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"The King's Speech" im Ersten Ein perfekter Film mit schwerem Stottern


Begeisterung allerorten und vier Oscars - der Hype um diesen Film war gigantisch. Doch es ist einfach so: "The King's Speech" ist ein perfekter Film mit einem Hauptdarsteller in Bestform.
Von Sophie Albers

Es gibt Schauspieler, die sind irgendwie schon immer da, die sitzen gut und fest im Karrieresattel, sind aber so unsichtbar wie eine Stehlampe, die halt zur Einrichtung gehört, die ihren Platz hat, aber niemandem mehr sonderlich auffällt. Aber dann kommt ein Film, und die Stehlampe wird plötzlich zum Halogenspot - um im Bild zu bleiben. Eine Rolle lässt den Darsteller über sich selbst hinaus wachsen, so dass er ein paar Stockwerke über allem steht und die Aussicht genießen kann. Das ist der Königsmoment in dieser Branche. 2011 gehörte dieser Königsmoment Colin Firth, der in "The King's Speech" passenderweise auch gleich einen König spielt.

Perfekt bis ins letzte Detail

Ein alter Hase von 50 Jahren (davon rund 27 vor der Kamera) musste Firth werden, um diese Rolle zu finden. Nach zahlreichen Stehlampen-Auftritten - von "Shakespeare in Love" (1998) über "Bridget Jones" (2001) bis "Tatsächlich Liebe..." (2003) - war es mit Tom Fords "A Single Man" 2009 fast schon soweit. Es gab auch prompt eine Oscar-Nominierung. Doch als stotternder König George VI. hat der Brite nun eine einzigartige internationale Lobby hinter sich vereinen können. Mit Erfolg: Die Academy hat ihn 2011 mit dem Oscargeehrt.

Denn es gibt Filme, zu denen kann man einfach gar nicht viel sagen, weil sie schlicht und ergreifend perfekt sind. Sie haben nichts Lautes, Schrilles, Wildes, das sie besonders macht, sondern sind - ganz so wie "Up in the Air" (2009) - bis zur kleinsten Nebenrolle, bis zum letzten Detail stimmig. Das gilt auch für "The King's Speech".

"The King's Speech" erzählt - inspiriert von wahren Ereignissen - von Mut, Verantwortung, Loyalität und dem britischen Königshaus in der Zeit vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Als Edward es vorzieht, eine bereits geschiedene Amerikanerin zu heiraten, anstatt König zu werden, fällt die Königskrone an seinen Bruder Albert, für den sie allerdings die größte Bürde bedeutet. Er will nicht König sein, was auch damit zusammenghängt, dass er schwer stottert, sich seinem Volk in der Zeit, da das Radio zum Massenmedium wird, also nicht wirklich mitteilen kann.

Ganz nah dran

Seine Frau Elizabeth (Queen Mum, herzlich wie pflichtbewusst gespielt von Helena Bonham Carter, die dafür für den Oscar in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin" nominiert wurde, allerdings leer ausging) will helfen und sucht Sprachtherapeuten, die mal zum Rauchen raten ("Das schmiert die Lungen") oder dem König Demosthenes-mäßig Glaskugeln in den Mund stopfen. Alles ohne Erfolg. Bis Elizabeth den Australier Lionel Logue (gespielt vom grandiosen Geoffrey Rush, der dafür für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert wurde, ihn aber ebenfalls nicht bekommen hat) findet, der sehr eigenwillige Therapie-Ideen hat.

"The King's Speech" geht ganz nah heran an die Menschen. Die Bilder von Kameramann Danny Cohen wirken nie alt, so dass die Tatsache, dass es sich um ein Historiendrama handelt nie für Schwere sorgt. Im Gegenteil, der Film findet die perfekte Balance zwischen Tränen und Lachern, zwischen der Geschichtsschreibung und der Menschlichkeit. Die Dialoge zwischen King George VI. (oder auch Bertie) und Sprachtherapeut Lionel sind großes Kino, das sich selbst nie zu wichtig nimmt. Auch wenn es gerade um nichts Geringeres geht als die Bedrohung durch Nazi-Deutschland.

Wie gesagt, "The King's Speech" ist ein perfekter Film.


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