DAS FILMJAHR 2001 Herbig vor Harry und Hobbits


Zwei Fantasy-Knaller und eine Western-Parodie: Auf diese Formel lässt sich das Filmjahr 2001 bringen. Daneben gab es mit »Amélie« und »Chocolat« auch ansprechende französische Produktionen.

Harry gegen die Hobbits: Das Duell des Monats Dezember täuscht darüber hinweg, dass das Filmjahr 2001 weit mehr zu bieten hatte als nur Fantasy-Streifen. Vor allem französische Produktionen waren wieder einmal Garant für Qualität. Mit »Amores Perros« machte aber auch ein mexikanischer Film von sich reden.

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: Harry Potter | Der Herr der Ringe

Der Überraschungssieger: »Bully« Herbig

König der Kalauer wurde der Regisseur und Schauspieler Michael »Bully« Herbig mit seinem Publikumsknüller »Der Schuh des Manitu«. Fast 10,5 Millionen Menschen suchten und fanden in der unverkrampften Western-Parodie ihren Spaß und machten den Film in Deutschland zur erfolgreichsten Produktion aller Zeiten.

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: Der Schuh des Manitu

Schauplatz Frankreich

Zur »Königin der Herzen« wurde eine französische Newcomerin namens Audrey Tautou. Mit ihrem verschrobenen Charme belebte sie »Die fabelhafte Welt der Amélie«. Der ebenfalls in Frankreich spielende »Chocolat« brachte um die Osterzeit viel Wärme in die Herzen der Kinogänger. Das opulenteste Werk des Jahres war zweifellos Baz Luhrmanns »Moulin Rouge« mit der hinreißenden Nicole Kidman und Ewan McGreogor.

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: Chocolat | Moulin Rouge

Rekordjahr für Kinobesuche

Der Kinobesuch in Deutschland war 2001 rekordverdächtig. Seit den 50er Jahren sind noch nie so viele Deutsche ins Kino gegangen. Schätzungsweise rund 180 Millionen Karten könnten bis zum großen Silvesterfeuerwerk verkauft werden. Das wären bis zu 30 Millionen mehr als im schwachen Vorjahr. Der Terrorschock vom 11. September hat die Zuschauer offenbar nicht vom Kinobesuch abgehalten. Kurzfristig verunsichert, verschob Hollywood schnell einige allzu brutale Action- und Rachefilme auf später und verhandelte mit der US-Regierung über eine mögliche Entertainment-Unterstützung für den amerikanischen »Krieg gegen den Terror«.

Hollywood im Dienste der Propaganda

Fantasy-Giganten

Angesichts der kriselnden Weltlage war die Zeit denkbar günstig für Filme, die den Kampf Gut gegen Böse in ein üppig ausgestattetes Reich der Fantasie verlegen: Zauberlehrling Harry Potter schaffte auf seinem Besen weltweit den besten Start aller Zeiten. Zum Ende des Jahres aber behauptet sich der »Schuh des Manitu« immer noch auf Platz 1 der deutschen Kino-Top-Ten - vor vorhersehbaren Großproduktionen wie »Harry Potter« (bisher 7,3 Millionen Zuschauer), »Was Frauen wollen« (6,5 Millionen), »American Pie 2« (5,7 Millionen), »Verschollen« (5 Millionen) und »Pearl Harbor« (4,6 Millionen).

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: Pearl Harbor

Deutscher Film weiter abgeschlagen

Insgesamt kann der kommerzielle Fußabdruck des »Schuhs« allerdings nicht über die kleinen Schrittchen der deutschen Filmszene hinwegtäuschen. Das »Bündnis für den Film« kam immer noch nicht zu handfesten Ergebnissen. Bei den großen europäischen Festivals standen andere Europäer im Rampenlicht. Patrice Chéreau gewann auf der Berlinale mit seinem ungewöhnlichen Liebesdrama »Intimacy« den Goldenen Bären. In Cannes überzeugten der Italiener Nanni Moretti (»Das Zimmer meines Sohnes«) und der Österreicher Michael Haneke mit der französischen Produktion »Die Klavierspielerin«.

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: Die Klavierspielerin | Intimacy

Tom Tykwer soll's richten

Von deutscher Seite erfüllten Oliver Hirschbiegels Thriller »Das Experiment«, der auch ins Oscar-Rennen geht, und der hoch gelobte Dokumentarfilm »Black Box BRD« die Erwartungen. Und natürlich gut gemachte Kinder- und Familienfilme wie »Der kleine Eisbär«, »Das Sams« oder »Emil und die Detektive«. Man darf gespannt sein, ob Kultregisseur Tom Tykwer mit seinem neuen Werk »Heaven« die Bilanz des nächsten Jahres wieder verbessern kann. »Heaven« eröffnet im Februar die Filmfestspiele in Berlin.

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: Der kleine Eisbär

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