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»IM BANN DES JADE SKORPIONS«: Praktisch im Schlaf gedreht

Die schönsten Frauen sind wieder mal in seinem Bann: In seinem neuen Film gibt sich Woody Allen, ganz der Alte, als Schwerenöter in Trance.

Er hat es mal wieder geschafft. Hat mit einer irrsinnigen Geschichte die Zuschauer auf der diesjährigen Biennale hingerissen. Sondervorstellungen mussten organisiert werden für Woody Allens 31. Kinofilm, Venedig war »Im Bann des Jade Skorpions«.

Das liegt natürlich an den Wortgefechten, die sich Allen in der 40er-Jahre-Komödie als New Yorker Versicherungsdetektiv Briggs mit seiner Vorgesetzten Fitzgerald (Helen Hunt) liefert.

Auf einer Betriebsfeier werden die beiden von einem Magier hypnotisiert. Wenn sie die Codewörter »Konstantinopel« und »Madagaskar« hören, verfallen sie in inbrünstige Liebe zueinander - und in willenlose Trance. Als klassischer Sleeper wird per Anruf zunächst Briggs fernhypnotisiert und auf Raubzüge zu seinen Klienten geschickt. Wieder entzaubert, soll er die Diebstähle aufklären, nicht ahnend, dass er selbst der Täter ist.

Wer in den Bann des »Jade Skorpions« gerät, wird künftig bei jeder Erwähnung von Konstantinopel oder Madagaskar in haltloses Gekicher ausbrechen; Allens geniale Dialoge rekonstruieren zu wollen ist ohnehin sinnlos.

In Amerika bekam der Film überwiegend negative Kritiken. Die »New York Times« tat ihn als Hobbyveranstaltung ab, andere mokierten sich über den Hang des 66-jährigen Filmemachers zu immer jüngeren Partnerinnen. So verfallen ihm diesmal unter anderem die 38-jährige Helen Hunt und die gerade mal 26-jährige Charlize Theron. »Sie sind zu alt und zu klein«, sagt Helen Hunt im Film mal zu Briggs. Und er erwidert, in schöner Selbstironie: »Sie haben das Beste vergessen: Ich verliere meine Haare.«

Charlize versucht trotzdem, ihn mit aller Macht zu verführen. Für die Südafrikanerin ist es, nach einem Auftritt in seiner Promi-Farce »Celebrity«, die zweite kleine Rolle in einem Woody-Allen-Film - und, wie sie sagt, »eine Ehre«. Das komplette Drehbuch hatte sie nie gesehen, das Projekt sollte wie stets bis zur Aufführung streng geheim bleiben. »Das ist eine gute Übung«, sagt Charlize. »Man versucht erst gar nicht, viel rumzuanalysieren.« Natürlich habe sie abends an der Bar mit ihren Kollegen versucht, die ganze Story herauszukriegen. Aber erst seit der Premiere versteht sie, weshalb Leute lachen bei Kons-tantinopel und Madagaskar.

Bianca Lang