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"Time’s Up"-Initiative: Nach #metoo: So wollen Hollywood-Ladies den Harvey Weinsteins der USA an den Kragen

Eine Gruppe mächtiger Frauen, darunter Reese Witherspoon, Jennifer Aniston und Meryl Streep will Opfern von sexueller Gewalt Schutz und Rechtsbeistand ermöglichen - dafür sammeln sie Millionen. Damit nicht genug: Für die am Wochenende stattfindenden Golden Globes planen die Stars eine stille Revolte. 

Jennifer Aniston, Reese Witherspoon, Meryl Streep

Schauspielerin Jennifer Aniston unterstützt genauso wie die Oscarpreisträgerinnen Reese Witherspoon und Meryl Streep (v.l.) die Initiative

Es reicht. Endgültig. Das dachten sich wohl hochrangige Hollywood-Stars und kündigten passend für einen Neustart am 1. Januar ihre neue Koalition "Time's Up" gegen Belästigung an. Angeregt von dem Skandal um Filmproduzent Harvey Weinstein, der über Jahrzehnte hinweg Frauen belästigt und sogar vergewaltigt haben soll, ist für sie eines klar: Time’s up, zu deutsch: Die Zeit ist um. Die Zeit, in der mächtige Männer ihre Positionen ausnutzen, um ihnen untergebene Frauen zu drangsalieren oder gar sexuell zu belästigen. Die Zeit, in der Frauen sich nicht getraut haben, darüber zu sprechen. Aus Angst, ihren Job zu verlieren oder aus Angst davor, dass ihnen niemand glaubt. In einem offenen Brief, den sie "Letter of Solidarity" nannten, wandte sich die Organisation von über 300 Frauen – darunter Witherspoon, Streep und Co. – an ihre "Schwestern": "Wir wollen, dass Überlebenden von sexueller Gewalt, überall, zugehört wird, dass ihnen geglaubt wird und wir wollen, dass es möglich ist, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", schreiben sie darin.

Den Superstars geht es um mehr als nur Hollywood

Besonders wichtig ist den Unterstützerinnen, sich nicht nur auf die Filmbranche im Speziellen zu konzentrieren. Mit ihrer Initiative soll auch denen geholfen werden, die weniger  privilegiert sind, zum Beispiel Arbeiterinnen, Zimmermädchen, Kellnerinnen.

Durch Spenden von unter anderem Witherspoon, Meryl Streep aber auch Steven Spielberg, hat die Koalition einen Fonds ermöglichen können, der eben diesen Frauen Rechtsbeistand gewährleistet. Auf Social Media animierten zahlreiche Prominente, darunter Eva Longoria und Emma Watson, ihre Fans und Kollegen, Geld zu spenden. Über 13 Millionen Dollar sind mittlerweile zusammen gekommen.

Nachdem die "New York Times" und der "New Yorker" im Oktober den systematischen Machtmissbrauch von Harvey Weinstein aufgedeckt hatten, ist die Diskussion um sexuelle Gewalt bis heute nicht abgeebbt. Während Weinstein zurzeit in Arizona eine Therapie macht und von seiner Produktionsfirma gefeuert wurde, musste sich auch Oscargewinner Kevin Spacey schlimmen Anschuldigungen stellen. Komiker Louis C.K. entschuldigte sich in einem offenen Brief dafür, jahrelang Frauen belästigt zu haben und der demokratische Politiker Al Franken trat aus dem US-Senat zurück, nachdem ein Bild veröffentlicht wurde, auf dem er einer schlafenden Frau an die Brust fasst.   

Stille Revolte für die Golden Globes geplant

Mit ihrer millionenschweren Initiative wollen die Frauen der Ungleichheit nun ein Ende setzen. Und ein weiteres symbolisches Statement ist geplant: Am kommenden Sonntag, wenn in Los Angeles die 75. Golden Globes stattfinden, wollen viele der berühmten Schauspielerinnen Schwarz tragen. "Jahrelang haben wir diese Award-Shows verkauft. Mit unseren Roben, den Farben, unseren schönen Gesichtern und unserem Glamour", erklärt Eva Longoria der "New York Times". "Dieses Mal kann die Branche nicht erwarten, dass wir da auftauchen und im Kreis wirbeln. Darum geht es in diesem Moment nicht."

Stattdessen geht es ihnen darum, eine nachhaltige Veränderung zu erzwingen. Harvey Weinstein und Hollywood sind da nur der Anfang. 

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ls