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"Jede Sekunde zählt - The Guardian": Wehrertüchtigung im Wasser

Die USA führen Kriege. Und wer Kriege führt, braucht Kriegernachwuchs. Über das Kino lässt sich da manches erreichen - besonders mit der Hilfe von Heldendarstellern wie Kevin Costner und Ashton Kutcher.

Vordergründig geht es in "Jede Sekunde zählt - The Guardian" um die harte Ausbildung zum Seenotretter, doch das eigentliche Thema ist Wehrertüchtigung. Kevin Kostner spielt in dem von Andrew Davis inszenierten Film einen draufgängerischen Rettungsschwimmer der US-Küstenwache namens Ben Randall. Bei einer dramatischen Rettungsaktion verliert er sein ganzes Team und fühlt sich an der Tragödie mitschuldig. Randalls Vorgesetzter legt dem deprimierten Mann nahe, den aktiven Dienst zu beenden und seine große Erfahrung als Ausbilder einzusetzen. Begeistert ist Ben nicht, aber dann fängt er doch Feuer, denn er hat es mit ehrgeizigen jungen Menschen zu tun, die bereits zu den Besten der Besten gehören.

Das ist jedoch noch lange kein Freifahrtschein für eine Karriere bei der Küstenwache. Das bekommt auch der Schwimmchampion Jake Fischer zu spüren. Der ist ein reichlich von sich selbst eingenommener junger Mann. Jake glaubt, die Anforderungen der Ausbildung spielend bewältigen zu können. Doch Ben macht ihm sehr nachdrücklich klar, dass es nicht nur perfekter körperlicher Voraussetzungen bedarf, sondern auch besonderer charakterlicher Qualitäten, um ein allen Anforderungen gerechter Rettungsschwimmer im Eliteteam der Küstenwache zu werden. Ohne Konflikte zwischen den beiden Männern, die Vater und Sohn sein könnten, geht das natürlich nicht ab - ohne Liebesgeplänkel übrigens auch nicht.

Eine staatspädagogische Botschaft

Am Ende jedenfalls kommt die harte Prüfung in der Praxis, bei der es nicht mehr um Training, sondern um Leben oder Tod geht. Alles in dem Film verläuft sehr absehbar, denn alle aufgebotenen Charaktere sind aus vielen anderen Filmen wohl bekannt. Davis und sein Drehbuchautor Ron L. Brinkerhoff haben ersichtlich keinerlei Ehrgeiz, eine originelle Geschichte zu erzählen, sie wollen nur spannend unterhalten. Das gelingt immer dann, wenn Aktion zu sehen ist. Kommen menschliche Konflikte ins Spiel, ist "The Guardian" ziemlich öde Kost. Und weder Kostner noch Kutcher sind Schauspieler, die etwas anderes darstellen können als Typen vom Reißbrett. Gerade deshalb sind sie aber geeignet für einen Film, der neben seinem Unterhaltungswert noch eine staatspädagogische Botschaft vermitteln will und daraus keinen Hehl macht.

In jeder Minute dieses Streifens wird dem Betrachter bewusst, dass die USA eine Nation sind, für die kriegerische Werte keinesfalls zu verachten sind. Tapferkeit, Disziplin, Gehorsam, Heldenmut und Opferbereitschaft sind die militärischen Tugenden, die mit unerbittlicher Strenge den jungen Rekruten der Küstenwacht eintrainiert und abverlangt werden. Wer Gefallen daran hat, wird sein Eintrittsgeld nicht bereuen. Aber solch martialisches Treiben wird zivilen Gemütern ziemlich zuwider sein. Solche Zuschauer seien vor "The Guardian" nachdrücklich gewarnt.

Wolfgang Hübner/AP

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