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Umgeschrieben Neuer "Minions"-Film hat in China ein anderes Ende – Zensur führt ins Absurde

Vier Menschen posieren als Minions verkleidet
Der neue "Minions"-Film "Auf der Suche nach dem Mini-Boss" läuft inzwischen auch in China. Allerdings mit einem alternativen Ende. 
© Reuters / David Swanson / File Photo
In China ist der neue "Minions"-Film angelaufen. Es ist bereits der fünfte Teil der Reihe. Doch in China hat "Auf der Suche nach dem Mini-Boss" ein anderes Ende als in der Originalversion. Es handelt sich dabei nicht um einen Einzelfall. Die Zensur kommt zu abstrusen Schlüssen. 

Der fünfte Teil von "Ich – einfach unverbesserlich" ist in China im Kino angelaufen. Doch das Publikum sieht etwas anderes als das in den USA, wo der Film vor einigen Wochen seinen Kinostart feierte. Die Originalversion des neuesten "Minions"-Films zeigt Grus schweren Weg vom zwölfjährigen Schurken-Fan zum Superschurken. Auf dem chinesischen Festland hingegen wird er laut Untertiteln und Standbildern im Abspann schließlich zu "einem der Guten", dessen einziges Streben es ist, eine Familie zu gründen und seine Kinder großzuziehen. 

Ob das Ende des jüngsten "Minions"-Films auf Forderung der Zensur geändert wurde oder die Produzenten es von sich aus für den chinesischen Markt umdichteten, ist allerdings unklar. Universal reagierte zunächst nicht auf die Bitte der Nachrichtenagentur AFP um eine Stellungnahme.

Fans der kleinen gelben Bösewichter und ihres Chefs reagierten in den Online-Netzwerken unterschiedlich auf das chinesische Happy-End: Während ein Nutzer enttäuscht war, dass es de facto nur in "Untertiteln" existiere, ärgerten sich andere über den Bruch zwischen dem zum Tugendbold gewandelten jungen Gru in dem Prequel und dem erwachsenen Superschurken der anderen Filme. Der Gru der Hauptfilme müsse in einem "parallelen Minion-Universum" leben, beschwerte sich ein Fan im Online-Dienst Weibo.

Die "Minions" sind kein Einzelfall: "Fight Club" hat ein anderes Ende

Es ist nicht das erste Mal, dass Filme aus dem Ausland für den chinesischen Markt geändert werden. Die Unterhaltungsindustrie ist dort strenger Zensur unterworfen, ihre erklärte Aufgabe ist die Förderung "gesunder" Werte. 

Ein berühmtes Beispiel ist "Fight Club". Der ikonische Film mit Brad Pitt und Edward Norton aus dem Jahr 1999 endet aufwühlend dramatisch mit einer Reihe zerstörter Gebäude, ein in sich stimmiger Plot, dazu singen die Pixies passenderweise "Where is my mind?". Doch in China sieht das anders aus.

Brad Pitt (l.) und Edward Norton im Film "Fight Club"
Brad Pitt (l.) und Edward Norton im Film "Fight Club"
© Allstar / Imago Images

Hier endet der Film mit einem Hinweis an die Zuschauer, dass die Polizei alle Kriminellen verhaftet habe und die Bombe erfolgreich von einer Explosion abgehalten habe. Die Figur, die Brad Pitt spielt, sei in eine psychiatrische Anstalt gebracht und dann wieder entlassen worden. Dass die Figur, die Brad Pitt spielt, nur in der Imagination von Edward Nortons Figur existiert, wird dabei einfach ignoriert. Statt Häuser fällt mit diesem Ende die ganze Aussage und Logik des Film wie ein Kartenhaus in sich zusammen. 

Bezüge zu Freddie Mercurys Homosexualität herausgeschnitten

Die alternative Version von "Fight Club" hatten Zuschauer auf einer Streaming-Plattform in China entdeckt, wie die "New York Times" Anfang des Jahres berichtete. Offen blieb demnach, ob das Ende bereits von der amerikanischen Produktionsfirma geändert wurde oder erst an einer späteren Stelle in China. 

Die Zeitung listet weitere Beispiele von bekannten Filmen aus dem Westen auf, die in China mit einem alternativen Ende gezeigt werden, darunter "Men in Black 3", "Cloud Atlas" und "Fluch der Karibik".  

Besonders grotesk mutet die veränderte Version von "Bohemian Rhapsody" an, dem Film über die Band Queen aus dem Jahr 2018. Hier wurden Bezüge auf die Homosexualität von Sänger Freddie Mercury – einer Ikone der LGBTQ+-Bewegung –herausgeschnitten. 

Quellen: "Vice", "New York Times", mit Material von afp

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