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Berlinale 2004: Eröffnungsfeier mit Misstönen

Ohne wirkliche Filmstars ist die 34. Berlinale mit einer großen Gala eröffnet worden. Neben den Schaulustigen sorgten Demonstranten für einen verunglückten Festivalauftakt.

Nicole Kidman hatte abgesagt, Nick Nolte auch, sogar der angekündigte Jude Law war nicht gekommen und Jack Nicholson, der in Berlin weilt, ließ sich nicht blicken. Dafür hatten sich zur nicht ganz so glanzvollen Eröffnung der 54. Berliner Filmfestspiele am Donnerstagabend lautstark protestierende Studenten vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz versammelt.

Chaotischer Auftakt

Sie bereiteten dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit ein gellendes Pfeifkonzert, rangelten mit der Polizei und verursachten einiges Chaos. Der immer gut gelaunte Festivalchef Dieter Kosslick musste schon seine letzten Humorreserven aktivieren, um die Stimmung bei der Eröffnungsfeier zusammen mit der schlagfertigen Moderatorin Anke Engelke halbwegs zu retten. Wie es in ihm wirklich aussah, offenbarte seine Antwort auf Engelkes Frage, was er von der Berlinale 2004 erwarte: "Die letzte im Vorjahr war gut, die nächste wird auch gut."

Terminnot für Hollywood-Stras

Denn auch Kosslick war natürlich bewusst, dass in diesem Jahr einiges schief zu laufen droht: Die Vorverlegung der Oscar-Nominierungen und auch der Oscar-Verleihung haben den Besuch des Festivals für viele Hollywoodstars weniger attraktiv und auch terminlich schwierig werden lassen. Bitter ist auch für den umtriebigen Festivalchef, der in den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit großen Erfolg hatte, wie unverfroren ihm Cannes mehrere attraktive Filme abspenstig machte, die eigentlich das Programm des Berlinale-Wettbewerbs schmücken sollten.

Deutsche TV-Größen als Starersatz

Die zahlreich am Eröffnungsabend zu sichtenden deutschen TV-Stars wie Iris Berben oder das zur Mutter gewandelte Model-Idol Claudia Schiffer, an deren Kinoauftritt vor einigen Jahren sich nicht nur Kritiker mit Grausen erinnern, können die fehlenden Weltstars aus Hollywood nun einmal nicht ersetzen. Die wie plötzlich aus dem eleganten Hut Kosslicks gezaubert wirkende Faye Dunaway lebt zwar nur noch von früherem Ruhm der tollen siebziger Jahre, brachte mit ihrem unangekündigten Erscheinen aber zumindest etwas Glamour in den Festspielstart.

"Cold Mountain" lösst keine Begeisterungsstürme aus

Der litt übrigens auch unter dem allzu überambitionierten Eröffnungsfilm "Unterwegs nach Cold Mountain". Das Publikum im vollbesetzten Berlinale-Palast beklatschte freundlich, aber keineswegs euphorisch Regisseur Anthony Minghella und einige Nebenakteuren des Bürgerkriegs-Epos. Einer misslungenen Premiere folgen manchmal gefeierte Vorstellungen. Berlin kann nur hoffen, dass es so kommt. Die Vorzeichen stehen aber wenig günstig in diesem Jahr, außerdem lautet die Wettervorhersage der nächsten Tage für die Hauptstadt: Regen und grauer Himmel.

Wolfgang Hübner, AP / AP