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Filmfest München: Udo Kier räumt CineMerit-Award ab

Für viele ist Udo Kier "unser Mann in Hollywood". Er ist einer der wenigen deutschen Schauspieler, die in der Traumfabrik und damit auch im internationalen Filmgeschäft ihren Platz gefunden haben.

Udo Kier hat geschafft was wenige schaffen: Er ist als deutscher Schauspieler international bekannt. Nicht vielen deutschen Darsteller gelingt es, auch in Amerika in ihrem Beruf zu bestehen. Die Bandbreite des gebürtigen Kölners ist groß: In aufwändigen Blockbustern wie "Armageddon" ist er ebenso zu sehen wie etwa in Lars von Triers minimalistischem Filmdrama "Dogville". Dabei gibt Kier oft den Bösewicht - nicht zuletzt wegen seines intensiven Blicks aus ungewöhnlich grünen Augen.

Auf dem Filmfest München zeigt sich der 69-Jährige von einer anderen Seite: Als Kunstverrückter, den die Begeisterung bis in den Wahnsinn treiben kann, zu sehen in der Dokumentation "Arteholic", die im Oktober auch ins Kino kommen soll, pünktlich zu seinem 70. Geburtstag am 14. Oktober.

Zur Kunst hat Kier ein sehr enges Verhältnis - schon früh freundete er sich mit namhaften Künstlern an. Man traf sich auf Partys, feierte, machte aber auch gemeinsam Kunst, machte Performances oder Filme. Andy Warhol wollte den gutaussehenden jungen Mann mit dem diabolisch-stechenden Blick unbedingt für seine Horror-Persiflagen "Blut für Frankenstein" und "Blut für Dracula" haben. Mit dem Maler und Bildhauer Michael Buthe wohnte er in Köln Tür an Tür und machte auch bei seinen Performances mit. Und bis heute ist er mit Rosemarie Trockel und David Hockney befreundet.

Besonders eng war Kiers Kontakt zu Rainer Werner Fassbinder, mit dem er unter anderem "Lili Marleen" oder "Berlin Alexanderplatz" drehte. Auch für Gus van Sant stand er vor der Kamera, etwa in "My Own Private Idaho". Auch mit deutschen Regisseuren arbeitete er wie Christoph Schlingensief oder Fatih Akin.

Nun ehrt ihn das Münchner Filmfest für seine Verdienste um die Filmkunst mit dem CineMerit Award - bei der Premiere von "Arteholic" am Montagabend. "Das ist ein schönes Gefühl, ich weiß ja, wer den Preis vorher bekommen hat", sagte Kier - zum Beispiel Michael Caine oder John Malkovich, mit dem er zusammen die "Nosferatu"-Hommage "Shadow of the Vampire" gedreht hat. "Anerkennung habe ich bekommen und auch viele Preise, aber noch keinen in Deutschland, das ist der erste deutsche Preis."

yps/DPA / DPA