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Denzel Washington: "Der Sünde Sold ist der Tod"

Er hätte auch Priester werden können wie sein Vater. Obwohl die Schauspielerei für ihn nur ein Job ist, wurde Denzel Washington bereits mit zwei Oscars ausgezeichnet. Im stern-Interview erzählt er über die Dreharbeiten seines neuen Thrillers "Déjà Vu".

Mr. Washington, Ihr neuer Film "Déjà Vu" war der erste, der nach dem Hurrikan "Katrina" in New Orleans gedreht wurde. Wie haben Sie die Stadt erlebt?

Stellen Sie sich vor, ganz Hamburg steht unter Wasser und ist total verwüstet. Genauso war es dort. Unfassbar. Ich bin abends nach den Dreharbeiten oft in meinen Wagen gestiegen und herumgefahren. Es war traurig, aber auch inspirierend, weil die Menschen mit unglaublicher Entschlossenheit versuchen, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Mit unserem Film haben wir sie dabei ein klein wenig unterstützen können. Sie haben uns mit offenen Armen empfangen.

Ist "Déjà Vu" ein politischer Thriller?

Nein, wie kommen Sie darauf?

Nun, es geht um einen schrecklichen Terroranschlag auf eine Autofähre, das Attentat auf das Murrah Federal Building 1995 in Oklahoma City wird erwähnt...

Das mag für Sie politisch sein. Ich habe so nicht auf diesen Film geschaut. Regisseur Tony Scott hat einen Agenten als Berater herangezogen, der damals auch an den Ermittlungen in Oklahoma City beteiligt war. Dort führten kleinste Plastikteile am Ende zu dem Täter Timothy McVeigh. Diese Informationen haben wir in die Story integriert.

Einer Anekdote aus Ihrer Kindheit zufolge haben Sie auch eine Bestimmung. Eine Wahrsagerin prophezeite Ihnen damals, dass Sie später zu Millionen von Menschen sprechen werden.

Die Geschichte ist wirklich passiert, 1975 im Schönheitssalon meiner Mutter. Ich habe vor einiger Zeit, als ich in der Kirche war, meinen Pastor dazu befragt: Bin ich vielleicht dazu bestimmt, ein Priester zu werden wie mein Vater? Er sagte: Ich glaube, das bist du schon. Ich sehe meine Filme jedoch nicht als Predigten. Predigen klingt wie: Ich habe recht und du nicht. Aber ich versuche zunehmend spirituelle Aspekte einfließen zu lassen. Zum Beispiel die Bibelzitate in "Man of Fire" - die habe ich hinzugefügt. Und die erste Notiz, die ich in das Drehbuch von "Training Day" schrieb, lautete: Der Sünde Sold ist der Tod. Ich wollte, dass der korrupte Polizist Alonzo, den ich spielte, am Schluss den schlimmsten Tod stirbt für die schlimmen Dinge, die er getan hat. Das ist, wenn Sie so wollen, eine Botschaft. Weil ich fühlte, dass es das Richtige war.

Interview: Bernd Teichmann und Matthias Schmidt

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