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Preise steigen unaufhörlich: Die Schweinepest hat in China gigantische Schäden angerichtet

In China wütet seit einem Jahr die Afrikanische Schweinepest, Hunderte Millionen Tiere mussten zwangsgetötet werden. Der Mangel an Fleisch macht sich nicht nur auf den Tellern, sondern auch in den Kassen bemerkbar. Die Inflation steigt höher als prognostiziert.

Millionen Tiere starben durch die Schweinepest in China

Millionen Tiere starben durch die Schweinepest in China

Getty Images

In China wütet seit mehr als einem Jahr die Afrikanische Schweinepest. Das ist ein Drama, denn in dem Land lebt jedes zweite Schwein auf der Welt: China ist der weltweit größte Produzent - und auch Konsument - von Schweinefleisch. Mehr als 30 Kilogramm verzehrt jeder Einwohner pro Kopf und Jahr.

Erstmals aufgetaucht ist das Virus - das für Menschen ungefährlich, für die Tiere aber tödlich ist - im vergangenen Sommer in Nordostchina. Seitdem kam es zu mehr als 100 weiteren Ausbrüchen in allen Teilen des Landes. Zuchthöfe wurden geschlossen, Hunderte von Millionen Schweinen gekeult. Schätzungen zufolge wurden mittlerweile 40 Prozent der chinesischen Schweine zwangsgetötet. "Es ist die gefährlichste Krankheit, welche die Schweineindustrie je erlebt hat", sagte die Expertin Cui Ernan von der Unternehmensberatung GavekalDragonomics in Peking.

Ein Zaun in Dänemark soll ein Bollwerk zum Schutz der heimischen Schweinezucht vor der Afrikanischen Schweinepest werden.

Chinesen kaufen so viel Fleisch wie sie können

Das wirkliche Ausmaß der Krise wurde lange offiziell heruntergespielt, die Medien berichteten einheitlich zurückhaltend über die Tierseuche. Es ging vor allem darum, Ängste vor einer Inflation zu beschwichtigen. Doch der Plan ging nicht auf: Weil die Nachfrage konstant hoch, das Angebot aber dünn ist, stieg der Preis für Schweinefleisch seit Juli um 125 Prozent gestiegen, so der internationale Berater Rupert Claxton im Gespräch mit dem "Guardian". Dadurch erhöhte sich auch die Inflationsrate in China, welche mit 3,8 Prozent die offizielle Drei-Prozent-Hürde der Regierung durchbrach.

Damit der Bedarf gedeckt werden kann, kaufen chinesische Importeure seit Monaten den Weltmarkt leer, fündig werden sie vor allem in Brasilien, den USA oder Europa. Im September des vergangenen Jahres importierte China 94 Millionen Kilogramm Schweinefleisch, in diesem Jahr waren es bereits 161 Millionen Kilogramm. Vor zwei Wochen wurde ein Bann aufgehoben, der es nun erlaubt, auch Fleisch aus Kanada zu importieren.

Die Preise gehen durch die Decke

Das treibt die Preise nach oben: Während sich Landwirte über einen größeren Gewinn freuen können, müssen Konsumenten an der Fleischtheke tiefer ins Portemonnaie greifen. In Europa sind die Preise seit Jahresbeginn um 35 Prozent gestiegen. Und die Nachfrage dürfte in China noch zunehmen: "Das Problem ist, dass der globale Fleischexport 2018 bei acht Millionen Tonnen liegt, China aber 24 Millionen benötigt", sagt Claxton. oder mit anderen Worten: "Es gibt einfach nicht genug Schweinefleisch auf der Welt, um diese Lücke zu schließen."

Ein baldiges Ende der Schweinepest ist nicht absehbar: Das Virus ist hochansteckend und sehr zäh. Er überlebt es sogar, wenn das Fleisch gekocht oder mehrere Jahre tiefgefroren wird. Es werden viele Jahre vergehen, Jahre dauern, bis sich China und andere südostasiatische Länder wie Kambodscha und Vietnam, wo der Erreger ebenfalls aufgetaucht ist, von diesem Schock erholen werden. In China wird sich die Industrie auch umstrukturieren müssen, um eine höhere Sicherheit in den Betrieben zu gewährleisten. Viele Kleinbauern dürften aber vermutlich vor dem Ruin stehen.

Damit es hierzulande gar nicht erst soweit kommt, werden diverse Maßnahmen ergriffen. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern etwa hat im Frühjahr einen 51 Kilometer langen Elektrozaun bauen lassen, um im Falle eines Ausbruchs eine Zone abriegeln zu können. Dänemark will sich ebenfalls mit einem Wildschweinzaun entlang der deutschen Grenze schützen.