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"On the Road" startet im Kino: Kirsten Stewart läuft zu Hochtouren auf

"On the Road" von Jack Kerouac galt lange als schwer verfilmbar. Nun hat sich der brasilianische Regisseur Walter Salles an das Kultbuch gewagt. Mit Sam Riley, Kristen Stewart und Kirsten Dunst.

Kinotrailer: "On the Road - Unterwegs"

Dean und Sal berauschen sich am bloßen Sein: an Abenteuern, Drogen und Sex. Zwei lebenshungrige junge Männer, die nach Freiheit um jeden Preis suchen. Jack Kerouac hat aus der autobiografisch gefärbten Geschichte einen der meist gelesenen Romane weltweit geschrieben. "On the Road" (Unterwegs) wurde zu einem Bestseller, den der brasilianische Regisseur Walter Salles nun mehr als 60 Jahre später verfilmt hat - jedoch nicht ganz mit dem erhofften Erfolg.

Bereits Kerouac träumte davon, seinen Roman auf Leinwand zu sehen. Francis Coppola hatte die Rechte am Stoff schon vor Jahren gekauft. Als Regisseure waren zeitweise Jean-Luc Godard und Gus Van Sant im Gespräch. Schließlich wagte sich Salles zusammen mit seinem Drehbuchautoren José Rivera an den Kultstoff.

Das Problem sei gewesen, gute Schauspieler zu finden, meinte der 56-jährige Salles in einem Interview. An der Besetzung aber kränkelt die Verfilmung nicht. Im Gegenteil. Mit Sam Riley, Garrett Hedlund, Kristen Stewart und Kirsten Dunst in den wichtigsten Rollen bewies Salles ein goldenes Händchen. So läuft beispielsweise "Twilight"-Star Stewart als wilde und ungezügelte junge Frau zu Hochtouren auf.

Enttäuschung für Kerouac-Fans

"On the Road" war Kerouacs Durchbruch und Höhepunkt seiner Karriere. Der damals 29-Jährige schrieb 1951 die Geschichte in nur drei Wochen auf eine lange Rolle aus zusammengeklebten Bögen Zeichenpapier. Auf 36 Meter Längen hielt er seine Abenteuer und Touren quer durch Amerika Ende der 40er Jahre fest, die erst 1957 veröffentlicht wurden. Darin lässt Kerouac unermüdlich Situationen, Landschaften, Personen und Orte vorbeiziehen.

Diesem Rhythmus folgt auch Salles, nur dass es seiner Leinwandversion an Intensität und Radikalität fehlt. Weder von dem Leben, in das Kerouac und seine Freunde sich hungrig stürzen ist etwas zu spüren, noch von dem, nach dem sie suchen.

Salles will zu sehr nacherzählen, auch wenn er in seinem mehr als zweistündigen Film auf einige Orte und Personen verzichtet. Er reiht Schlüsselszenen und Darstellungen sexueller Erfahrungen aneinander, die zu einem bestimmten Moment und zu einer bestimmten Zeit etwas bewegt und bewirkt haben - mehr als ein halbes Jahrhundert später jedoch weder Bilder, Gefühle noch Fragen auslösen.

Vor allem Kerouac-Fans werden enttäuscht sein. Von der existenziellen Grundstimmung, die in jedem Wort des zum Manifest der Beat-Generation gewordenen Buchs mitschwingt, ist in dem Film nichts zu spüren. Die Wirkung, die beim Lesen des über 550 Seiten langen Originals zwischen den Zeilen entsteht, bleibt aus. Salles gelingt es nicht, die von Kerouac sprachlich erzeugte Intensität des Erlebens filmisch umzusetzen.

Sabine Glaubitz, DPA / DPA