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Interview mit App-Entwicklerin: "Apple hat ein generelles Preisproblem"

Sandra Grujovic ist 22 Jahre alt und entwickelt derzeit eine App für BMW. Mit der männerdominierten Technikwelt geht sie hart ins Gericht - und auch mit Apples Preisgestaltung. Die Preise für die neuen iPhones oder Macbooks sind "absoluter Wahnsinn".

Sandra Grujovic nimmt als App-Entwicklerin an der WWDC teil.

Sandra Grujovic nimmt als App-Entwicklerin an der WWDC teil.

Am Montagabend eröffnet -Chef Tim Cook die alljährliche Entwicklerkonferenz WWDC. Im Publikum wird Sandra Grujovic sitzen, Studentin an der Technischen Universität München und App-Entwicklerin. Die 22-Jährige wird nicht nur darauf achten, welche Neuerungen vorgestellt werden, sondern wer sie präsentiert. Mit dem stern sprach sie über das ungleiche Verhältnis von Männern und Frauen in der Technikwelt und die Preisgestaltung von Apples Produkten.

Hallo Sandra, warum bist du bei der WWDC?

Einige Freunde von mir waren letztes Jahr schon auf der WWDC. In diesem Jahr habe ich mich auch beworben - und es hat direkt geklappt.

Hast du schon eine eigene App im App Store?

Ich entwickle seit zwei Jahren , habe allerdings keine eigene im Store. Ich habe bislang Anwendungen für Unternehmen entwickelt, die lediglich im internen Einsatz sind.

Wer gehörte zu deinen Kunden?

McKinsey und . Für McKinsey habe ich eine Gesundheits-App entwickelt, die älteren Menschen bei Unterernährung helfen soll. Für BMW habe ich letztes Jahr eine App entwickelt, die Mitarbeitern beim Auslesen von Sensordaten in den Fabriken hilft.

Auf Entwicklerkonferenzen sitzen in der Regel weniger Frauen als .

Ja, leider.

Wie sind deine Erfahrungen in dieser Hinsicht?

Es liegt glaube ich an der Gesellschaft, dass Frauen wenig Anschluss in diesem Bereich finden. Ich hatte an der Schule einen sehr guten Abischnitt und wollte Informatik studieren. Alle fragten mich, warum ich nicht lieber Medizin studiere, warum ich zu den ekligen Informatikern will. Diese Vorurteile sind das große Problem. Mein Vater ist Informatiker, er hat mich immer bestärkt. In der Schule habe ich eher negative Eindrücke bekommen.

Kannst du das konkretisieren?

Wir hatten Lehrer, die keine Ahnung von Technik hatten. Die haben überhaupt nichts dazu gesagt. Es gab kein Empowerment, ich wurde nicht in meiner Entscheidung bekräftigt. Nur meine Eltern haben mich immer unterstützt. Da muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Denn alle Frauen, die ich an der Uni treffe, sind von ihrer Sache sehr überzeugt.

Bei Apple ist Angela Ahrendts eine der hochrangigsten Angestellten. Wie wichtig sind dir Role Models?

Mir ist das extrem wichtig. An der Universität habe ich eine Mentorin, die genauso ist, wie ich für andere Personen sein möchte. Sie zeigt mir, dass man alles schaffen kann, solange ich an mich glaube. Auch wenn andere sagen, als Mädchen bekommt man etwas nicht hin. Das ist unglaublich wichtig.

Was wünschst du dir von den großen-Tech-Unternehmen?

Man muss Kindern und Heranwachsenden unbedingt näher bringen, wie wichtig Informatik und Computer Science ist. Und man muss dem Stigma der Kellerkinder den Kampf ansagen, mit dem ich an der Uni immer noch gleichgesetzt werde. Man braucht fürs Programmieren keine mathematische Begabung oder extrem hohe Intelligenz. Es geht vor allem ums logische Denken. Das kann eigentlich jeder schaffen.

Ist die Techbranche zu männerlastig?

Das Problem lässt sich schon an den Zahlen erkennen. Bei den Medizinern sind an der Universität mehr als 50 Prozent Frauen. Bei uns sind es gerade einmal 15 bis 20 Prozent. Das ist eindeutig zu wenig. Denn Frauen machen auch viel vom Klima aus. Ich kann mir vorstellen, dass es in vielen Unternehmen ähnlich ist.

In einigen Unternehmen, etwa Uber, wurde lange eine Machokultur gepflegt. Steht zu selten eine Frau an der Spitze?

In anderen Industrien sind auch zu wenige Frauen. Wir sollten daran arbeiten, dass Geschlechter in den Führungsetagen besser abgebildet werden. Es geht bei moderner Führung um neue Kompetenzen, die von Frauen eher gepusht werden.

Wie steht Apple in dieser Hinsicht da?

Ich habe bei Apple immer das Gefühl gehabt, dass der Mensch im Fokus steht - egal ob man Mann oder Frau ist.

Stell dir vor, du würdest neue Apple-Chefin werden. Was würdest du verändern?

Ich bin mit dem momentanen Kurs grundsätzlich zufrieden. Als Apple-Chefin würde ich weitere Coding-Initiativen starten und an den Universitäten präsenter sein. Ich würde mehr Frauen einstellen. Und bei den Produkten muss man überlegen, wo die Preisschraube angesetzt wird, sodass man es nicht komplett übertreibt. Einige Dinge sind innovativ, aber ich weiß nicht, ob der Preis mittlerweile die Neuerungen rechtfertigt.

Du sprichst vom iPhone X.

Genau. Das iPhone X ist mit 1150 Euro für das günstigste Modell viel zu teuer. Da ist der Sprung vom vorherigen iPhone zum X meiner Meinung nach nicht groß genug.

Ein angemessener Preis wären …

800 Euro, quasi der Preis vom 8 Plus. Und das wiederum sollte dann 200 Euro billiger sein.

Wie sieht es bei den anderen Geräten aus?

Apple hat generell ein Preisproblem. Ich bin mit den Geräten wirklich zufrieden, aber die Preise sind absoluter Wahnsinn. Sie sind für die Ausstattung beim Macbook einfach zu hoch. Andere Hersteller können das auch billiger.

Warum sind die Preise deiner Meinung nach so hoch?
Ich denke, es ist eine Form von Markenbindung. Ein hoher Preis gibt die Illusion, dass man besonders ist. Man hat das Gefühl, dass sich nicht jeder X-Beliebige so ein Gerät kaufen kann. Damit bleibt Apple eine Statement-Marke.

Du hast durch deine Arbeit für McKinsey Einblicke in den Gesundheits-Bereich. Wie schätzt du die Apple Watch als Markt der Zukunft ein - wird sie das nächste große Ding oder eher eine Nische?

Ich habe mir die Apple Watch vor 6 Monaten gekauft und habe eine Woche damit ausgehalten, weil ich sie absolut schrecklich fand. Dann habe ich sie zurückgegeben. Ich würde dieses Gerät in seiner jetzigen Form nicht wieder kaufen. Zwar funktionieren die von Apple vorinstallierten Apps wunderbar. Der Messenger Telegram hat aber kaum funktioniert. Das fand ich sehr ernüchternd. Man muss an der Technik definitiv noch feilen.

Der Fokus des Produkts liegt mittlerweile eher auf Sport und Fitness.

Ich kann mir vorstellen, dass sich die Uhr für Sportler lohnt. Für mich persönlich ist das nicht so wichtig.

Mitte Juni kommt Apples Sprachlautsprecher HomePod nach Deutschland. Wird er ein Erfolg?

Ich finde die Produktkategorie sehr interessant. Allerdings bin ich kritisch, was die Privatsphäre angeht. Niemand weiß, ob Alxea, Siri oder der Google-Assistant nicht doch häufiger mitlauschen, als sie sollten. Ich würde mir deshalb keines dieser Geräte kaufen. Es werden sowieso schon viele Daten von mir erhoben, da brauche ich zuhause nicht auch noch einen Spion, der auf meine Befehle wartet. Ein HomePod ohne Siri würde ich vermutlich kaufen.

Das Thema Privatsphäre spaltet die Technikbranche.

Ich glaube, die Konzerne sind mehr oder weniger alle gleich, wenn es darum geht, welche Daten gesammelt werden.

HomePod ist nicht nur ein Lautsprecher, sondern auch eine Schnittstelle für das Smart Home. Du hast dich mit dem Thema schon intensiv auseinandergesetzt. Sind unsere Wohnungen bald alle schlau?

Ich glaube, dass Apples HomeKit groß werden könnte. Das Smart Home ist auch nicht mehr nerdig. Viele Produkte sind intuitiv nutzbar, aber noch zu teuer. Die Ikea-Lampen zum Beispiel waren monatelang ausverkauft, weil sie günstiger als die Konkurrenz waren.

Die Lampen werden das Smart Home in den Mainstream bringen?

Smarte Lampen kann man in jede bereits vorhandene Leuchte einbauen. Thermostate oder Rollos muss man dagegen erst umständlich montieren. Da ist die Hürde noch viel zu groß. Am Ende geht es aber darum, ob einem wirklich Arbeit abgenommen wird. Wenn ich länger brauche, die Lampe mit meinem Smartphone anzumachen, als einfach zum Lichtschalter zu laufen, wird sich das nicht durchsetzen.

Beim iPhone X hat Apple eine Gesichtserkennung eingebaut, die das Entsperren des Telefons leichter machen soll. War das eine gute Idee?

Face ID gefällt mir gut und war tatsächlich eine Innovation. In anderen Bereichen fehlen mir dagegen die großen Neuerungen.

Zum Beispiel?

Bei den Macbooks gab es Veränderungen, die ich fragwürdig finde. Der Schritt zu USB-C war richtig. Aber die iPhones haben immer noch den Lightning-Anschluss. Ich brauche deshalb einen Adapter, um mein Telefon an das Notebook anschließen zu können. Das ist nicht innovativ, sondern dämlich. Ich würde mir etwas mehr Konsistenz wünschen.

Stört dich noch etwas?

Die Touch Bar beim Macbook finde ich fragwürdig. Ich weiß nicht, wer das Ding cool findet.

Hat Apple den Anschluss an die Konkurrenz verloren?

Nein, das ist ein generelles Branchenproblem. Zwischen Samsung und Apple gibt es nur ein Wer-baut-was-nach. Man schaut, was der Konkurrent kann und baut die Technologie etwas besser nach. Der Markt stagniert. Was soll da noch an großen Neuerungen kommen?

Was wäre denn etwas Neues?

Ich brauche nicht unbedingt etwas vollkommen Neues. Mich stört, dass einige Probleme seit Jahren hingenommen werden. Mein Macbook wurde im vergangenen Jahr dreimal wegen einer defekten Tastatur repariert. Apple hat einen Super-Kundenservice, alle sind sehr nett, doch wirklich geholfen wird mir nicht. Es wird ja dasselbe Ersatzteil verbaut, das immer wieder kaputtgeht. Dafür sind die Geräte zu teuer. Bei der Qualitätskontrolle müssten sie eine Schippe drauflegen. Man muss so ein Problem doch dauerhaft lösen können?

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.