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Neu im Kino: Hardcore-Sex macht noch lange keinen Skandal

Trotz Sexwetten, Besteck in der Muschi und jeder Menge Pornodoubles ist Lars von Triers "Nymphomaniac" kein Aufreger, sondern ein richtig guter Film. Was man vom neuen Clooney nicht behaupten kann.

Von Patrick Heidmann und Nicky Wong

"Nymphomaniac 1"

Kinotrailer: "Nymphomaniac"

Wen Sie kennen könnten: Regisseur Lars von Trier ("Melancholia") und die Darsteller Charlotte Gainsbourg ("Antichrist"), Stellan Skarsgård ("Fluch der Karibik 2"), Uma Thurman ("Kill Bill"), Shia LaBeouf ("Transformers") und Udo Kier ("Iron Sky")

Die Geschichte in einem Satz:

Nachdem der Eigenbrödler Seligman sie schwer verletzt in einem Hinterhof aufliest, berichtet ihm die von Selbsthass gequälte Joe eine Nacht lang von ihrer Sexsucht, deren Beginn sie schon in ihrer frühen Jugend verortet und die sich in unterschiedlichen Phasen durch ihr ganzes Leben zieht.

Geschwister im Kinoversum:

"Antichrist", "Shame"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Die Sexszenen sind natürlich ein spannender Anreiz, doch die spielen hier interessanterweise eher eine Nebenrolle. Zumal man wissen sollte: das ist nicht Shia LaBeoufs echter Penis, den wir hier im Einsatz sehen, sondern der eines Pornodarstellers, der dann später per Computer mit dem Schauspieler "verschmolzen" wurde. Also kommen Sie ruhig in voyeuristischer Absicht, aber bleiben Sie, weil der neue Film von Lars von Trier richtig gut ist. Statt eines schockierenden Sex-Skandals erwartet Sie ein wuchtig (und in Rückblenden) erzähltes, ziemlich intellektuelles und aufwühlendes Leidensdrama, in dem die Darsteller glänzen und manche Szene (etwa Uma Thurmans Furien-Auftritt) unvergesslich ist. Das Ende kommt abrupt, denn am 3. April geht es mit Teil 2 weiter.

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"Monuments Men - Ungewöhnliche Helden"

Kinotrailer: "Monuments Men - Ungewöhnliche Helden"

Wen Sie kennen könnten: Regisseur und Darsteller George Clooney ("Gravity") und die weiteren Darsteller Matt Damon ("Good Will Hunting"), Bill Murray ("Lost in Translation"), Cate Blanchett ("The Aviator"), John Goodman ("The Big Lebowski") und Jean Dujardin ("The Artist")

Die Geschichte in einem Satz:

Kunstwissenschaftler Frank Stokes wird kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs vom US-Militär damit beauftragt, eine Truppe zusammenzustellen, die in Europa verhindern soll, dass Hitler seine Beutekunst zerstört und die Welt um einige ihrer größten Schätze bringt, doch natürlich erweisen sich Bildhauer, Architekten und andere Fachexperten als nur bedingt einsatztauglich.

Geschwister im Kinoversum:

"Inglorious Basterds", "Gefährten"

Warum Sie den Film nicht unbedingt sehen müssen:

Die wahre Geschichte der "Monuments Men", die für den Erhalt einiger der bedeutendsten Kunstwerke der Welt verantwortlich waren, ist hoch spannend. George Clooneys historisch nicht immer ganz korrekte Verfilmung des gleichnamigen Sachbuchs ist es dagegen leider nicht. Ziemlich unentschlossen plätschert der Film vor sich hin, und die Mischung aus Humor (auf den sich die tolle Besetzung natürlich bestens versteht) und realer Tragik geht vor dem Hintergrund des Krieges mehr als einmal nicht auf.

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"Stromberg - Der Film"

Kinotrailer: "Stromberg - Der Film"

Wen Sie kennen könnten: die Darsteller Christoph Maria Herbst ("Der Wixxer") und Bjarne Mädel ("Der Tatortreiniger")

Die Geschichte in einem Satz:

Zum Firmenjubiläum macht sich Stromberg mitsamt seiner Mitarbeiter aus der Schadensregulierung auf in ein Landhotel, wo die gesamte CAPITOL-Belegschaft feiern soll, er aber angesichts der bevorstehenden Schließung seiner Filiale vor allem den eigenen Wechsel in die Zentrale vorbereiten will.

Geschwister im Kinoversum:

die "Stromberg"-Serie

Warum Sie den Film sehen sollten:

Wenn Sie zur kleinen, aber feinen Fangemeinde der nach fünf Staffeln eingestellten Kult-Mockumentary-Comedy "Stromberg" gehören, versteht sich ein Kinobesuch sicherlich von selbst. Vielleicht waren Sie sogar unter jenen, die via Crowdfunding diesen Kinoabstecher überhaupt erst möglich gemacht haben. Selbst wer im Fernsehen nie eingeschaltet hat, dürfte sich hier nun amüsieren, dafür sorgt nicht zuletzt das komödiantische Talent von Christoph Maria Herbst oder Bjarne Mädel. Wobei nicht verschwiegen werden soll, dass der ungemütliche "Stromberg"-Witz in 25-minütigen Episoden noch besser funktionierte als im Leinwandformat.

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"Tarzan 3D"

Kinotrailer: "Tarzan 3D"

Wen Sie kennen könnten: die Stimmen von Alexander Fehling ("Buddy"), Lena Meyer-Landrut und Kai Wiesinger ("Der bewegte Mann")

Die Geschichte in einem Satz:

Nach einem Hubschrauberabsturz über dem afrikanischen Dschungel wächst Tarzan bei Gorillas auf und stößt erst zehn Jahre später wieder auf Menschen, woraufhin er sich in die schöne Jane verliebt, deren Begleiter allerdings ganz eigene Pläne im Urwald verfolgt.

Geschwister im Kinoversum:

"Tarzan"

Warum Sie den Film nicht sehen sollten:

Wochenlang stand "Twilight"-Star und Unterwäschemodel Kellan Lutz nur im Lendenschurz in den Münchener Bavaria Studios vor der Kamera, wovon nun allerdings nicht viel zu sehen ist, weil diese Klassikeradaption mittels Motion-Capture-Verfahren anschließend in einen 3D-Animationsfilm verwandelt wurde. Und der sieht weder besonders aufregend aus noch erklärt er mit seiner kreuzbraven Erzählung inklusive politisch korrekter Öko-Botschaft, warum man diese altbekannte Geschichte unbedingt noch einmal neu auflegen musste.

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Patrick Heidmann