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"Kiss Kiss, Bang Bang" Mit dieser Krimikomödie feierte Robert Downey jr. sein furioses Comeback

"Kiss Kiss, Bang Bang"
Val Kilmer und Robert Downey jr. geraten in "Kiss Kiss, Bang Bang" unverschuldet in Schwierigkeiten.
© Picture Alliance
Shane Black zählte Anfang der 90er zu den gefragtesten Drehbuchautoren Hollywoods. Mit "Kiss Kiss, Bang Bang" legte 2005 ein berauschendes Regie-Debüt vor - und verhalf Robert Downey Jr. zu einem grandiosen Comeback.

Harry Lockhart hat wirklich nicht seinen Glückstag. Als der tollpatschige Gauner gerade einen Spielzeugladen ausrauben will, geht die Sirene los. Auf der Flucht wird sein Kompagnon erschossen, und Harry (Robert Downey Jr.) rettet sich, von der Polizei gnadenlos gehetzt, in letzter Not in ein Filmcasting. Die Jury ist von seinem authentischen Schauspiel derartig begeistert - ein Juror spricht anerkennend von "Method Acting" -, dass Harry die Rolle als Detektiv bekommt.

Eigentlich doch eine nette Perspektive für einen heruntergekommenen Kleinganoven. Doch für Harry beginnt der Ärger jetzt erst richtig. Als Vorbereitung auf seine Filmrolle soll er eine Woche lang den Detektiv Perry van Shrike (Val Kilmer) bei seiner Arbeit begleiten. Der bearbeitet gerade einen harmlos erscheinenden Routine-Auftrag. Doch schon bald taucht die erste Leiche auf. Das ungleiche Duo gerät in einen Strudel krimineller Machenschaften, bei dem auch der Zuschauer bisweilen die Übersicht zu verlieren droht. Was nicht weiter schlimm ist, denn angesichts der temporeichen Handlung bleibt sowieso kaum Zeit zum Luftholen: Hinter der nächsten Ecke wartet eine weitere überraschende Wendung, die die sympathischen Ermittler vor neue Probleme stellt.

Spinne um Dekolletee

Nebenbei trifft Harry auch noch seine Jugendliebe Harmony (Michelle Monaghan) und ist sogleich wieder für sie entflammt. Doch der Weg zu ihr führt über denkbar komische Verwicklungen: Das eine Mal stürzt er mit ihr in einer Kneipe ab, erwacht aber am nächsten Morgen im Bett einer anderen Frau. Ein anderes Mal will Harry eine Spinne entfernen, die ins Dekolletee der schlafenden Harmony krabbelt. Und sieht natürlich denkbar schlecht aus, als sie bei der Operation wacht wird.

Der Film ist gespickt mit skurrilen Szenen, komischen Dialogen und originellen Sprüchen. Etwa wenn sich Harry nach einem unfreiwilligen Bad im See beklagt, er sei "nass wie Drew Barrymore in einem Grunge-Club". Dazu ist Shane Blacks Film voll mit überraschenden Einfällen, plötzlichen Gewaltausbrüchen und bietet eine verschachtelte Handlung.

Munteres Spiel mit Genres

Vor allem aber spielt "Kiss Kiss, Bang Bang" mit filmischen und literarischen Genres, in diesem Fall mit dem Film noir und der Tradition der Hard-boiled-Kriminalgeschichten. So sind einzelne Kapitel des Filmes mit Titeln von Raymond-Chandler-Romanen überschrieben. Und die Helden geraten hier in ein ähnliches Labyrinth, wie es Philip Marlowe in seinen Fällen durchschreiten muss. Weit davon entfernt, sich in einer bloßen Stilkopie zu erschöpfen, vermischt Black diese Tradition mit den Errungenschaften des modernen Actionfilms.

Gleichzeitig führt der Film noch eine zweite Ebene ein: Harry ist nicht nur Protagonist, sondern gleichzeitig der Erzähler in dieser Geschichte: Er kommentiert, moralisiert, hält den Film zwischenzeitlich gar an und spult zurück. Und entschuldigt sich, wenn zwischendurch mal jemand flucht. Kurzum: "Kiss Kiss, Bang Bang" bietet feinstes, spannungsgeladenes Actionkino, macht sich aber gleichzeitig über dessen Konventionen lustig.

Shane Blacks erstaunliches Comeback

Damit hebt Regisseur Shane Black den Unterhaltungsfilm des neuen Jahrtausends auf ein neues, selbstreflexives Niveau. Gleichzeitig gelingt Black mit diesem Film ein furioses Comeback. In den 80er und 90er Jahren zählte er zu den gefragtesten Autoren Hollywoods, verfasste die Drehbücher zu Kassenschlagern wie "Leathal Weapon" und "Last Boy Scout", ehe es Ende der 90er still wurde um ihn. Doch nun meldet sich Shane Black zurück - und bringt Robert Downey Jr. gleich mit auf die große Bühne. Dieser beweist nach überstandenem Drogenentzug und Knastaufenthalt, dass er noch immer zu den besten Schauspielern Amerikas gehört. Und das ganz ohne Method Acting!

"Kiss Kiss, Bang Bang" ist am Dienstag, 24. März , um 20.15 Uhr auf Kabel 1 zu sehen.


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