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Berlinale: Film-Diva Anouk Aimée bekam Ehrenbären

Die französische Film-Diva Anouk Aimée durfte sich am Donnerstagabend über den goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk freuen. Die 70-Jährige will noch viele Filme drehen.

Anouk Aimée strahlte. Die französische Film-Diva bekam am Donnerstagabend den goldenen Ehrenbären der Berlinale für ihr Lebenswerk und verzauberte das Publikum mit ihrem Lächeln. Schon in Federico Fellinis «La dolce vita» (1959) und Claude Lelouchs «Ein Mann und eine Frau» (1966) hatte ihr Wimpernschlag für Furore gesorgt. Jahrzehnte später hat die Schauspielerin nichts an Ausstrahlung eingebüßt.

Aimée, die Geliebte. Diesem Namen machte sie auf den 53. Berliner Filmfestspielen alle Ehre, denn das Berlinale-Publikum lag ihr zu Füßen. Mit großen Schritten stürmte die 70-jährige auf die Bühne, wog den goldenen Bären in ihren Armen, strahlte in das Blitzlichtgewitter. Und ihr saß der Schalk im Nacken. «Anfangs dachte ich, eine Hommage ist der Anfang vom Ende», sagt die Schauspielerin und seufzte theatralisch. «Dann fiel mir ein, dass auch Jüngere schon geehrt wurden, und ich habe mich beruhigt.»

Ganz hingerissen von der großen «AA» war Jungschauspieler August Diehl, der mit Aimée für ihren neuen Film «La Petite prairie aux bouleaux» vor der Kamera stand. «Sie ist magisch. Wie eine leise Musik, der wir uns nicht entziehen können», sagte er in seiner Laudatio. «Wenn ich ihre Filme sah, hatte ich immer das Gefühl, unglücklich verliebt zu sein.»

Eine Film-Diva wird nicht alt...

Die Französin, deren Markenzeichen die dunkel schattierten «Katzenaugen» sind, schritt im Nadelstreifenblazer und einem langen, hellblau schimmernden Rock über den roten Teppich. Eine Film-Diva, so zeigte sich, wird nicht alt. «Es braucht viele Jahre, um jung zu werden», sagte Aimée. Als sie in ihrer Dankesrede die Kriegsvorbereitungen Amerikas verurteilte, wurde es still im Saal. «Ich hoffe, dass wir - das alte Europa - für die Jungen ein Beispiel des Friedens sein werden», sagte Aimée und erntete tosenden Applaus.

Die Schauspielerin, die mit dreizehn Jahren zum ersten Mal vor der Kamera stand, brachte ihren Fans gute Nachrichten. «Ich möchte noch viele Filme drehen», sagte sie und appellierte mit flammenden Worten für gutes Gefühls-Kino. «Filme müssen das Publikum berühren, es auch zum Lachen bringen.» Ein bisschen Wehmut klang in ihrer Stimme mit, als sie von den großen Streifen der fünfziger und sechziger Jahre sprach. «Heute dreht sich alles nur noch ums Geld.»

Zu Ehren der «melancholischen Diva» zeigten die Festspiele Jacques Demys Schwarz-Weiß-Klassiker «Lola» aus dem Jahr 1960. Darin brilliert Aimée in der Rolle einer melancholischen, wunderbar naiven Nachtclubsängerin, die am Traum von ihrem Märchenprinzen festhält.

Die als Nicole Francoise Dreyfus in Paris geborene Schauspielerin war mehrfach verheiratet, unter anderem mit dem britischen Schauspieler Albert Finney. Heute lebt sie zurückgezogen im Pariser Bezirk Montmartre oder bei ihrer Tochter Manuela. «Natürlich habe ich Sorgen wie jeder andere. Aber ich erkenne klar, dass ich großes Glück hatte», sagte sie.

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