Oscar-Verleihung "Der Herr der Ringe" räumt ab


Der dritte Teil der Fantasy-Trilogie "Der Herr der Ringe" hat die Oscar-Juroren verzaubert. Der Film von Regisseur Peter Jackson gewann in allen elf Kategorien, für die er nominiert war.

Die Krönung war triumphal: "Die Rückkehr des Königs", der letzte Teil der "Herr der Ringe"-Trilogie von Peter Jackson, war beinahe Alleinherrscher bei der 76. Oscarvergabe in Hollywood. In elf Kategorien war der monumentale Film nominiert, in allen hat er abgeräumt und ist als erster Fantasy-Film überhaupt zur besten Produktion des Jahres gekürt worden. Als beste Schauspielerin wurde erwartungsgemäß Charlize Theron für "Monster" ausgezeichnet. Die harte Konkurrenz der Männer konnte Sean Penn ("Mystic River") für sich entscheiden. Die Oscar-Hoffnungen der beiden nominierten deutschen Kurzfilmer Katja Esson und Florian Baxmeyer erfüllten sich nicht.

Barfußläufer Jackson kam mit Schuhen

"Ich kann das noch gar nicht glauben. Der Sturm heute Abend war mehr als wir erwartet hatten", sagte der 42-jährige Neuseeländer Jackson erschöpft und glücklich nach der Gala im Kodak Theater. Die Verfilmung des großen Romans von J.R.R. Tolkien "war das Härteste, was ich je in meinem Leben gemacht habe. Es hat mich fast umgebracht - aber jetzt ist es gut." Gut bis auf die Schuhe, die sich der Barfußläufer Jackson für den Gang über den roten Teppich angezogen hatte: "Meine Füße schmerzen wie die Hölle."

Dank an die deutsche Mutter

Völlig überwältigt von ihrem Oscar als beste Darstellerin in "Monster" strahlte die 28-jährige südafrikanische Schönheit Charlize Theron. "Das war ein so unglaubliches Jahr. Ich kann's nicht glauben!" Dann dankte das glamouröse Ex-Model mit einem Schluchzen in der Stimme vor allem ihrer deutschen Mutter, die "so viel dafür geopfert hat, dass mein Traum in Erfüllung geht".

Neuer Trend: Eltern als Begleiter

Dass viele Stars nicht mit ihren jeweiligen Lebensabschnittsgefährten bei wichtigen Terminen Händchen halten, sondern mit Papa oder Mama, scheint in dieser Preis-Saison ohnehin ein echter Trend zu sein. Nach drei Nominierungen in Folge durfte Renée Zellweger für die Nebenrolle in "Unterwegs nach Cold Mountain" endlich ihren ersten Academy Award umarmen. Sichtlich gerührt dankte sie ihrem Vater in der ersten Reihe, "dass er immer noch ein bisschen weiter geträumt hat als ich." Und Sofia Coppola kam ohnehin mit ihrem Papa, dem großen Francis Ford Coppola. Die Tochter erhielt für ihren Film "Lost in Translation" den Preis für das beste Originaldrehbuch.

Tim Robbins wird politisch

Eine Familienangelegenheit ist der begehrteste Filmpreis der Welt Oscar auch für Tim Robbins, der als bester Nebendarsteller in "Mystic River" ausgezeichnet wurde und nun mit seiner Frau Susan Sarandon gleich gezogen hat. Der 45-Jährige spielt in dem Film von Clint Eastwood einen Mann, der als Kind sexuell missbraucht wurde und später selbst zum Täter wird. "Geht 'raus und sucht Hilfe", appellierte er an Menschen mit ähnlichen Schicksalen. "Stoppt den Teufelkreis der Gewalt." Danach, im Presseraum hinter der Bühne, wurde Robbins, einer der lautesten George-Bush-Gegner in Hollywood, politischer: Angesichts der bevorstehenden Wahlen sei er "sehr besorgt, ob alles fair verläuft". Da die nächsten US-Wahlen sehr computerisiert ablaufen sollen, könne es "nicht einmal mehr eine Nachzählung geben wie bei der letzten Wahl", sagte Robbins. "Das macht mir Angst."

Blake Edwards schimpft über "Nipplegate"

Der amerikanische Komiker Billy Crystal führte zum achten Mal durch die Show, die nach einem dramatischen Einbruch der Einschaltquoten in den USA im vergangenen Jahr ein Facelift bekommen hat: Das ganze Erscheinungsbild war flotter und moderner, die Musik-Arrangements entstaubt. "Oh, mein Gott, mein Nippelstern bringt mich um", scherzte Crystal und spielte dabei auf die Entblößung von Janet Jacksons Brust bei der Super-Bowl-Übertragung an, die der Oscar-Show eine weltweit verzögerte Fernsehausstrahlung um fünf Zensursekunden beschert hatte. Doch eingreifen mussten die Verantwortlichen nicht. Blake Edwards, der den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk erhielt, nahm vor der Presse kein Blatt vor den Mund: "Das ist so eine Heuchelei!", schimpfte der 81 Jahre alte Regisseur von Meisterwerken wie "Frühstück bei Tiffanys" über die wahlkampfgerechte Aufregung zum Thema "Nipplegate".

Die Dominanz der "Rückkehr des Königs" lastete schwer auf allen anderen Nominierten. Nach dem fünften Oscar für das Monumentalwerk ging ein erleichtertes Aufatmen durch den Saal, als endlich auch der zehn Mal nominierte "Master and Commander" aufgerufen wurde - für den Sound-Schnitt. Das Team des besten nicht-englischsprachigen Films, "Die barbarischen Invasionen" aus Kanada, begegnete dem Siegeszug des "Herrn der Oscars" ironisch: "Wir sind so dankbar, dass 'Herr der Ringe' in unserer Kategorie nicht antreten durfte."

Karin Zintz, DPA DPA

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