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8. Cannes-Kontakt: Eine Enttäuschung namens Ryan Gosling

Alle haben sich auf "Only God Forgives" gefreut, und dann wurde am Ende gebuht. Außerdem hat in Cannes niemand Zeit für Sex, dafür aber zum Juwelenstehlen.

Von Sophie Albers, Cannes

Was machst du gerade? Meinen Regenschirm suchen. Ein Schauspielagent witzelte gerade, dass einer seiner Klienten dank des Wetters ein Regenschirm-Kartell gegründet habe.

Das

Kinoärgernis des Tages

ist das doch so sehnlich erwartete Ryan-Gosling-Vehikel "Only God Forgives". Excuse my french, aber was für ein prätentiöser Mist! Film als Pose. Schöne, kunstfertig ausgeleuchtete Menschen in Bangkok gucken bedeutungsvoll, sagen entweder gar nichts oder pöbeln so übel, dass man zusammenzuckt, und schlitzen sich dann gegenseitig lebenswichtige Organe auf. Höhepunkt dieser schlechtgewordenen Fischsuppe aus griechischer Tragödie, David Lynch und Tarantino ist Goslings Griff in den Bauch seiner Mutter ("Die arme, arme Kristin Scott Thomas", rief ein aufgelöster Kollege noch im Kino), in deren Gebärmutter er so gern zurückkehren möchte. "Drive" war nicht jedermans Sache, "Only God Forgives" ist komplett sinnloser Hochglanz. Refn hat so lange stilisiert, bis aber auch wirklich gar kein Inhalt mehr übrig ist. Aber so lange es gut aussieht...

Moment des Tages:

Die Verzweiflung, als das Publikum begriffen hat, dass Ryan Gosling nicht kommt. Während der Pressekonferenz hat er eine kurze Nachricht verlesen lassen, dass er es einfach nicht geschafft habe, weil er gerade in der dritten Woche sein Regiedebüt dreht. So muss er die Buh-Rufe wenigstens nicht hören.

News des Tages: Filme und Wetter mögen die Filmfestbesucher zuweilen frustrieren, für Diebe ist es jedenfalls ein großartiges Cannes-Jahr: Nach Chopard und einem chinesischen Filmmogul haben amerikanische und britische Produzenten weitere Raubzüge gemeldet: Eine Villa hinter dem Majestic Hotel und ein Apartment wurden ausgeräumt: Geld, Schmuck und Computer sind weg. Die Pässen waren freundlicherweise noch da. Die Polizei scheint dabei wenig hilfreich: Man solle froh sei, dass man körperlich unversehrt sei, ist offensichtlich die Standardantwort, berichtet der "Hollywood Reporter".
Sichtung des Tages: Robert Redford. Alt ist er geworden, aber die Stunts in seinem Ein-Mann-Film "All Is Lost" habe er alle selbst gemacht, sagt der 76-Jährige. Fast ohne Worte - bis auf zwei, drei Mal "Fuck!" - erzählt der Film von einem Mann allein auf hoher, brutaler See. Wie "Schiffbruch mit Tiger", aber ohne Tiger und mit weniger Fischen.

Zitat des Tages: "Filmemachen ist wie Sex. Wenn du vorher zuviel weißt, ist es nicht mehr aufregend." ("Only God Forgives"-Regisseur Nicolas Winding Refn über seine Arbeit)
und
"In Cannes hat niemand Sex. Die Mädchen haben hier keine Zeit", sagt Mattias Mimoun, und der muss es wissen, schließlich hat er einen guten Blick auf Cannes' Partypeople: Er ist Pianist im Carré Bleu Grey Goose vor den Grand Hotel mitten auf der Croisette.
und
"In Cannes kannst du Outfits tragen, die zuhause einfach nicht gehen. Hier kannst du wirklich alles geben", freut sich Dita von Teese, die sich mal wieder nackt in ein Martiniglas gerollt hat.

Nur mal so nebenbei:

Am Donnerstag wird der große Jerry Lewis seinen Film "Max Rose" vorzustellen, die erste Hauptrolle seit 18 Jahren. Erzählt wird die Geschichte eines alten Jazzpianisten, der nach dem Tod seiner Frau Dinge erfährt, die sein ganzes Leben in Frage stellen.

Mitarbeit: Matthias Schmidt