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Apple-Ingenieur packt aus Wie die US-Regierung einmal einen Geheim-iPod baute

Einige alte iPod-Modelle sind ein kleines Vermögen wert
US-Mitarbeiter entwickelten einen iPod, der vermutlich einen eingebauten Geigerzähler hatte
© Gero Breloer/Picture Alliance / Picture Alliance
Der iPod war Anfang der 2000er ein Kultprodukt. Millionen Menschen besaßen den MP3-Player. Mitarbeiter des US-Energieministeriums sollen einen der Player manipuliert haben, um womöglich geschmuggeltes Uran aufzuspüren, wie nun ein ehemaliger Apple-Ingenieur auspackte.

Apple ist nicht gerade bekannt für seine lockere Zusammenarbeit mit US-Behörden. So zofft sich der Konzern seit Jahren mit dem FBI und anderen Geheimdiensten, die immer wieder um die Entsperrung von iPhones von Verdächtigen bitten. Apple-Chef Tim Cook weigert sich standhaft und öffentlichkeitswirksam, die privaten Daten seiner Kunden an Behörden herauszugeben.

Doch wie nun bekannt wurde, soll der Konzern vor 15 Jahren beim Bau eines streng geheimen iPods mit US-Behörden kooperiert haben. Das Projekt war Top Secret, unklar ist sogar, ob der damalige Firmenchef Steve Jobs involviert war. Das berichtet der ehemalige Apple-Mitarbeiter David Shayer nun erstmals auf seinem Blog. Shayer entwickelte zahlreiche Komponenten der iPod-Software und war maßgeblich für den Erfolg des MP3-Players verantwortlich.

Shayers Aussagen zufolge öffnete sich "an einem grauen Tag spät im Jahr 2005" die Tür seines Büros, und der Chef seines Chefs sagte zu ihm: "Ich habe einen besonderen Auftrag für dich, dein Chef weiß nichts davon. Du wirst zwei Ingenieuren des Energieministeriums dabei helfen, einen speziellen iPod zu bauen - und du berichtest nur an mich". Geld floss dafür offenbar nicht, es handelte sich vermutlich um einen Gefallen Apples an die Regierung.

Am darauffolgenden Tag traf er zwei Programmierer des US-Energieministeriums, die ihn in die Details einweihten. Demnach ging es darum, spezielle Hardware in den iPod zu verbauen, die Daten auf die eingebaute Festplatte speichert, ohne dass der oder die Besitzer*in etwas davon bemerkte. Der iPod - es handelte sich um ein Modell der fünften Generation, besser bekannt als "der iPod mit Video" - sollte also normal funktionieren und Musik abspielen, in Wahrheit aber Daten sammeln.

Shayer bekam die Bauteile nie zu sehen

Shayer selbst sollte die Funktionen nicht programmieren, sondern lediglich bei etwaigen Problemen helfen. Lediglich drei Apple-Manager und Shayer selbst wussten, was die beiden externen Programmierer - er nennt sie Paul und Matthew - taten. Weil diese keine Mitarbeiterausweise besaßen, musste Shayer sie jeden Morgen an der Sicherheitsschleuse abholen.

Welches Bauteil genau in dem iPod versteckt und welche Daten unauffällig gesammelt werden sollten, hat Shayer nie erfahren. "Jedes Mal, wenn ich Paul und Matthew fragte, was sie bauen, wechselten sie das Thema und fingen an, darüber zu streiten, wohin sie zum Mittagessen gehen sollten." Die verbauten Teile bekam er während all der Monate nie zu sehen.

Er hat aber eine Theorie: "Ich vermute, dass Paul und Matthew so etwas wie einen heimlichen Geigerzähler gebaut haben. […] Etwas, das harmlos aussah, Musik abspielte und genau wie ein normaler iPod funktionierte. Man konnte durch eine Stadt spazieren und dabei ganz beiläufig Musik hören, während man Beweise für Radioaktivität aufnahm - zum Beispiel nach geschmuggeltem oder gestohlenem Uran scannt oder nach Hinweisen auf ein Entwicklungsprogramm für schmutzige Bomben -, ohne dass die Presse oder die Öffentlichkeit von den Geschehnissen Wind bekam."

Da die Geschichte abenteuerlicher klingt als mancher Bond-Film, äußerten auf Twitter weitere ehemalige Mitarbeiter Zweifel. Doch mittlerweile hat Shayers damaliger Vorgesetzter Tony Fadell, der als "Vater des iPod" gilt, die Geschichte auf Twitter bestätigt. Er spricht von "crazysupercooler Technologie, an der die Regierung damals arbeitete". Ob es tatsächlich um einen Geigerzähler ging, verrät er nicht: "Diese Geheimnisse werden geheim bleiben."

Quellen: Tidbits, Tony Fadell

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