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Schweigen gebrochen: Apple gesteht: Alte iPhones werden absichtlich langsamer gemacht - und das ist der Grund

Werden ältere iPhones in einigen Situationen absichtlich langsamer gemacht? Diesen Verdacht gibt es seit Jahren. Nun hat Apple erstmals zugegeben, dass iPhones gedrosselt werden. Allerdings nicht um die Kunden zum Neukauf zu animieren, betont der Konzern.

iPhones 6s im Update-Prozess auf iOS 9.3

Ältere iPhone-Modelle werden via Software-Update in einigen Fällen langsamer gemacht.

Der Verdacht stand schon länger im Raum: Drosselt Apple absichtlich ältere iPhones, macht sie also gezielt langsamer? In den letzten Tagen mehrten sich Berichte, welche diese These stützten, unter anderem vom Benchmark-Anbieter Geekbench. Nun hat Apple reagiert und das sonst übliche Schweigen gebrochen.

In einer Stellungnahme gegenüber dem US-Technikportal "Techcrunch" bestätigt der Konzern, dass in den vergangenen Jahren ältere iPhone-Generationen mit Software-Updates gezielt langsamer gemacht wurden. Allerdings nicht, um die Nutzer zum Neukauf eines Geräts zu animieren, betont Apple. Das Ganze sei als Feature zu verstehen.

Deshalb werden ältere iPhones langsamer

Zum ersten Mal habe man im Vorjahr solch einen Schritt mit dem Update auf iOS 10.2.1 gewagt. Seitdem wurden die Taktfrequenzen der Prozessoren beim iPhone 6, 6s und SE begrenzt. Allerdings nur in Ausnahmefällen: "Lithium-Ionen-Akkus sind weniger in der Lage, Spitzenstrombelastungen zu liefern, wenn sie bei Kälte, niedriger Batterieladung oder im Laufe der Zeit altern. Dies kann dazu führen, dass das Gerät unerwartet heruntergefahren wird, um seine elektronischen Komponenten zu schützen", schreibt Apple in seinem Statement. Es gehe darum, die Symbiose aus angemessener Akkulaufzeit, Leistung und Komponentenschutz zu wahren.

Deshalb wird der Prozessor in einigen Situationen gedrosselt. Dadurch dauern übliche Arbeitsprozesse länger, es wird aber verhindert, dass sich das Gerät unter diesen Bedingungen unerwartet abschaltet. In Cupertino hält man das für den richtigen Weg:  "Wir haben diese Funktion jetzt auf das iPhone 7 mit iOS 11.2 erweitert und planen, in Zukunft Unterstützung für andere Produkte hinzuzufügen."

Der Nutzer verdient Transparenz

Aus technischer Sicht ist dieses Vorgehen durchaus nachvollziehbar. Akkus verlieren mit der Zeit an Kapazität, sei es durch viele Ladezyklen oder extreme Umgebungstemperaturen. Auch Apples Ingenieure können das nicht ändern. Und vor die Wahl gestellt, ob das Telefon lieber abstürzen oder langsamer laufen soll, würden sich viele vermutlich für die zweite Option entscheiden.

Deutlich kritisieren muss man allerdings die intransparente Kommunikationspolitik des Konzerns: Seit mehr als einem Jahr werden Geräte ohne Wissen der Nutzer verlangsamt. Ohne die Berichte mit eindeutigen Beweisen hätte sich der Konzern vermutlich nie zu dem Sachverhalt geäußert. Im Gegenteil: In der Vergangenheit hat man regelmäßig abgestritten,dass ältere iPhones langsamer werden.

Dabei könnte Apple den Nutzer mit einer simplen Warnmeldung darauf hinweisen, dass der Akku nur noch eine geringe Kapazität hat oder gar beschädigt ist, statt still und heimlich das Telefon zu drosseln. Dann hätte der Nutzer die Wahl, ob er das Gerät weiterhin nutzt und Leistungseinbußen in Kauf nimmt - oder sich eine neue Batterie einbauen lässt. Der Nutzer sollte nicht nur merken, dass sein Telefon langsamer wird. Er sollte auch wissen, warum.


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