nach Branche."

"Kompromiss zwischen Normalisierung und Gesundheitsschutz"

In Österreich habe man mit der Öffnung von Läden mit weniger als 400 Quadratmeter angefangen. Die Erweiterung auf 800 Quadratmeter betreffe "die meisten kleinen Ladengeschäfte in den Innenstädten. Diesen die Geschäftstätigkeit wieder zu ermöglichen, halte ich persönlich für sehr sinnvoll, damit sie wieder Einnahmen generieren können und dem Onlinehandel etwas entgegensetzen und ihre Rechnungen bezahlen können", führt Rusche, der sich auf die Themenfelder Industrieökonomik und Wettbewerb spezialisiert hat, weiter aus.

Dass zunächst nur kleine Geschäfte geöffnet werden habe seiner Meinung nach weitere Gründe. So seien in kleineren Geschäften in der Regel auch weniger Kunden gleichzeitig im Laden, zudem können Verkäufer die Kunden "für Maßnahmen sensibilisieren und entsprechend direkt ansprechen". Da sich der Publikumsverkehr zwischen den kleineren Läden verteile, gebe es "einen Kompromiss zwischen Normalisierung und Gesundheitsschutz".

Kritik an 800-Quadratmeter-Regel

Es gibt jedoch auch kritische Stimmen zum Beschluss der Bundesregierung. Dass nur Geschäfte bis 800 Quadratmeter öffnen dürfen, riesige Baumärkte aber landesweit die ganze zeit geöffnet sind, hinterfragt etwa die "Heilbronner Stimme": "Warum sollen Hygiene- und Abstandsregeln in kleinen Geschäften besser funktionieren als in großen? Wo ist die Perspektive für die Gastronomie, die vor einer gewaltigen Pleitewelle steht?"

Es sind Fragen, auf die es bislang keine Antworten gibt. Viele Themen werden erst in späteren Sitzungen besprochen. Eines ist aber schon jetzt klar: Die Öffnung von Gastronomie und Hotellerie "steht hinten an", sagte Merkel in der Pressekonferenz.


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