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"Unterwegs mit Mum" im Kino: Barbra Streisand macht einen Road-Trip

Seth Rogen nimmt seine Filmmutter Barbra Streisand mit auf eine Reise durch die USA - das selbst erfundene Wunderputzmittel stets dabei. "Unterwegs mit Mum" ist berührend und wunderbar gespielt.

Kinotrailer: "Unterwegs mit Mum"

Unlängst erst durfte sich Bette Midler im Kinofilm "Die Bestimmer" als nonchalante Großmama bewähren. Nun geht eine weitere Grande Dame der Entertainment-Kunst mit ihrem Film-Sohn auf einen chaotischen Road-Trip: Barbra Streisand begleitet den Filius über eine Strecke von 3000 Meilen, einmal quer durch die USA. Seth Rogen spielt den Sohn in diesem von Anne Fletcher inszenierten, humorvollen Roadmovie "Unterwegs mit Mum". Streisand, die große Sängerin, Regisseurin und Darstellerin, war zuletzt 2010 im Kino zu sehen in "Meine Frau, unsere Kinder und ich" und überzeugt hier nun als liebevoll-neurotische Mutter.

Andy ist der leicht nerdige und etwas verklemmte Erfinder eines biologischen, für die Umwelt unschädlichen Putzmittels. Sein Vater ist gestorben, da war Andy erst acht Jahre alt, aber er hat ja noch seine Mutter - die allerdings gehörig nerven kann, mit ihrem Spleen für Frösche (die ganze Wohnung ist voll davon!), ihrem Heißhunger auf Schokolinsen, dem ständigen Herumgezuppel an ihrem doch längst erwachsenen Sohn: "Was ist los mit deinen Haaren?", "Hast du auch genug Wasser getrunken?".

Und dann fragt er sie doch: Ob sie nicht mitkommen möchte auf seine große Business-Tour durch die USA. Bei der Andy endlich seine Erfindung an eine möglichst solvente Supermarktkette verkaufen möchte. Und noch etwas anderes führt er im Schilde: In San Francisco will Andy seine Mum wieder mit ihrer Jugendliebe zusammenbringen. Schließlich hat Joyce noch einiges zu bieten an Reizen. Und, wenn sie möchte, auch an Charme.

Barbra Streisand ist sich für nichts zu schade

Seth Rogen und Barbra Streisand bilden zusammen ein odd couple - ein merkwürdiges Paar - der sympathischeren Art. Behandelt Joyce ihren Sohn zunächst wie einen Fünfjährigen, vergisst man im weiteren Verlauf des Films zuweilen, dass es sich bei den beiden um Mutter und Sohn handelt: Mal wähnt man sich in einem Buddy-Movie, mal agieren beide wie Ehemann und -frau.

Streisand macht ihre Sache sehr ordentlich; auch ist sich die 70-jährige Schauspielerin für nichts zu schade. In einer hübschen Sequenz macht sich Joyce über ein viereinhalb Pfund schweres Steak her, das sie in einer bestimmten Zeit verputzen muss - nur damit der klamme Filius im Steakhaus keine Rechnung zu begleichen hat. Auch Rogen, der lange auf Komödien wie "Beim ersten Mal" und einen eher pubertären Humor abonniert war, überzeugt. Denn dass er mehr kann, hat der gebürtige Kanadier gerade unter Beweis gestellt in Sarah Polleys wunderbarem Independent-Film "Take this Waltz".

Nur eine kleine Prise Kitsch

"The Guilt Trip", so der Originaltitel, ist bei aller Komik auch ein Film über Mutter- und Sohnesliebe und die oft verschlungenen Pfade, auf denen sich diese manifestieren. Denn so enervierend Joyce über weite Strecken auch agiert: Letztlich ist Andy doch ganz froh, dass er eine so tolle Mutter an seiner Seite hat.

Es ist der Verdienst von Regisseurin Anne Fletcher und Skript-Autor Dan Fogelman (der unter anderem das Buch zu "Crazy, Stupid, Love" verfasst hat), dass "Unterwegs mit Mum" nie ins allzu Seichte kippt und kaum je auf die Tränendrüse drückt. So einfach dieses Roadmovie auch gestrickt ist: Bis zum Schluss verzichten die Filmemacher weitgehend auf den Kitsch, mit dem uns Hollywood bisweilen einzuseifen sucht. Das stärkste Argument aber für das Werk ist das gewinnende Miteinander von Streisand und Rogen.

Matthias von Viereck, DPA / DPA