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Nach Vorwürfen gegen Gründer: "The Weinstein Company" kündigt Insolvenz an

Nach Vergewaltigungsvorwürfen und dem öffentlichen Fall des ehemaligen Firmenchefs Harvey Weinstein ist die "Weinstein Company" pleite. Ein Deal zum Verkauf ist im letzten Moment geplatzt.

Harvey Weinstein "Weinstein Company"

Harvey Weinstein gründete die "Weinstein Company" gemeinsam mit seinem Bruder Bob 2005. Das Studio produzierte unter anderem "Inglourious Basterds", "The King's Speech" und "Vicky Cristina Barcelona". 

Picture Alliance

Bis zum Schluss hatten die Vorstände der "Weinstein Company" ("TWC") versucht, das erfolgreiche Unternehmen an lukrative Investoren zu verkaufen. So sollten Arbeitsplätze erhalten werden. Doch ein Deal, der das Unternehmen retten sollte, platzte im letzten Moment.

Vorstand der "Weinstein Company" kündigt "geregelte Insolvenz" an

"Obwohl wir sehen, dass dies ein extrem unglückliches Ende für unsere Angestellten, unsere Gläubiger und jegliche Opfer ist, hat der Vorstand keine andere Wahl, als den einzigen Weg zu gehen, der den Restwert der Firma maximiert: eine geregelte Insolvenz", verkündeten die Verantwortlichen in einer Erklärung am Sonntag. Die Insolvenz ist auch schlecht für all die Frauen, die dem in Ungnade gefallenen Ex-Chef des Unternehmens, Harvey Weinstein, sexuelle Übergriffe vorwerfen. Denn die Investorengruppe, mit der die Firma in Verhandlung stand, hatte sich bereit erklärt, mindestens 40 Millionen Dollar für Zahlungen an seine mutmaßlichen Opfer bereitzustellen. Eine halbe Milliarde Dollar war ihnen das Filmstudio angeblich wert. Offenbar hatten die potenziellen Käufer eine großangelegte Umstrukturierung des Unternehmens geplant. Ein neuer Name sollte her, genauso wie ein neu zusammengesetzter Vorstand - der zukünftig angeblich hauptsächlich aus Frauen bestanden hätte. 

New Yorker Staatsanwalt kritisierte die Pläne

Doch dazu kommt es nun nicht. Am 11. Februar reichte die New Yorker Staatsanwaltschaft eine Zivilklage gegen die "Weinstein Company" und ihre Gründer, Harvey und Bob Weinstein, ein. Nur einen Tag später kritisierte Staatsanwalt Eric Schneiderman in einer Erklärung nicht nur die Art und Weise, wie mit den Opfern umgegangen wurde, sondern mutmaßte auch, den groß angekündigten Hilfsfonds für die Leidtragenden würde es gar nicht geben. Er sah in den Bemühungen von Chief Operating Officer David Glasser - der den Verkauf ausgehandelt hatte - nur dessen Eigeninteresse, die Firma in Zukunft zu leiten. 

Die "Weinstein Company" hat das Filmgeschäft in Hollywood in den vergangenen 13 Jahren maßgeblich geprägt. Nachdem im Oktober vergangenen Jahres die ersten Enthüllungen über den Gründer Harvey Weinstein veröffentlicht wurden, feuerte das Unternehmen seinen Chef. Vor dem Bankrott konnte es sich dadurch trotzdem nicht retten. 


ls