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"Zathura": Brüderlein, komm spiel mit mir

Das magische Brettspiel "Zathura" entführt zwei ewig streitende Brüder mitsamt dem ganzen Haus ins Weltall. Zwar überzeugen die jungen Darsteller - doch die Handlung ist altbekannt.

Von Jakob Nienstedt

Wenn der zehnjährige Walter (John Hutcherson) und sein vier Jahre jüngerer Bruder Danny (Jonah Bobo) mit einander spielen, endet dies grundsätzlich im Streit. Die beiden Racker rauben ihrem Vater (Tim Robbins) regelmäßig den letzten Nerv. Immer wiederkehrender Grund für den Bruderzwist ist das ausgeprägte Konkurrenzdenken der beiden Halbwüchsigen. Der sechsjährige Danny ist Walter in nahezu allen Belangen unterlegen und bekommt von seinem großen Bruder immer wieder genüsslich seine Grenzen aufgezeigt. Als ihr Vater das Haus verlässt und die beiden der Obhut ihrer älteren Schwester Lisa (Kristen Stewart) überlässt, eskaliert ein Streit. Der kleine Danny wird von seinem Bruder in den Keller gesperrt und findet dort ein mysteriöses Brettspiel namens Zathura.

Das Spiel katapultiert die beiden Brüder samt dem ganzen Haus direkt in den Weltraum. Während sie nun von Abenteuer zu Abenteuer strudeln, bereitet sich ihre ältere Schwester lieber auf ein Date vor und bekommt von der Reise des Hauses nichts mit. Von Meteoritenschauern durchgerüttelt, verfolgt von einem gewaltigen Roboter und bedroht von gefräßigen echsenartigen Zorgonen, merken die Brüder schnell, dass sie nur zusammen das Spiel beenden und so nach Hause heimkehren können. Zu Hilfe kommt ihnen dabei ein gestrandeter Astronaut (Dax Shepard), der den Brüdern beibringt, dass man gemeinsam stärker ist.

Alles schon mal da gewesen

Ein magisches Spiel, welches seine Spieler direkt in eine fantastische Welt voller Abenteuer und Gefahren entführt - das kommt dem erfahrenen Kinogänger doch sehr bekannt vor. 1995 spielte sich Robin Williams durch "Jumanji" und flüchtete vor wild gewordenen Tigern, Löwen und Nashörnern. Die Ähnlichkeiten der beiden Filme sind kein Zufall. Beide Werke beruhen auf gleichnamigen Bestsellern von Autor Chris Van Allsburg, der auch die Vorlage zum "Polarexpress" schrieb.

Van Allsburgs Bücher sind kurz und prägnant gehalten. 32 Seiten mit 14 Illustrationen sollen die Aufnahmefähigkeit kleiner Kinder nicht überfordern. So ermöglicht die Vorlage den Drehbuchautoren viel künstlerischen Freiraum für die Adaption des Stoffes. Anders als bei Werken wie Harry Potter müssen keine Buchpassagen gestrichen und so viel wie möglich des Stoffes auf 120 Minuten Spielfilmlänge gequetscht werden.

Die knapp gefasste Vorlage macht den Film aber auch nicht besonders tiefgründig. Obwohl das Spektakel für Kinder unter sechs Jahren wohl zu aufregend und mit 101 Minuten zu lang sein dürfte, ist "Zathura" mit seiner seichten Story und kindlichen Action dennoch eher ein Spaß für die Kleinen als für die ganze Familie.

Ein Film für Kinder

Kinder werden sich von diesem Weltraumabenteuer sicher verzaubern lassen, und Eltern brauchen sich nicht um ihre Sprösslinge sorgen. Denn außer den doch ein wenig finster dreinschauenden Zorgonen präsentiert sich der ganze Spaß, trotz aller Action, recht harmlos. Zum Glück für so manchen elterlichen Begleiter schaffen es Regisseur Jon Favreau ("Buddy der Weihnachtself") und seine Darsteller den familientypischen Kinderärger sehr real und mit einer erfrischenden Portion Humor darzustellen.

Oscar-Gewinner Tim Robbins hat zwar nur eine kurze Nebenrolle, spielt den gestressten, trotzdem liebevollen Vater aber erwartet routiniert. Für den Film wichtiger ist es jedoch, dass die beiden Jungdarsteller John Hutcherson und Jonah Bobo es hervorragend verstehen, die brüderliche Rivalität, die Ängste vor dem unbekannten Spiel sowie kindlichen Mut und Trotz sehr realistisch darzustellen. Trotz seichter Story bietet der Film also gute Unterhaltung, behält aber den Makel, dass alles irgendwie schon mal da gewesen ist.

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