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"The Sentinel": Kim Basinger als perfekte First Lady

Diese Rolle hatte ihr noch gefehlt: Nachdem sie im Eminem-Film noch die abgefuckte Mutter gespielt hat, ist Kim Basinger in dem Thriller "The Sentinel" in einer absoluten Top-Rolle zu sehen: als First Lady der USA. Ihr zu Seite: Michael Douglas.

Von Kathrin Buchner

Nicht einfach hatte es die US-Regierung mit der Traumfabrik in den vergangenen Monaten. Filme wie "Good Night, and Good Luck" oder "Syriana" haben doch ganz ordentlich am Image der Weltmacht gerüttelt. Jetzt gibt es mal wieder einen richtigen Actionkracher, in dem altbewährte Stereotypen bemüht werden. Die Guten bleiben die Guten, und Landesverrat wird bitter gerächt.

Hollywood patriotisch

Die Geschichte von "The Sentinel" kommt einem merkwürdig bekannt vor: Michael Douglas spielt darin Pete Garrison, einen heldenhaften Leibwächter des Secret Service. Er wurde zur Legende, weil er sich vor Jahren vor die Kugel geworfen hatte, die dem Präsidenten das Leben nehmen sollte. Noch immer verfolgen ihn Bilder des Attentats in seinen Albträumen. Spätestens hier müsste es bei Kennern von Hollywood-Polit-Thrillern klingeln, denn das hört sich verdammt nach dem Clint-Eastwood-Klassiker "In The Line of Fire" an.

Der gerettete Präsident heißt diesmal Ronald Reagan statt John F. Kennedy, und der Prototyp des alternden Helden, der in die Midlife Crisis gerät, wird nicht so arg strapaziert: Zwar rauben auch Garrison noch die Bilder des Attentats die erholsame Nachtruhe. Aber er betäubt die Störung seines Seelenlebens nicht mit Alkohol, sondern mit Disziplin. Früh aufstehen und Hantel stemmen halten ihn fit, und er unterhält eine durchaus erfüllte Beziehung zur First Lady. Die muss natürlich geheim bleiben. Aber da Garrison zum Schutz der Präsidentengattin beordert ist, stellt ihn das vor keine allzu großen Schwierigkeiten. Brenzlig wird es erst, als zwei Ermittler sein Privatleben durchforsten, nachdem ein Mitarbeiter des Secret Service ermordet wird und Garrison in Verdacht gerät, ein Maulwurf zu sein.

Kim Basinger war noch nie so gut

Eine Story im altbewährten Strickmuster, opulente Bildoptik mit Big Budget, abgedroschene Verfolgungsjagden und eine Crew aus bewährten Hollywood-Mimen mit großen Namen: Michael Douglas spielt gewohnt routiniert-abgeklärt den alternden Agenten, der für seinen Job lebt. Gelegentlich lässt er mit pointiert-professionellen Gesten Gefühle durchblitzen. Auch Kiefer Sutherland als verbissener Karrierist David Breckinridge, der seinem Ex-Mentor nicht verzeiht, da er fälschlicherweise annimmt, Garrison hätte eine Affäre mit seiner Frau gehabt, ist überzeugend cholerisch. Desperate-Housewives-Star Eva Longoria als Agentin Jill Marin dagegen kokettiert nicht nur als Luxusweibchen hinterm kalten Herd mit freizügigem Körpereinsatz, sondern besticht auch hinterm Büroschreibtisch durch ihr entblößtes Dekolleté. Bis der durchaus in Wallung geratene Chef ihr verklickert, lieber auf ihren messerscharfen Verstand als auf verschärftes Äußeres zu setzen.

Würdevolle Tragik der Kim Basinger

Dieses mäßige Trio spielt Kim Basinger als Präsidentengattin Sarah locker an die Wand. Man guckt der 52-Jährigen fasziniert zu, wie sie die perfekte First Lady mit Haltung und damenhafter Eleganz mimt. Wie sie Hand in Hand mit dem Präsidenten vor die Menge tritt, traute Einigkeit demonstrierend, um Sekunden später Distanz zu schaffen, indem sie einfach die Sonnenbrille aufsetzt. Und wie sie in jeder Situation die Fäden in der Hand hält, und gestandene Entscheidungsträger vor ihr zur ferngesteuerten Marionetten werden.

Perfektes Handwerk ohne Würze

Schnelle Zooms über Washington D.C., rasante Schnitte, überlagerte Bilder – mit technischen Raffinessen fängt Regisseur Clark Johnson, der bisher nur den Kinofilm "S.W.A.T. - Die Spezialeinheit" gedreht hat, die mangelnde Spannungsbögen in der Story teilweise auf. Man gewinnt ein paar Einblicke in die mafiösen Verstrickungen im inneren Kreis der Macht, aber das war´s dann auch schon. Perfekte Mainstream-Unterhaltung ohne Ecken und Kanten. Hochglanz-Kino zum Ablenken. Solide Hausmannkost für die Multiplexkinos. Hollywood ist wieder konform auf Regierungslinie. In der Opposition ist es spannender.