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Berlinale-Eröffnung: Filmbiz lässt Berlins Kasse klingeln

Zum 56. Mal ist die Hauptstadt Gastgeber für das wichtigste deutsche Filmfest, die Berlinale. Durch den Besuch von Stars wie George Clooney oder Sigourney Weaver wächst nicht nur Berlins Glamourfaktor.

Von Kathrin Buchner

Etliche Rekorde vermeldet die diesjährige Berlinale: Der längste Film des zehn Tage dauernden Festivals hat nicht nur 278 Minuten Laufzeit sondern auch den längsten Titel: "Und wenn sie nicht gestorben sind... Die Kinder von Golzow. Das Ende der unendlichen Geschichte". Der kürzeste Film beschränkt sich auf läppische drei Minuten, stammt von Regisseur Gus van Sant, der sonst mit abendfüllenden Produktionen wie "Good Will Hunting" glänzte, und zeigt in diesen drei Minuten immerhin fünf Wege sich umzubringen - so heißt das Werk, macht also 36 Sekunden pro Selbstmordmethode.

Neben diesen Absurditäten wartet die Berlinale aber auch mit handfesten wirtschaftlichen Pluspunkten auf. Denn mit dem deutschen Film geht es steil nach oben, und Berlin ist nicht nur ihr wichtigster Umschlagplatz, sondern auch ein stetig populärer werdender Drehort. 30 Prozent mehr Händler haben sich in diesem Jahr angemeldet, um die 600 Filme zu sehen und zu vermarkten.

Wie wichtig Berlin als Filmstandort geworden ist, beweisen etliche der neuen Filme: Sei es Detlev Bucks "Knallhart", der nicht nur in Neukölln gedreht wurde, sondern in dem auch der Stadtteil die Hauptrolle spielt, oder die internationale Blockbuster-Produktion mit Nathalie Portmann, "V wie Vendetta", bei der sich die Macher für Studio Babelsberg entschieden haben, weil es dort die größte Studiofläche in Europa gibt. Oder der heiß erwartete deutsche Wettbewerbsbeitrag "Elementarteilchen", in dem Berlin sowohl Drehort als auch Schauplatz ist, oder "Requiem", der zwar in Baden-Württemberg gedreht wurde, aber dessen Produktionsfirma in der Hauptstadt beheimatet ist.

Weltweite Gier nach Stoffen

Insgesamt werden mittlerweile rund 200 Filme pro Jahr in Berlin und Brandenburg produziert. Vor allem ausländische Produktionen bringen Geld in die Stadt. Sie sorgen dafür, dass die Studios in Babelsberg ausgelastet sind und die Grand Hotels auch außerhalb der Berlinale belegt sind. Welchen Umsatz die Stadt mit der Produktion von Filmen macht, lässt sich schwer beziffern. Nach einer Berechnung der Investitionsbank Berlin setzte die Branche im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Euro um - in dieser Berechnung sind allerdings auch Hörfunk- und Fernsehproduktionen enthalten. Zulieferer, Cateringfirmen, technische Ausstatter und die Gastrobetriebe profitieren enorm von der weltweiten Gier nach neuen Stoffen. Über 4000 Berliner verdienen ihr Geld mit der Produktion und dem Verleih von Filmen, besagt eine Studie der Senatswirtschaftsverwaltung.

Damit die Bilanz auch weiterhin so positiv bleibt, steckt die ansonsten so marode Stadt Berlin Fördergelder im sechsstelligen Bereich in Filmproduktionen. "Im Jahr 2005 haben wir noch drei Millionen Euro zusätzlich erhalten", sagt Kathrin Steinbrenner, Sprecherin des Medienboards Berlin-Brandenburg.

Aber nicht nur die finanzielle Unterstützung allein, auch der "human factor" ist nicht zu unterschätzen. Schließlich leben im Großraum Berlin mittlerweile mehr Regisseure und Schauspieler als irgendwo anders in der Republik, sagt Kirsten Niehuus, die Chefin der Filmförderung Berlin-Brandenburg. In den vergangenen zehn Jahren ist so ein dichtes Netzwerk aus Kreativen entstanden, die sich gegenseitig unterstützen und austauschen. Die Infrastruktur, die diese Menschen anzieht, kann eben nur eine Stadt mit so bewegter - auch filmischer - Vergangenheit wie Berlin bieten.