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Bud Spencer: "Ich bin kein Schauspieler"

Wo er hinschlug, wuchs kein Gras mehr - zumindest in seinen Filmen. Bud Spencer feiert seinen 75. Geburtstag - und blickt mit Altersweisheit auf sein filmisches Schaffen zurück.

"Ich wusste, was ich tat", urteilte Bud Spencer einmal über sich und seine Filmkarriere. "Deshalb war es für mich nie ein Problem, diese Rollen zu spielen." Ein andermal meinte der 130-Kilo-Mann gar, er sei in Wahrheit gar kein Schauspieler. Sondern einfach ein Typ, den die Regisseure eben gerade für ihre Ulk-Western suchten. So viel kluge Einsicht in die Ursachen des Erfolges findet man nicht häufig unter Schauspielern. Vielleicht handelt es sich um einen Anflug von Altersweisheit. Am Sonntag ist Bud Spencer, der Italiener ist und in Wirklichkeit Carlo Pedersoli heißt, 75 Jahre alt geworden - einer der ungewöhnlichsten Akteure im Filmgeschäft ist er allemal.

Abwechslungsreicher Lebenslauf

Und ein Multitalent der besonderen Art. Seine erste Karriere machte der Fabrikantensohn aus Neapel als Sportler. Angesichts seiner heutigen Leibesfülle kaum zu glauben: In den 50er Jahren war er mehrfach italienischer Schwimmmeister und nahm an Olympischen Spielen teil. Nebenbei studierte er Jura und promovierte. Dann fürchtete er, der sportliche Ruhm könnte ihm zu Kopf steigen und er ging als Straßenbauer nach Südamerika. "Ich wollte wissen, wer ich bin." Vom Film träumte er damals nie. Nebenbei legte er ein paar Kilogramm zu.

Ein Brocken wurde gebraucht

Die Gewichtszunahme wurde später entscheidend. "Ein Bekannter meiner Frau brauchte für einen Film einen dicken Brocken." Das war 1967, der Regisseur hieß Giuseppe Colizzi, der Streifen "Gott vergibt, wir beide nie". Die Ära der "Spaghetti-Western" begann. Mit von der Partie war ein gertenschlanker Mann mit eisblauen Augen, auch er Italiener, auch er hatte einen amerikanischen Namen angenommen: Terence Hill.

Die Rollen waren verteilt: Terence Hill war schick, clever und bärenstark, Bud Spencer nur bärenstark. Die Erfolge kamen reihenweise: "Vier Fäuste für ein Halleluja" (1971), "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" (1972), "Zwei Missionare" (1974). So ging es immer weiter, zwar wurden die Streifen nicht einfallsreicher, dafür zogen sich die Schlägereien immer mehr in die Länge. Nur: Illusionen über das, was er tat, machte sich Bud Spencer nie. "Mir genügten 40, 50 Worte, um einen ganzen Film zu bestreiten." Aber die Leute hätten eben ihren Spaß daran.

"Intelligente Rollen" abgelehnt

Später gestand Spencer, er habe sogar "intelligente Rollen" abgelehnt. Die hätten ihn womöglich von der "Kunstfigur Bud Spencer" entfernt - Erfolg hat eben seinen Preis. Einziger Nachteil der rauschenden Erfolge: Das Koloss mit den schnellen Fäuste legte weiter Pfunde zu. "Irgendwann wog ich 160 Kilo. Mein Pferd warf sich immer verzweifelt auf den Rücken, sobald es mich kommen sah.". Seit einigen Jahren lebt der Pensionär wieder in Italien. Es heißt, er wiege auch nur noch 120 Kilo - jetzt kann er sich ja von der "Kunstfigur" Bud Spencer entfernen.

Peer Meinert, DPA / DPA