Bayerischer Fernsehpreis Stromlos schön


In München wurde der Bayerische Fernsehpreis verliehen. Die Technik machte schlapp, Germany's Next Top Models auch, und Thomas Hermanns lief zur Höchstform auf. Blacky Fuchsberger küsste Frank Elstner - und Edmund Stoiber junge Frauen
Von Alexander Kühn

Die schönsten Minuten des Abends waren, doch, ja: die ohne Strom. Im Übertragungswagen, wo Pro Sieben einfing, was an diesem Samstag ab 22.30 Uhr gesendet wird, ging gar nichts mehr. Und das gerade mal eine Viertelstunde, nachdem die Verleihung des Bayerischen Fernsehpreises ihren Lauf genommen hatte.

Was tun als Moderatorenpärchen in solcher Pein? Katarina Witt, das war recht angenehm, hatte in Ermangelung auswendig gelernter Sätze erst mal Sendepause. Thomas Hermanns dagegen lief zur Höchstform auf, schlug vor, alternativ zur geplanten Preisverleihung einen Brecht-Abend zu gestalten, wünschte sich von der Showband Sinatra-Lieder, interpretierte "These Boots Are Made For Walking" und rief danach schon mal vorsichtshalber "Kommen Sie gut nach Hause!". Spontan kamen die drei Münchner "Tatort"-Kommissare zu Hilfe und interpretierten "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins". Dann gab's wieder Strom.

Bis kurz vor sieben hatte sich das Fernsehen von heute über den Roten Teppich gedrängt: Heidi Klums next Topmodel, die rote Barbara, samt ihren Mitbewerberinnen Hana und Anni; dazu Heulsuse Bruce Darnell, der noch am Abend zuvor beim Finale so aufgeregt war, dass er schier "in meine Hose Kaka maken" wollte.

Das Fernsehen von gestern

Drinnen im Prinzregentheater hatte zu der Zeit bereits das Fernsehen von gestern Platz genommen: Blacky Fuchsberger turtelte mit seiner Frau Gundel; Rolf Schimpf, im ZDF noch für wenige Monate "Der Alte", spitzte seine hörgerätgestützten Ohren für das, was da kommen mochte; die Band jazzte, Frank Elstner wippte leicht mit dem Kopf.

Es war der Abend, der augenblickliche Unterhaltungsgrößen mit TV-Legenden zusammentreffen ließ. Verliehen wurde ein Porzellantier namens "Blauer Panther", der mit Trude Unruh und ihrer grauen Seniorenpartei überhaupt nichts zu tun hat, einen aber zwanghaft daran denken lässt, weswegen der Name ziemlich dämlich ist.

Die Älteste und die Jüngste

Es waren die älteste Preisträgerin und die jüngste, die einen am meisten rührten: Rosemarie Fendel, 80, verdrückte Tränchen, als Max von Thun ihr den Preis überreichte für ihre Rolle in dem Fernsehfilm "Das zweite Leben"; Rosalie Thomass, 19, geehrt als Hauptdarstellerin im jüngsten "Polizeiruf" von Dominik Graf, kramte einen Knitterzettel mit Stichwörtern aus dem Kleid. Versicherte, die 10.000 Euro könne sie ziemlich gut gebrauchen. Rief: "Ich freu mich!" Und Mami weinte im Saal.

Pro Sieben hatte sich auch um die musikalischen Belange gekümmert, man muss seine Leute ja unterbringen bei solchen Ereignissen, und so spielte die vom Sender gebastelte "Popstars"-Band Monrose. Ferner trat, und das gleich zweimal, der Schützling des großen Senderheiligen Stefan Raab auf: Max Mutzke, dessen neue Single zuuufällig gestern erschienen war.

Friedrich von Thun wurde noch geehrt, Christian Ulmen, Cordula Stratmann. Aus den Händen von Edmund Stoiber nahm Frank Elstner den Panther für sein Lebenswerk entgegen, "Des isser", sagte Stoiber, Elstner dankte höflich, versprach weiterhin gute Unterhaltung und mahnte: "Wer sagt, früher war das Fernsehen besser, der hat früher nie Fernsehen gekuckt." Show vorbei, Buffet eröffnet. Elstner und Blacky Fuchsberger küssten sich auf die Wangen. Ein Fotograf fragte, wie Frank Elstners Frau heiße; Hannelore, vermutete jemand von Pro Sieben, kam dann aber selbst drauf, dass die sich ohne "t" schreibt.

Stoiber im Bussifieber

Und ja, es war auch der Abend des Edmund Stoiber, der wie in jedem Jahr mit seiner Gattin zu Festakt und Empfang geladen hatte. Ein letztes Mal, bevor er am 30. September aus dem Amt scheidet. In einer lockeren, Äh-freien Eloge auf Frank Elstner hatte er von den "Montagsmalern" geschwärmt und von "Wetten, dass..?", im Dunkel der Nacht gab er nun noch einmal den Landesvater. Stürmte auf ein höheres Teenagertöchterlein aus seinem Bekanntenkreis zu, das seit dem letzten Treffen einen beachtlichen Wachstumsschub hingelegt haben musste, und rief: "Joa, ich hätt' dich fast nicht erkannt!" Bussi-bussi. Um sich dann ihrer älteren Schwester zuzuwenden: "Du kriegst ja Konkurrenz!" Bussi-bussi. Wieder zur ersten: "Wir stellen dich da oben hin: Zur Besichtigung freigegeben!" Worauf seine Gattin dazustieß und dem Mädchen sagte: "Du wirst ja immer dünner!" Worauf Edmund Stoiber zu deren Schwester sagte: "Du auch!"

Draußen im Hof sah man Heino Ferch scherzen und lachen, mit einer lebhaften Mimik, wie er sie in seinen Filmen nie vermuten ließ. Drinnen, im Gartensaal, unter dem Deckengemälde mit Schwänen, Flamingos und Kakteen: Comedy-Autor Ralf Husmann, einer von Deutschlands besten, parlierte mit seinen Geschöpfen Bernd Stromberg und Dr. Psycho, also Christoph Maria Herbst und Christian Ulmen.

Ist eine Rothaarige vermittelbar?

Vor allem die Männer unter den Partygästen wollten natürlich noch Germany's Topmodels aus der Nähe begutachten. Die rote Barbara. Und Hana und Anni. Weil deren Leben offenbar ein sehr erschöpfendes ist, hatte man ihnen eigens ein Eckchen des Speisesaals abgesperrt, einen Bodyguard zur Seite gestellt, der nicht einmal die Mitarbeiter von Pro Sieben passieren ließ; niemandem sonst war so viel Pflege zuteil geworden. Eine Mitarbeiterin von Pro Sieben erzählte noch, wie sehr man die Frage diskutiert habe, ob ein rothaariges Model vermittelbar sei.

Später gänsemarschierte das Trio doch noch über die Party, eine Pressesprecherin voraus, eine hinterdrein. Als man dem Topmodel Barbara einmal die freundliche Frage zuwerfen konnte, was denn jetzt in den nächsten Tagen so alles anstehe - da sagte sie: "Das weiß ich auch nicht so genau." Und schon hatten die Mädchen die Party wieder verlassen.


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