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"Wir sind die Nacht": Sexy Vampire in Berlin

"Wir sind die Nacht" versucht sich als deutsche Antwort auf den "Twilight"-Hype. Doch so richtig zündet die Blutromanze mit Nina Hoss und Karoline Herfurth nicht.

Von Sophie Albers

Vergessen Sie "Twilight"-Edward, vergessen Sie "True Blood"-Bill, der berühmteste aller Vampire kommt immer noch aus Deutschland: 1922 hat Regisseur F.W. Murnau mit "Nosferatu" der Welt das Fürchten vor dem Blutsauger gelehrt. Selbst der an sich schon gruselige Klaus Kinski konnte dem Monster mit seinem Remake 1979 nichts hinzufügen. Und nun versucht es also Nina Hoss als Obervampirin Louise.

"Wir sind die Nacht" von Dennis Gansel ("Napola", "Die Welle") holt die Blutsauger nach Berlin. Eine körpersaftverliebte Frauengang genießt - mal mehr, mal weniger - die Ewigkeit, erreicht aber auch nie die grausame Tiefe von Max Schrecks Graf Orlok. Dabei findet Gansel deutlich-brutale Bilder für das Vampirdasein sowie Hoss' Louise deutliche Worte: "Wir fressen, vögeln, saufen, wie wir möchten. Und werden weder fett, schwanger, noch süchtig. Milliarden Weiber würden dafür töten". Na ja, töten tun sie ja auch, und das am laufenden Band.

Zu cool für die Ewigkeit

Neben der uralten, eiskalten, aber wunderschönen Louise, gibt die fragile Jennifer Ulrich eine der Ewigkeit überdrüssige blasse Schönheit namens Charlotte. Anna Fischer beweist als nervtötend quirlige Blutsauger-Raverin Nora, dass Techno leider doch unsterblich ist. Vierte im Bunde ist Karoline Herfurth, zuerst als verwahrloste Diebin Lena am Bahnhof Zoo, dann als unverwundbare Schöne, die nach dem Biss der verliebten Louise Unsterblichkeit erlangt. Allerdings ist Lena nicht wirklich begeistert von ihrem neuen "Leben", denn sie hat sich in einen Polizisten (niedlich: Max Riemelt) verguckt.

Alles in allem gibt sich "Wir sind die Nacht" wirklich Mühe, mit den Schmusevampiren aus den USA aufzuräumen. Das Gemeine daran ist, dass Dennis Gansel die Drehbuchidee bereits seit 16 Jahren mit sich herumschleppt, aber vor dem "Twilight-Hype niemand einen solchen Film finanzieren wollte.

"Zu laut, zu gierig, zu dumm"

Manchmal gerät die Geschichte über die starken Frauen (Männer sind laut Louise "zu laut, zu gierig, zu dumm", um gute Vampire zu sein) ein bisschen aus dem Gleichgewicht, wenn es zu trashig wird, um cool zu sein, wenn beeindruckende Effekte und Action mangelnde Dramatik zu ersetzen scheinen. Dann ist es eben doch nur ein weiterer Vampirfilm.

Berlin ist (zum Glück) nicht mehr der bedrohliche Moloch wie zu Zeiten von Murnau. Und genau deshalb bleibt Nosferatu wohl für immer unerreicht.