"The Omen" Kein gutes "Omen"


1976 sorgte der Horrorfilm "Omen" dafür, dass viele Menschen mit der Zahl 666 nur noch Unheimliches assoziierten. Zusammen mit der "Exorzist" prägte "Omen" in den 70er-Jahren das Horror-Genre. Sein jetzt in die Kinos kommendes Remake prägt höchstens den Eindruck, dass die meisten Remakes nur eines sind: überflüssig.
Von Jens Lubbadeh

Remakes werden meist aus einem ganz einfachen Grund gemacht: Geld. Mit großen Stars angereichert sollen sie in der Regel Filmhits für den amerikanischen Markt kompatibel machen ("Der Himmel über Berlin"/"City Of Angels"), oder auf Nummer sicher gehend einen Box-Office-Erfolg wiederholen ("Planet der Affen").

Doch gibt es auch immer wieder welche, die von genialen Regisseuren als kreative Herausforderung angegangen werden. Reizte es einen großen Regisseur einer Geschichte seine eigene Handschrift verpassen zu wollen, ist das Ergebnis - wie auch immer es ausfallen mag - in der Regel interessant . Manchen gelingt es (Steven Spielberg: "Krieg der Welten", Brian de Palma: "Scarface"), die meisten jedoch scheitern (Gus van Sant: "Psycho").

Unbekannter Regisseur, gleicher Drehbuchautor

Bei "Omen", der mit dem "Exorzisten" in den 70er-Jahren stilbildend für das Horror-Genre war und seitdem die Zahl 666 in Verruf brachte, scheiden künstlerische Gründe für die jetzt in die Kinos kommende Neuverfilmung definitiv aus. Denn mit der Aufgabe, die dreißig Jahre zuvor Richard Donner ("Superman", "Goonies", "Maverick") mit Schauspieler-Ikone Gregory Peck in der Hauptrolle bravourös gelöst hat, hat die Twentieth Century Fox den völlig unbekannten Regisseur John Moore betraut. Die Hauptrollen hat man mit Julia Stiles und Liev Schreiber zwar prominent besetzt, doch vom Star-Faktor her können sie sich nicht mit dem Gespann Gregory Peck/Lee Remick messen, die in den 70ern vergleichsweise bekannter waren als Schreiber/Stiles heute.

Was allerdings am unverständlichsten erscheint: Bei "Omen" 2006 hat sogar derselbe Drehbuchautor (David Seltzer) Hand angelegt wie beim 76er Original. Wollte man hier voll auf Nummer sicher gehen? Ganz so einfach lässt sich die "Omen"-Neuverfilmung aber dann doch nicht in die Remake-Schablone einfügen. "Omen" war zwar seinerzeit ein Box-Office-Hit und erlangte Kultstatus - doch ginge es nur darum, einen Erfolg zu wiederholen, wäre ein Remake des "Exorzisten" die logischere Variante gewesen, da einfach bekannter. Vielleicht aber war das auch der Grund, der dagegen sprach: Am "Exorzisten" zu versagen, könnte für einen Regisseur genauso brandmarkend sein, wie einen Film wie "Psycho" zu verhunzen. Möglicherweise ist das "Omen"-Remake ganz einfach der unbeholfene Versuch, aus der allgemeinen Konjunktur biblischer Verschwörungsstoffe Kapital schlagen zu wollen.

Retro-Horror für die Geisterbahn

Unter diesen Voraussetzungen jedenfalls beschleicht einen die düstere Vorahnung, dass "Omen" 2006 seinem 30 Jahre alten Vorgänger nichts Neues entlockt, ja, nichts Neues entlocken kann. Leider ist es auch tatsächlich so.   Zunächst einmal wird man dieses Retro-Gefühl nicht los. Und das ist nicht durch Kindheitserinnerungen an milchig-verrauschte VHS-Kopien begründet (ja, die "Omen"-Trilogie war bis vor wenigen Jahren tatsächlich in Deutschland auf dem Index). "Omen" 2006 ist zwar ein Remake eines 70er-Jahre-Horrorfilms. Doch das sollte eigentlich kein Grund sein im Jahr 2006 immer noch 70er-Jahre-Horror zu verwenden, der heutzutage allenfalls noch für die Geisterbahn auf dem Rummelplatz taugt. Als hätte es seitdem keine Horror-Filme wie "The Sixth Sense", "Blair Witch Project", "The Village" oder "The Ring" gegeben! Da helfen auch bemüht modern wirken wollende stroboskopartige Einstreuselungen hässlicher Fratzen nichts - das "Omen"-Remake ist öde fotografiert und geschnitten, hat ein nicht mehr zeitgemäßes Tempo und die tollen Schauplätze Rom, Israel, London, sowie vernebelte italienische Klöster wurden gnadenlos verschenkt. Was hätte man aus dem Stoff allein schon mit frischer Optik und schnellen Schnitten machen können!

Mia Farrow ist nicht unheimlich, sondern einfach nur gruselig

Am enttäuschendsten jedoch ist, dass das Drehbuch überhaupt keine Überraschungen zu bieten hat. Wie zu erwarten hat sich David Seltzer sklavisch an seine eigene 76er-Vorlage gehalten. So plätschert der Film holzschnittartig vor sich hin, während der Zuschauer, dem das Original geläufig sein dürfte, jeden weiteren Schritt gähnend antizipiert und sich fragt, warum er jetzt gerade im Kino mit diesem Remake seine Zeit vergeudet, anstatt zuhause das Original auf DVD zu sehen.

Leider können Liev Schreiber und die in anderen Filmen stets beeindruckende Julia Stiles "Omen" 2006 nicht retten. Enttäuschend jedoch Mia Farrow -  offenbar als Reminiszenz an den Horror-Klassiker "Rosemaries Baby" gedacht, ist sie in der Rolle der Kindermädchen-Hexe eine totale Fehlbesetzung. Ihre Performance ist eher gruselig denn unheimlich. Fehlbesetzt ist auch Seamus Davey-Fitzpatrick als Damien, dem kleinen Antichristen mit der Nummer 666. Horror und kindliche Unschuld wurde in "Exorzist", "Audrey Rose", "Poltergeist", "Shining" und natürlich "Omen" 1976 immer wieder erfolgreich kombiniert - in "Omen" 2006 wirkt Damien Thorn dagegen eher wie eine Randfigurund kommt eher wie ein verzogener Bengel rüber, denn als Sohn des Teufels. Fast peinlich daher schon das filmische Zitat aus "Shining", wenn Damien mit seinem Roller über die Gänge braust. Fast möchte man sich wünschen, dass dieses nicht unheimliche Kind möglichst schnell unter einem Blutschwall begraben wird...   Überhaupt bleibt John Moore bei allen Charakteren merkwürdig oberflächlich - ein Jammer, denn die psychologische Horror-Dimension auszubauen wäre für ein Remake von "Omen" im Jahr 2006 regelrecht Pflicht gewesen - ganz nach Vorbild der Filme Shyamalans.

Lieber John Moore - für dieses Remake kann es nur heißen: Setzen, sechs, sechs, sechs.


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