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ARD-Film "Homevideo": Gift aus dem Dunkel

Ein kleines Juxbild im Internet und schon nimmt das Drama seinen Lauf - "Cybermobbing" hat sich wie ein Flächenbrand ausgebreitet und bedroht vor allem junge Leute. Das ARD-Drama "Homevideo" befasst sich mit den virtuellen Schikanen und ihren Folgen.

Bis zu 15 Prozent aller Schüler, wird geschätzt, haben schon Erfahrungen mit dem "Cybermobbing" gemacht, dem Psychoterror im Internet. Und einige von ihnen waren Täter und Opfer zugleich. Ein Betroffener ist im Film "Homevideo", den die ARD an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) zeigt, der Junge Jakob, scheu, introvertiert, voll in der Pubertät.

Einmal hat er sich selbst beim Onanieren gefilmt. Der Clip aus der Kamera fällt zwei Schulkameraden in die Hände. Die stellen das Bild ins Internet. Das Mobbing setzt ein, immer heftiger, grausamer. Die Eltern, die Lehrer stehen hilflos da. Und das böse Spiel spitzt sich zur Tragödie zu.

"Ein Ausgang wie im Film ist eher noch die Ausnahme, glücklicherweise, aber die üblichen Mobbing-Folgen sind für die Betroffenen schlimm genug", meint dazu Cybermobbing-Forscher Herbert Scheithauer vom Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie an der Freien Universität Berlin. Aber der Film, gerade mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, "ist einfach toll" - zumal das Buch von Jan Braren zu einer Zeit entstand, als man in Deutschland noch herzlich wenig von dieser Art Mobbing wusste und auch noch gar nicht wissen wollte.

Die Anonymität der Täter

Kilian Riedhof führt Regie, den Jakob spielt Jonas Nay, dem die Rolle den Förderpreis beim Deutschen Fernsehpreis einbrachte. Er selbst, sagt er, sei noch nicht übers Internet gemobbt worden, aber er sei auch sehr zurückhaltend bei Preisgabe persönlicher Daten im Internet oder mit dort geschlossenen Freundschaften. "Es ist schon verblüffend, wie hemmungslos unbedarft viele, Erwachsene wie Jugendliche, Persönlichstes von sich preisgeben und nicht daran denken, dass dies nun auf ewig im Netz stehen bleibt", sagt Forscher Scheithauer.

Eine andere Gefahr, die das Cybermobbing vom Mobbing alter Art wesentlich unterscheidet: die Anonymität der Täter, die oft genug meinen, was sie da täten, sei doch eher lustig und nicht so schlimm. Ein Unrechtsbewusstsein haben sie selten.

Im Film fragt einmal eine Lehrerin: "Wisst ihr nicht, wie weh ihr anderen tut?" Die Täter, hier wie in der Wirklichkeit, wissen es oft nicht: "Es ist eben ein großer Unterschied, ob man einem ins Gesicht sagt: Du bist ein Schwein, oder aus der Anonymität des Internet heraus", so Scheithauer. Und das könnte ein Ansatzpunkt für ein Anti-Mobbing sein: "Wir haben Programme entwickelt, die unter anderem mögliche Täter in die Opferperspektive versetzen und ihnen erst klar machen, was sie eventuell anrichten."

Er hofft, das in größerem Umfang, vor allem in Schulen, einsetzen zu können, und plant von nächstem Jahr an die Zusammenarbeit mit dem Opferschutz-Bund Weißer Ring.

Paul Barz, DPA / DPA