HOME

TV-Tipp 13.11.: Mini-Serie "Geister": Lars von Trier lädt zu "Twin Peaks" im Hospital

In Dänemark ist "Geister" längst Kult. 1994 riss Lars von Trier mit dieser völlig abgedrehten Krankenhaus-Grusel-Frace alle Genre-Grenzen ein. Unser TV-Tipp des Tages.

Noch so eine Verrückte? Frau Drusse (Kirsten Rolffes), ein Medium, sucht mit ihrem Sohn Bulder (Jens Okking) einen Geist im Aufzugschacht.

Noch so eine Verrückte? Frau Drusse (Kirsten Rolffes), ein Medium, sucht mit ihrem Sohn Bulder (Jens Okking) einen Geist im Aufzugschacht.

"Geister" 21.45 Uhr, Arte
KRANKENHAUSSOAP-GRUSEL-FARCE "Das Reichskrankenhaus steht auf uraltem Sumpfland... hier wässerten die Bleicher ihre riesigen Tücher... die Bleicher wichen den Ärzten... Von nun an sollte gemessen und gezählt werden, auf dass nie mehr Aberglaube und Unwissenheit die Bastion der Wissenschaft erschüttert. Aber vielleicht waren sie zu anmaßend in ihrem hartnäckigen Leugnen der spirituellen Welt, denn es ist, als wären Dampf und Kälte zurückgekehrt..."

Wow - was für ein Einstieg. Diese tiefe, bedeutungsschwangere Erzählerstimme! Diese verstörenden, monochromen Bilder! Dampf und Nebel wabern auf, wir blicken in die Vergangenheit, sehen die Gestalten der Bleicher, die ihrem stumpfen Handwerk nachgehen: Stofffetzen werden ins Wasser getaucht. Die gleitet hinab, immer tiefer und tiefer in die Schwärze. Zwei Hände stoßen durch das feuchte Erdreich zurück ins Licht. Ein Schwall von Blut drückt sich durch die Buchstaben des Serientitels.

Und dann lässt Lars von Trier den Wahnsinn von der Kette.

#link;https://www.youtube.com/watch?v=5McczZo-u4o;"Geister" # ist wie sein deutscher Titel. Nicht zu greifen. Zumindest nicht, wenn wir in üblichen Genrekonventionen denken. Krankenhaussoap, Gruselgeschichte, Farce, Gesellschaftskritik und einfach nur gaga - die Mini-Serie, die 1994 zum ersten Mal in ausgestrahlt wurde, wirft alles munter durcheinander. Herzlich willkommen im Sandkasten eines der größten Filmgenies unserer Tage. Herzlich willkommen zur wohl amüsanteste Gruselgeschichte, die in den letzten 20 Jahren den Weg auf unsere TV-Schirme gefunden hat. Freilich nur, wenn man auf die Art absurden, grotesken und zutiefst schwarzen Humor steht, wie ihn David Lynch mit "Twin Peaks" perfektioniert hat.

Es gibt eine Menge völlig abgedrehter Gestalten, die abgedrehte Dinge tun. Da wäre ein liebeskranker Medizinstudent zu nennen, der seiner Angebeteten den abgetrennten Kopf einer Leiche zum Geschenk macht, die zufällig genauso aussieht wie er selbst. Da wäre der Klinikchef, der den Arbeitsalltag mit einer selbst anberaumten "Operation Morgenluft" verbessern will. Oder die beiden Tellerwäscher mit Down-Syndrom, die die Geschehnisse im Krankenhaus einem allwissenden Chor aus der griechischen Tragödie gleich kommentieren. Aber niemand ist schlimmer als der schwedische Oberarzt Dr. Helmer (Ernst-Hugo Järegard), gegen den Dr. House wie eine bessere Schwester Stefanie erscheint. Ein Ekel durch und durch, der auf der Wolke seiner eigenen Hybris durch das Krankenhaus schwebt und nichts mehr verachtet wie die Menschen im Allgemeinen und die Dänen im Speziellen.

Dass die Serie trotz all dieser Figuren nie ins Klamaukige abdriftet, ist der besondere Verdienst von Triers. Egal wie absurd sich die Handlung auch entwickelt - der unterschwellige Grusel bleibt. Und so schafft der Filmemacher die sprichwörtliche Quadratur des Kreises: "Geister" dekonstruiert all die Genres, denen sich die Miniserie bedient, macht sich darüber lustig und nimmt sie dennoch ernst. Todernst.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Zwölf Uhr mittags"
23.35 Uhr, MDR
WESTERN Gegen den Willen seiner Frau (Grace Kelly) stellt sich Sheriff Will Kane (Gary Cooper) mutterseelenallein dem Duell mit einem Banditen... Fred Zinnemann schuf einen Klassiker, bei dem das Ticken der Bahnhofsuhr und der Galopp der Filmmusik den Ton angeben. (bis 0.55)

"David Attenborough - Mein Leben in der Wildnis"
23.25 Uhr, Servus TV

NATUR Über 50 Jahre klärte der britische Naturfilmpionier (88) in Reihen wie "Spiele des Lebens" über Ökologie und Evolution auf. Begegnungen mit Tieren, Erkenntnisse über den Menschen. (bis 0.25)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo