Alice im 3D-Kaninchenbau Burtons kurzweiliger Augenschmaus


"Folge dem weißen Kaninchen!", heißt es wieder mal im Fantasy-Abenteuer "Alice im Wunderland", einer neuen Filmversion der berühmten Kindergeschichte von Lewis Carroll, die am 4. März in den Kinos anläuft. Regisseur Tim Burton, selbst ein großes Kind, schien wie gemacht für die Wiederauflage dieses Literaturklassikers. Und so fällt Alice erneut in einen Kaninchenbau und erlebt verrückte Sachen - nun sogar in 3D.

"Folge dem weißen Kaninchen!", heißt es wieder mal im Fantasy-Abenteuer "Alice im Wunderland", einer neuen Filmversion der berühmten Kindergeschichte von Lewis Carroll, die am 4. März in den Kinos anläuft. Regisseur Tim Burton, selbst ein großes Kind, schien wie gemacht für die Wiederauflage dieses Literaturklassikers, der seit seiner Veröffentlichung im Jahre 1865 Kinder und Erwachsene gleichermaßen bezaubert. Und so fällt Alice erneut in einen Kaninchenbau und erlebt verrückte Sachen - nun sogar in 3D.

Burton hat die Geschichte dem Zeitgeist angepasst und in eine emanzipationsbewegte Rahmenhandlung eingefügt. Alice ist mit fast 20 Jahren doppelt so alt wie im Buch. Die Schöne wird auf einer viktorianischen Gartenparty unter Beobachtung der feinen Gesellschaft dazu gedrängt, einem schnöseligen Adeligen das Ja-Wort zu geben. Zum Glück huscht das hektische weiße Kaninchen mit Taschenuhr durch den Park und lockt Alice gerade noch rechtzeitig von ihrem Galan weg. Nach ihrem langen Sturz in das Kaninchenloch trifft die junge Frau die altbekannten, herrlich exzentrischen Gestalten.

Doch Alice wird nun eine Mission prophezeit: Vom Kaninchen über die Haselmaus bis zum Hutmacher verlangt jeder, dass sie den Jabberwocky-Drachen tötet und die rote Königin stürzt. Alice hat dazu aber gar keine Lust und erinnert sich auch nicht daran, dass sie als Kind schon einmal in diesem Wunderland war, das eigentlich "Unterland" heißt. "Das ist alles nur ein Traum", redet sich die Widerspenstige ein - wenn auch ein ziemlich düsterer. Denn Burton hat das Märchen mit Motiven aus Carrolls Folgeband "Alice hinter den Spiegeln" ergänzt und die verwunschene Mär in Richtung Horror verschoben.

Daran ist nichts verkehrt, obwohl man kleinere Kinder dieser schauerromantischen Bilderflut mit zähnefletschenden Ungeheuern, herausgerissenen Augen und "Kopf ab!"-Szenen nicht aussetzen sollte. Schade ist aber, dass das ehemalige Wunderkind Burton nichts Interessanteres in petto hat als eine abgegriffene Ritter-und-Schwert-Nummer. Auch Carrolls Wortwitz kommt zu kurz in dieser Leistungsschau angesagter Tricktechniken. Von Spezialeffekten und Computeranimation über Motion Capture bis zu 3D wurde das ganze Programm eingesetzt, um Live-Action und Trickfilm bruchlos zu verschmelzen.

Wer kurzweiligen Augenschmaus sucht, ist indes richtig in diesem barocken Treiben. Burtons männliche Muse Johnny Depp gibt mit hysterischem Kichern den verrückten Hutmacher, Burtons Lebenspartnerin Helena Bonham-Carter ist eine boshafte Despotin mit dickem Kopf; Mia Wasikowska, blass und mit blondem Botticelli-Wallehaar, ist eine Heldin, die anmutig schrumpft und wächst, mal Rüschenkaskaden trägt und mal das Korsett sprengt. In einer psychedelischen Landschaft mit Riesenpilzen blitzt die Grinsekatze wie ein Pop-up auf dem Computerbildschirm auf. Und eine guruhafte Raupe raucht ein ziemlich verdächtiges Kraut.

Doch inmitten dieses Rummelplatzes ist der Geschichte die Seele abhandengekommen. Allzu vordergründig ist der berauschende Mummenschanz auf ein therapeutisches Abenteuer getrimmt, mit dem Alice Mut gemacht werden soll für ihren eigenen Weg. Dabei liegt der Reiz des Originals gerade in den, von Burton vernachlässigten, poetischen Details und jenen um die Ecke gedachten Traumbildern, in denen sich die Realität surreal widerspiegelt. Sein Film dagegen ist nicht weniger und nicht mehr als eine brave Auftragsarbeit für Disney: hübsch, aber ohne spannende Hintergedanken.

Birgit Roschy, APN APN

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