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Phil Schiller Weltweiter Marketing-Chef tritt zurück: Apple verliert einen weiteren Top-Manager

Phil Schiller während der Präsentation des iPhone 11 Pro im Jahr 2019.
Phil Schiller während der Präsentation des iPhone 11 Pro im Jahr 2019.
© Tony Avelar/ / Picture Alliance
Phil Schiller arbeitete mehr als drei Jahrzehnte für Apple. Seit 1997 war er der Marketing-Chef und machte den iPod und das iPhone groß. Nun räumt der ehemalige Vertraute von Steve Jobs seinen Posten. Der Nachfolger ist bereits bekannt.

Der Abgang von Design-Guru Jony Ive schockte im vergangenen Jahr viele Apple-Fans. Nun räumt der nächste Top-Manager des Konzerns seinen Posten: Apple hat am Dienstagabend bekanntgegeben, dass Phil Schiller - mit kurzen Unterbrechungen seit 1987 im Unternehmen - seinen Posten als weltweiter Marketingchef räumt.

Phil Schiller ist ein Apple-Urgestein und prägte das Image der Marke entscheidend. Er machte den iPod groß und war maßgeblich an der Entwicklung des iPhone und iPad beteiligt. Er galt als enger Vertrauter von Apple-Gründer Steve Jobs und genießt auch das Vertrauen des derzeitigen CEOs Tim Cook.

Er sollte den Apfel glänzen lassen

Schillers Aufgabe als globaler Marketing-Chef war es, dem Konzern ein cooles Image zu verpassen und die hochglanzpolierten Produkte begehrenswert zu machen. Angesichts des derzeitigen Börsenwerts von 1,9 Billionen US-Dollar ist es nicht übertrieben zu sagen, dass er dabei erfolgreich war. 

In Werberkreisen gilt der 60-Jährige als Legende, zu seinen bekanntesten Kampagnen zählen etwa die knallbunten Silhouettentänzer aus den iPod-Fernsehclips. "Phil hat dazu beigetragen, Apple zu dem Unternehmen zu machen, das es heute ist, und seine Beiträge sind breit, umfangreich und tiefgreifend", erklärt Tim Cook.

Phil Schiller war sich für kaum etwas zu schade

Durch seine Auftritte bei den Produktpräsentationen wurde Schiller eines der bekanntesten Gesichter von Apple. Vor allem in der Zeit unter Steve Jobs war sich der Marketing-Chef für kaum etwas zu schade und erarbeitete sich den Ruf als Rampensau: Um zu demonstrieren, dass man auf dem neuen iBook dank moderner Wlan-Technologie ohne Kabel im Netz surfen kann, stürzte er sich mit dem Gerät in den Armen von einer etwa fünf Meter hohen Bühnenkonstruktion auf eine Turnmatte. Auch eher drögen Software-Präsentationen verpasste er eine schelmische Note, indem er etwa virtuell Achterbahn fuhr. Neben seiner Verantwortung für das Marketing ist er auch der oberste Chef des App Stores. 

Sein direkter Nachfolger wird Greg Joswiak, ebenfalls ein langjähriger Apple-Mitarbeiter. Er ist bereits 20 Jahre bei dem Konzern.  "Joz", wie man ihn unternehmensintern nennt, genießt den Ruf als kreativer Kopf mit Fokus auf der Produktentwicklung. Lange blieb er eher im Hintergrund und war unter anderem für Briefings mit Pressevertretern zuständig. Im vergangenen Jahr trat er ins Rampenlicht, als er auf der Bühne im Steve Jobs Theatre neue iPads vorstellte.

Phil Schiller: "Zeit für Veränderungen"

Schiller sei jetzt 60 Jahre alt und es sei "Zeit für einige geplante Veränderungen in meinem Leben", erklärte er. Apple-Chef Tim Cook muss jedoch keine Sorgen haben, dass der Marketing-Veteran zur Konkurrenz abwandert: Schiller werde so lange im Unternehmen "arbeiten, wie die mich lassen". Seine neue Position wird nebulös als "Apple Fellow" tituliert, er wird weiterhin direkt an Tim Cook berichten.

Er wolle in den kommenden Jahren jedoch mehr Zeit für "meine Familie, Freunde und ein paar persönliche Projekte" haben, die ihm sehr wichtig seien. Schiller gilt als leidenschaftlicher Auto- und Sportfan.

Viele Abgänge bei Apple

Auch wenn Schiller im Unternehmen bleibt und er weiterhin Aufgaben übernimmt - sein Rücktritt aus der ersten Reihe wird den Konzern verändern. Denn er ist bereits der vierte Top-Manager, der innerhalb von gerade einmal 18 Monaten zurücktritt. Zuvor waren bereits Design-Chef Jony Ive (53), der langjährige PR-ChefSteve Dowling und Einzelhandelschefin Angela Ahrendts (60) gegangen.

Und klar ist auch: Apple-Chef Tim Cook dürfte über kurz oder lang ebenfalls ebenfalls den Chefposten räumen. Bereits im Frühjahr 2018 erklärte er im Rahmen eines jährlichen Shareholder-Meetings, er sehe "die Staffelübergabe" als eine seiner wichtigsten Aufgaben. Einen konkreten Zeitpunkt nannte er jedoch nicht. "Ich sehe meine Rolle als CEO darin, möglichst viele Menschen als nächsten Chef vorzubereiten", sagte Cook einmal gegenüber "BuzzFeed". "Die Entscheidung fällt dann das Board, wenn es soweit ist."

Als aussichtsreiche Kandidaten auf die Nachfolge werden COO Jeff Williams und Software-Chef Craig Federighi gehandelt.

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