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"The Punisher": Schulfilm für Folterer und Totschläger

Die Hauptfigur in den Marvel-Comics tauchte zum ersten Mal vor 25 Jahren als Nebenfigur des "Spider-Man" auf. Thomas Jane spielt den Special Agent Frank Castle, der den Tod seiner Familie sühnen will.

Der Hollywood-Film "The Punisher" zeigt menschliche Bestien, sadistische Metzeleien und extreme Brutalitäten am Fließband. Es gibt etliche Filme im Jahr, die besser nicht den Weg über den großen Teich gefunden hätten. Aber es gibt selbst unter denen nur wenige, die so verachtenswert sind wie dieser.

Vorlage für die Handlung ist eine populäre Comicfigur, der unerbittliche Rächer "The Punisher". Dahinter verbirgt sich der ehemalige FBI-Agent Frank Castle, der nach der bestialischen Ermordung seiner ganzen Familie gnadenlose Vergeltung an demjenigen nehmen will, der dafür die Verantwortung trägt, nämlich dem Unterweltboss Howard Saint. Dieser hat zuvor seinen Sohn bei einem Gefecht mit der Polizei verloren. Da Castle bei dem Einsatz gegen Waffenhändler dabei war, sind er und seine Familie der schrecklichen Rache des von John Travolta gespielten Gangsters ausgesetzt. Nur ganz knapp überlebt Castle selbst die Attacke von Saints Killern.

Prädikat "besonders grausam"

Nach seiner Gesundung von einer Schusswunde ist er nur noch von einem Gedanken beherrscht: Rache. Akribisch bereitet er seinen Feldzug gegen Saint vor, zu dem er sich äußerlich mit einem T-Shirt mit Totenkopf ausstattet, so zu sagen sein Markenzeichen. Tom Jane, der Darsteller des Titelhelden, trägt es auf muskulöser Brust. Die weitere Handlung ist so absehbar, dass eine Schilderung nicht lohnt. Es fließen jedenfalls Hektoliter von Kunstblut, ehe es zum entscheidenden Duell zwischen "The Punisher" und dem abgefeimten Bösewicht Caine kommt. Bis dahin gibt es gewaltsame Todesfälle in den verschiedensten Varianten, aber immer mit dem Prädikat "besonders grausam".

Brutalität ist keine Frage des großen Etats

Der Regiedebütant Jonathan Hensleigh, der bereits die Drehbücher für Action-Kassenhits wie "Stirb langsam - Jetzt erst recht" und "Armageddon" verfasst hat, drehte den Film in nur 52 Tagen und einem für Hollywood-Verhältnisse niedrigem Etat. Offenbar wollte Hensleigh zeigen, dass Brutalität auf der Leinwand keine Frage des Aufwands, sondern des Willens dazu ist. Fraglos ist ihm dieser Beweis gelungen. Und fraglos dokumentiert "The Punisher" auch einen Tiefpunkt in der Karriere von John Travolta, der offenbar dringend Geld brauchte.

Kampfmaschinen statt Menschen

Hensleigh liebt nach eigenem Bekunden gebrochene männliche Figuren, "die nicht ausdrücken können, was wirklich in ihnen vorgeht." Travolta wie Tom Jane bringen als schauspielerische Minimalisten die besten Voraussetzungen dafür mit. An Travoltas Seite agiert die schöne, aber leblose Laura Haring als seine Ehefrau Livia, die durch den Tod ihres Sohnes "zur tödlichen Waffe wird", wie es im Presseheft heißt. Es ist überhaupt das Charakteristikum von "The Punisher", keine Menschen zu zeigen, sondern Kampfmaschinen, die auf Zerstörung und Tod programmiert sind.

Wenn solche Filme zur Unterhaltung junger Menschen produziert werden, darf man sich nicht wundern, wenn dieser Unkultur entstammende Soldaten im Gefühl der Allmacht Videos drehen, die Zeugnisse tiefster Verrohung sind. Es ehrt allerdings die Zuschauer in den USA, dass sie dieses Machwerk zu keinem großen Erfolg an den Kassen gemacht haben. Fortsetzungen im Stil von "The Punisher II - Rache ohne Ende" wird es also voraussichtlich nicht geben. Der Verzicht darauf fällt ausgesprochen leicht.

Wolfgang Hübner, AP / AP