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Zweite Revolution am Handgelenk: Wie die Uhrenbranche Apple und Co. mit den eigenen Waffen schlägt

Die Smartwatch stellt die klassische Uhrenbranche vor neue Herausforderungen. Apple wurde mit einem Schlag einer der wichtigsten Uhrenhersteller der Welt. Jetzt geht die Branche neue Wege - und erobert sich den Markt zurück.

Ein Mann schaut auf seine Armbanduhr

Klassische Uhren werden immer mehr von Smartwatches verdrängt

Vor ein paar Jahren gab es in der Tech-Branche vor allem ein Hoffungsthema: Wearables, also Fitnesstracker und smarte , sollten den Erfolg des Smartphones wiederholen. Alle großen Hersteller von Apple über Samsung bis Huawei haben eine Smartwatch, einen Fitnesstracker oder gar beides im Programm. Für die klassischen Uhrenhersteller war der Trend ein Albtraum. Sie hatten die Entwicklung verschlafen, die Verkaufszahlen sanken merklich. Jetzt erobern die Uhren-Hersteller ihren Markt zurück - indem selbst herkömmliche Uhren smart werden.

Das erste Aufkommen des Trends hatte praktisch die ganze Branche verschlafen. Mittlerweile hat sich das geändert. Viele Uhren-Hersteller haben längst eigene Smartwatches im Programm. Ihr großer Vorteil: Sie kennen ihren Markt und die Kundenbedürfnisse deutlich besser als die Tech-Konzerne. "Die meisten Kunden sehen die smarten Funktionen nicht als Haupt-Kaufgrund - sondern als Extra", erklärt Antonio Nigro, der beim Modeuhren-Hersteller Fossil für das Europa-Geschäft zuständig ist, dem stern. "Die Nachfrage nach smarten Uhren ist klar da. Deswegen bieten wir mittlerweile fast alle Modellen auch als smarte Version an."

Smartwatches als Mode-Schmuck

Während die Tech-Firmen sich beim Release neuer Geräte an klassischen Ein-Jahres-Zyklen orientieren und vor allem Wert auf die neue Technik legen, denkt Fossil aber in Mode-Zyklen. "Wir haben ganz klassisch Frühjahrs- oder Herbstkollektionen - auch bei den Smartwatches." Der Hersteller verkauft nicht nur Uhren unter dem eigenen Namen, sondern entwirft auch die Modeuhren für Diesel, , Michael Korrs und die dänische Marke Skagen.

Die Auswahl ist dadurch riesig, vom schlichten Modell bis zum mit Glitzersteinen übersäten. "Über alle unsere Marken haben bis Ende des Jahres 300 smarte Geräte im Angebot." Für Kunden, die nicht voll auf eine Smartuhr wechseln wollen, gibt es Hybrid-Uhren, die einen Fitness-Tracker in einer klassischen mechanischen Uhr unterbringen (hier finden Sie einen Testbericht einer solchen Uhr). Auch die Nokia-Tochter Withings hat solche Misch-Uhren im Portfolio.

Königsklasse

Im Luxussegment gibt es solche Hybride noch nicht. Doch auch dort kommen die smarten Funktionen gut an. Als Tag Heuer 2015 seine erste Smartwatch vorstellte, sagte ihr kaum jemand eine echte Chance auf Marktrelevanz voraus. 1200 Stück wollte man jede Woche fertigen. Schon bald musste man die Produktion erweitern, weil die Nachfrage deutlich höher ausfiel. Knapp 60.000 Mal soll die Tag Heuer Carrera Connected seitdem verkauft worden sein - trotz ihres Preises von über 1700 Euro. Technisch kann die Uhr nicht mehr als die günstigen Konkurrenten um 300 Euro.


Auch das neue Modell Connected Modular 45 ist ein Verkaufsschlager. Genaue Zahlen verrät man nicht. Seit März sei die aber die beliebteste Uhr der Marke geworden, erklärte Tag-Heuer-Chef Jean-Claude Biver in einem Interview im August. Kein Wunder, dass andere Luxus-Marken nachgezogen haben: Mittlerweile bieten auch Louis Vuitton oder Breitling eigene Smartwatches an.

Den Markt beherrscht aber längst ein anderer. Nach Schätzungen der Marktanalysten IDC wurden im Sommer-Quartal sieben Millionen Smartwatches verkauft. Den Löwenanteil von satten 49,6 Prozent hat sich ein einzelner Hersteller gekrallt: Apple. Der iPhone-Konzern hat sich mit der Apple Watch also die Hälfte des Smartwatch-Kuchens gesichert. Damit ist Apple einer der wichtigsten Uhren-Hersteller der Welt. Im Jahr 2015 hatte nur noch Rolex mehr Geld mit Uhren verdient, seitdem dürfte die Zahl der verkauften Apple Watches steil angestiegen sein. Der König der Uhren, vom Thron gestoßen vom Smartphone-König.

Den Markt nicht verstanden

ist allerdings die Ausnahme: Für die meisten Tech-Hersteller läuft das Geschäft längst nicht so gut wie erhofft. Viele der Unternehmen ziehen sich wegen mieser Verkaufszahlen aus dem Uhren-Geschäft zurück. Motorola hat seine Smartwatch-Ambitionen schon offiziell beerdigt, auch Huawei und Asus sollen Gerüchten zufolge keine Nachfolger zu ihren wenig erfolgreichen Uhren planen. Dabei hatten sie bei denen schon viele Fehler der Konkurrenten vermieden.

Die Asus Zenwatch und die Watch galten als deutlich hübscher als die sehr technisch anmutenden Uhren der Konkurrenten, die oft mehr Armband-Computer als Schmuck sind. Trotzdem reichte das nicht. Gerade mal 18.000 Geräte seines letzten Jahr vorgestellten Modells Zenwatch 3 soll Asus pro Quartal verkauft haben. Dabei war die Uhr mit einem Preis um 150 Euro deutlich günstiger als die Konkurrenz.

Das Hauptproblem der meisten Hersteller scheint das Technik-Denken zu sein. Smartwatches werden wie Computer beworben, Feature-Listen und technisches Wettrüsten inklusive. Nur Apple ging von Anfang an einen anderen Weg - und platzierte die Apple Watch als Lifestyle-Produkt mit Wechselarmbändern und Luxus-Editionen. So, wie es die Uhrenhersteller seit Jahrzehnten tun.

Kein Zurück

Die klassischen Uhrenhersteller hatten Apple und Co. am Anfang wenig entgegenzusetzen. Gerade die Schweizer Hersteller traf die Entwicklung hart, sie steckten ohnehin in der Krise. Die Nachfrage nach Luxusuhren im Riesenmarkt China ist wegen neuer Korruptionsgesetze weggebrochen. Die Uhren waren dort als Bestechungsobjekt beliebt. Ein starker Franke verstärkte die Situation noch. Da kam die Smartwatch-Konkurrenz im schlimmsten Moment. Nun könnte wenigstens ein Teil der Branche die Wende schaffen.

Geht die aktuelle Entwicklung weiter, könnte sich die Smartwatch vom Albtraum der Uhrenhersteller zu einem eigenen Marktsegment entwickeln, das sie ganz selbstverständlich ebenfalls bedienen. Wie wichtig die Tech-Konzerne dann noch für diesen Markt sind, wird sich zeigen. Apple ist tatsächlich kaum noch als Uhrenhersteller wegzudenken, bei anderen sind die Aussichten deutlich weniger rosig. Ein Zurück gibt es aber wohl nicht mehr. Antonio Nigro sieht die Branche sogar noch weiter in Richtung Smartgeräte rutschen. Er ist sich sicher: "In der Zukunft werden alle Uhren eine Art von Konnektivität haben. Nur welche das genau ist, wissen wir natürlich noch nicht." 

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