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Die Golden Globes 2015 Das Kino kämpft


Erstaunlich gutes Kino haben die Golden Globes gefeiert. Mal sehen, ob die harte Konkurrenz zum Fernsehen auch bei den Oscars für eine spannendere Auswahl sorgen wird.
Sophie "Lorelei" Albers Ben Chamo

Das Seltsame an den Golden Globes ist, dass eigentlich niemand die wild zusammengewürfelten rund 90 Hollywood-Journalisten der Auslandspresse (Hollywood Foreign Press Association) so richtig ernst nimmt. Doch dann - alle Jahre wieder - kommt diese "Eröffnung des Oscar-Rennens", und Millionen gucken doch wieder hin. Natürlich auch wegen des bunten Kleider-Waldes und vor allem wegen schmerzloser Moderatoren wie Ricky Gervais, Tina Fey und Amy Poehler, aber auch weil der Glaube, dass hier Weichen gestellt werden für den ganz dicken Filmpreis, eben ein hartnäckiger ist.

Deshalb ist es ziemlich wunderbar, dass Richard Linklaters Realtime-Filmexperiment "Boyhood" in den Königskategorien Bestes Drama und Beste Regie und auch Beste Nebendarstellerin abgeräumt hat. Guter Anfang für einen Film, der in mehr als zwölf Jahren den magischen Übergang vom Kind zum Teenager zum jungen Erwachsenen festgehalten hat. Ein Fest des Lebens, das IMMER spannender sein wird als die Fiktion. Was für ein Statement mittendrin im Getriebe der Traumfabrik, die ihr Geld dieser Tage hauptsächlich mit millionenschweren CGI-Action-Hüllen verdient.

Identitätskrise in der Traumfabrik

In die gleiche Kerbe schlagen die restlichen Preise: Ausgezeichnet wurden ein von Krankheit gezeichnetes Genie ("Die Entdeckung der Unendlichkeit"), eine Frau im Kampf gegen Alzheimer ("Still Alice"), ein halluzinierender, abgehalfterter Ex-Star ("Birdman"), eine unterdrückte, bestohlene Künstlerin ("Big Eyes") oder auch ein irrer, gewalttätiger Musiklehrer ("Whiplash"). Am nächsten dran am Märchen ist da noch "The Grand Budapest Hotel" (Beste Komödie).

Ist das ein Bekenntnis zum Geschichtenerzählen oder eher Ausdruck der Verwirrung über die zunehmende Macht des Fernsehens/ Streamings? Anders als die Oscars ehren die Globes auch die TV-Erfolge des Jahres. Und viele Serien sind mittlerweile bekanntermaßen größeres Kino als das Kino selbst. Wie die Gewinner des Abends zeigen - darunter Kevin Spacey für "House of Cards", drei Mal "Fargo" und natürlich auch "Downtown Abbey".

Wahrscheinlich ist es beides, und diese Identitätskrise ist doch ein gutes Zeichen. Einsicht ist schließlich der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung.


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