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Diane Keaton: Woodys Ex-Muse wird 60

Diane Keaton wird 60 Jahre alt. Ihre Karriere begann mit "Der Pate", zu Ruhm brachte sie es als Woody Allens intellektuell angehauchte junge Großstadtfrau. Jetzt startet sie ein spätes Comeback.

Vor ihrem 60. Geburtstag am 5. Januar hat Diane Keaton noch einmal kräftig aufs Gaspedal ihrer Karriere gedrückt. Davon konnten sich auch die deutschen Kinogänger in dem weihnachtlichen Familienmelodram "Die Familie Stone" überzeugen. Die amerikanische Schauspielerin spielt darin die unheilbar erkrankte, doch noch immer dominante Mutter einer großen Familie, die sich zum Fest versammelt hat, aber von einer Turbulenz in die nächste stürzt. Nach dem gefeierten Auftritt in der weltweit erfolgreichen Komödie "Was das Herz begehrt", in der Keaton zusammen mit Jack Nicholson brillierte, ist das schon die zweite große Altersrolle, in der die Oscarpreisträgerin des Jahres 1977 zu sehen war.

Woodys Muse

Nun erst hat sich Keaton endgültig davon gelöst, immer nur als die Muse und Partnerin Woody Allens wahrgenommen zu werden. Was schon deshalb nicht leicht war, weil die in Los Angeles geborene Tochter eines Bauingenieurs immerhin acht Filme gemeinsam mit ihrem zeitweiligen Lebensgefährten machte, darunter den Klassiker "Annie Hall", der in Deutschland unter dem Titel "Der Stadtneurotiker" lief. Das war jener Film, der ihr den begehrten Preis für die "beste weibliche Hauptrolle" einbrachte, aber Keatons Rollentyp auch sehr festlegte: Sie galt als die ideale Verkörperung der intellektuell angehauchten jungen Großstadtfrau, die erotisch und beruflich ihr Glück sucht. So präsentierte sich die Schauspielerin auch im Jahr ihres Oscar-Triumphes in der Kinotragödie "Auf der Suche nach Mr. Goodbar".

Aufstieg zum Star

Schon in den beiden populären "Der Pate"-Streifen von 1972 und 1974 war sie als Frau des Mafia-Erben Michael Corleone, der von Al Pacino dargestellt wurde, mit von der Partie gewesen. Doch in diesen Kinohits konnte sie noch wenig eigene Akzente setzen. Erst Woody Allen machte Keaton zum Star. Mit Warren Beatty, wie Pacino ein zeitweiliger privater Gefährte der stets unverheiratet und kinderlos gebliebenen Schauspielerin, drehte Keaton 1981 das Politepos "Reds", das ihr beinah einen weiteren Oscar beschert hätte. Doch obwohl sie stets neue Filmrollen bekam, wurde es stiller um sie. Keaton machte 1987 wieder auf sich aufmerksam als Regisseurin und Produzentin einer filmischen Mixtur aus Dokumentation und Spekulation über das Leben nach dem Tod. Auch in TV-Serien konnte sie sich als Regisseurin profilieren. 1996 erhielt sie für ihre schauspielerische Leistung in "Marvins Töchter" eine weitere Oscar-Nominierung.

Star ohne jegliches Ego

Privat gilt Keaton, die sich gerne ungeschminkt zeigt, als sehr zurückhaltend und als "Star ohne jegliches Ego". Eine ganze Reihe berühmter Männer des amerikanischen Films haben das offenbar sehr attraktiv gefunden, was der Karriere gewiss nicht geschadet hat. Aber nur wirkliche Könner schaffen es im harten Geschäft von Hollywood, auf eigenen Beinen zu stehen. Diane Keaton, die sich den Mädchennamen ihrer künstlerisch begabten Mutter zum Künstlernamen erwählt hat, gehört längst dazu und baut nun sogar noch weiter an ihrem Ruhm.

Wolfgang Hübner/AP / AP