"The Dark Knight" Eine kluge Meditation über das Böse


Heath Ledger als "Joker" ist das wild pochende Herz von Chris Nolans "Batman"-Sequel "The Dark Knight". Aber der Totenkult um Ledger ist nicht der einzige Grund, warum man sich den Film anschauen sollte. Auch die Hauptfigur "Batman" selbst, früher nur ein Popcornkino-Kasper, ist hier erstmals ein komplexer, tragischer Held.
Von Oliver Fuchs

Gibt es für einen Mann noch was Alberneres zum Anziehen als kurze Hosen und Flip-Flops? Ja: ein Fledermauskostüm. Dann sieht er aus wie Batman. Dieser seltsame Superheld, der weder fliegen noch klettern noch sonst irgendwas kann. Dieser gelangweilte Millionär mit Weltrettungs-Größenwahn. Machen wir uns nichts vor: Batman ist eine Witzfigur.

Und als solche wurde er im Kino meist auch zurechtgemacht. Mit Schaudern erinnern wir uns etwa an George Clooney, der in "Batman und Robin" 1997 den Flattermann machte - mit dauererigierten Brustwarzen! "The Dark Night" heißt nun der sechste Batman-Film. Er ist ernst und finster und ziemlich nihilistisch. Voll Schrecken, aber auch voll Schönheit. Ein Feuerwerk der Grausamkeiten, es wird gefoltert und gemordet und erpresst, dauernd krachbummt es irgendwo, doch unter all dem Rauch glimmt ein Glutkern der Humanität.

Seit "Titanic" vor zehn Jahren Weltrekorde feierte, hat kein Film mehr so viele Menschen in Scharen ins Kino getrieben. Hier gibt es keine Küsse. Keinen Sex. Kaum Humor. Und statt einer großen Katastrophe viele kleine. Warum also ist dieser Batman so erfolgreich - und so gut?

Erstens: Regisseur Christopher Nolan nimmt seinen Stoff ernst, seine Figuren und sein Publikum. Sein Batman ist kein Popcornkino-Kasper, sondern ein Zweifler, ein Grübler, ein tragischer Held.

Zweitens: Batmans Gegenspieler, der Joker, wird gespielt von Heath Ledger. Ledger ist das Kraftzentrum dieses Films, sein wild pochendes Herz. Er dreht voll auf, verausgabt sich, er spielt, als ob es kein Morgen gibt. Gab es in seinem Fall ja auch nicht: Ledger starb am 22. Januar dieses Jahres an einer Überdosis Medikamente. Schon während der Dreharbeiten soll er an Schlafstörungen und Erschöpfung gelitten haben.

Je böser der Joker sich aufführt, desto mehr Größe gewinnt auch Batman. Er erhält seine Würde zurück, die ihm von knallköpfigen Regisseuren gestohlen wurde. "You complete me", zischt der Schurke ihn einmal an. Du bist mein Gegenstück.

Und dann spuckt der Joker noch einen Satz aus, der sich für immer festhakt. Nein, er sei nicht hinter Geld her, und er wolle auch nicht einfach nur Chaos veranstalten. "Wahnsinn ist wie Schwerkraft - man braucht nichts weiter als einen kleinen Schubs." Dieser Bösewicht will beweisen, dass der Mensch schlecht ist. Das gelingt ihm. Fast.

Und so ist dieser Film - drittens - eine kluge Meditation über die Natur des Bösen. Spart mehrere Regalmeter Kafka, Dostojewski und Hannah Arendt. Mehr kann man von einem Comic-Blockbuster nicht erwarten.


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