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"Inside Deep Throat": Auf den Spuren des Ur-Pornos

"Inside Deep Throat" begibt sich auf die Spuren des legendären Pornos "Deep Throat" von 1972 - und liefert einen Einblick in die Kultur- und Sittengeschichte der jüngsten Vergangenheit.

Von Carsten Heidböhmer

Bereits im Februar feierte der amerikanische Dokumentarfilm "Inside Deep Throat" von Fenton Bailey und Randy Barbato auf der Berlinale seine deutsche Uraufführung. Die im unterhaltsam-witzigen Stil von Michael Moore gestaltete Dokumentation begibt sich auf die Spuren von "Deep Throat", jenem legendären Film aus dem Jahr 1972, in dem erstmals eine spezielle orale Sexualtechnik unzensiert auch in ganz normalen Kinos zu sehen war. Mit wenig Geld, primitivsten Mitteln und amateurhaften Darstellern gedreht, wurde "Deep Throat" ein kommerzieller Welthit und gilt mit einem Einspielergebnis von 600 Millionen Dollar nach wie vor als erfolgreichster Porno aller Zeiten.

Doch seinen Machern brachte der sensationelle Erfolg kein Glück: Regisseur Gerard Damiano ist ein hinfälliger alter Mann mit lächerlichem Haarteil, der nie wirklich von seinem Werk profitieren konnte. Auch die Hauptdarstellerin Linda Lovelace nutze ihr fragwürdiger Ruhm nichts: Die Rolle der "Frau mit dem Kitzler im Rachen" brachte ihr weder Geld noch die erhoffte Karriere.

Brotloser Ruhm

Nach eigenen Angaben war sie im Alter von 20 von ihrem ersten Ehemann praktisch mit vorgehaltener Pistole gezwungen worden, in Pornofilmen mitzuspielen. Das Paar ließ sich ein Jahr nach Veröffentlichung von "Deep Throat" scheiden. Für ihre Rolle erhielt sie keinen einzigen Cent. In den 90er Jahren wandelte sie sich zur Antiporno-Aktivistin und hielt Vorträge gegen die sexuelle Ausbeutung in der Pornoindustrie. Lovelace starb völlig verarmt 2002 im Alter von nur 53 Jahren bei einem Autounfall.

Lediglich ihr Partner Harry Reems, immer noch stolz auf die einstige Potenz, hat es nach Jahren gerichtlicher Auseinandersetzungen zu einigem Wohlstand als Immobilienmakler gebracht. Hauptprofiteur von "Deep Throat" aber war die Mafia, die bei den verängstigten Kinobesitzern brutal abkassierte. Und profitiert haben ebenso die Karrieren konservativer Tugendwächter wie auch die seit 1972 ins Riesenhafte gewachsene Pornoindustrie.

Berühmtester "Blow Job" der Filmgeschichte

"Inside Deep Throat" spart auch die Schlüsselszenen des Pornos mit dem berühmtesten "Blow Job" der Filmgeschichte nicht aus. Die Dokumentation zeigt bisweilen intime Details und erzählt von den gesellschaftlichen Auswirkungen des berüchtigten Films. In mehrjähriger Arbeit haben Regisseur Fenton Bailey und Drehbuchautor Randy Barbato mehr als 100 Zeitzeugen zu sexueller Befreiung, moralischen Werten und Zensur befragt. Zu Wort kommen neben den ehemaligen Akteuren Linda Lovelace und Harry Reems auch Staranwalt und O.J. Simpson-Verteider Alan Dershowitz, die Playboy-Legende Hugh Hefner sowie der Schriftsteller Norman Mailer.

"Inside Deep Throat" soll am 11. August 2005 in die deutschen Kinos kommen. Derzeit bemühen sich Verleiher, die Mutter aller Pornfilme, "Deep Throat", zeitgleich in die Kinos zu bringen.