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Berlinale-Post: Tag 6 God save Meryl Streep


Valentinstag, und die Berlinale gehört Meryl Streep. Die bekommt nicht nur den Ehrenbären, sie wurde auf der Pressekonferenz auch sehr persönlich beschenkt. Und dann ist da noch Charlize Theron.
Von Sophie Albers

Energiepunkte: Dank Charlize Theron und Meryl Streep im Hoch.

Like des Tages:

Der European Film Market brummt. Vor allem Deutschland und Großbritannien segeln stark und solide. Während auf dem roten Teppich um die Wette gelächelt wird, gibt es im Martin-Gropius-Bau Pokerfaces zu sehen.

Filmmoment des Tages:

Der gesamte Auftritt von Charlize Theron in "Young Adult". Ein weiteres Mal haben Regisseur Jason Reitman ("Up in the Air") und die grandiose Drehbuchautorin Diablo Cody ("Juno") keine Angst, Wahrheiten auszusprechen und dem gesamten Highschoolfilm-Genre kräftig den Hintern zu versohlen. Theron spielt Mavis, eine im Leben gestrandete Ex-Promqueen. Geschieden und mit schlechten Berufsaussichten kehrt sie in ihren Heimatort zurück, um ihren Highschool-Freund zurückzuerobern. Dass der glücklich verheiratet und frischer Vater ist, interessiert sie kein Stück. Flankiert wird diese ignorante Kamikazeaktion vom wunderbaren Patton Oswalt ("King of Queens"), für dessen Matt die Highschool die Hölle war. Er garniert Mavis brutale Flirtattacken auf Buddy (Patrick Wilson) mit liebevoll ätzendem Humor. Das ist wie "Die Hochzeit meines besten Freundes" auf Zuckerentzug. Wie kurz nach dem Aufwachen, wenn die Haare nach Erbrochenem riechen, und man denkt: Genau so ist es!

Sichtung des Tages:

John Hurt, der im Interview zum wunderbaren "Jayne Mansfield's Car" einen Hustenanfall bekommt. Plötzlich muss man an seine Horrorszene im ersten "Alien"-Film denken. "Damals habe ich ein paar Leute erschreckt, was", witzelt Hurt beruhigend freundlich.

Zitat der Tages:

"Heute ist Valentinstag? Oh Gott, ich muss meine Frau anrufen!" (Matt Oswalt während des Interviews)

News des Tages:

Nach dem verstörenden Thriller "Die Haut, in der ich wohne" - mit einem grandiosen Antonio Banderas - wird Pedro Almodovar als nächstes eine Liebeskomödie drehen. "Witzig, mit gepfefferten Dialogen, viel Spaß und vielen Tabubrüchen", hat Produzent und Bruder Agustin Almodovar verraten. "The Brief Lovers" soll der Film heißen.

Unsere tägliche Angelina:

Die wird heute von Meryl Streep abgelöst, die da ist, wo Angelina mal hin will. Streep wird heute mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet. "Ihr Talent, das mit Leichtigkeit zwischen dramatischen und komödiantischen Rollen wechselt, hat vielfältige Facetten", so Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Sie sei "ein Weltstar und eine außergewöhnliche Künstlerin". Zu diesem Anlass wird unter anderem "Die Eiserne Lady" gezeigt, in dem Streep als die umstrittene britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher zu sehen ist. Eine Oscarnominierung gab es auch schon für dieses Porträt einer Frau, die an Alzheimer leidet. Die völlig überfüllte Pressekonferenz mit Streep wurde zur Heiligenverehrung. Die Journalisten überschlugen sich in Liebesbekundungen. Ein Österreicher brachte Blumen, ein Russe überreichte ihr eine Matroschka. Die äußerste Schale zeigte Streep als Streep, darunter Streep als Thatcher und darunter Streep in "Der Teufel trägt Prada". Die 62-Jährige war aufrichtig gerührt. Diese Frau kann man nur mögen. Vor allem als sie auf die Frage, wie sie nach Drehschluss die Rolle losgeworden sei, antwortete: "Die Regisseurin (Phyllida Loyd, "Mamma Mia", Anm. Red.) brachte mir jeden Abend einen Gin Tonic vorbei."

Wiedersehen mit:

Rooney Mara, die gerade in David Finchers "Verblendung" ans Äußerste gegangen ist, wird als nächstes neben Jude Law in Steven Soderberghs "Bitter Pill" zu sehen sein. Ein Film über eine Frau, die ihre Panik vor der Entlassung ihres Mannes aus dem Gefängnis mit Beruhigungspillen zu übertünchen sucht.

Dinge, die man nicht wissen will:

High Heel watching ist ein beliebter Sport beim Warten auf Interviews. Egal wie groß der weibliche Filmstar, die Füße wackeln auf monströsen Absätzen. Und die sind mittlerweile nicht nur unter der Ferse, sondern - Lady Gaga like - auch unter dem Ballen. Und was macht die Leinwandgöttin, damit es nicht so wehtut? Sie spritzt Botox unter den Fuss.

Ein Valentinstagsgruß von der "Berlinackten":

"I love U, my Valentine"

Mitarbeit: Carsten Heidböhmer


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