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"Die schönen Tage von Aranjuez": The World is on fire - Wim Wenders' Meisterwerk

Ein Mann und eine Frau sitzen an einem Tisch im Garten und reden miteinander. Viel mehr passiert nicht in Wim Wenders' "Die schönen Tage von Aranjuez". Und doch ist es einer der radikalsten Filme der letzten Zeit.

"Die schönen Tage von Aranjuez"

Reda Kateb (l) und Sophie Semin in "Die schönen Tage von Aranjuez".

"Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt." Ein Satz von Albert Camus, der mir in den Sinn kam, als ich den neuen Film von Wim Wenders sah.

Wenders braucht Camus nicht. Er hat ja Peter Handke, mit dem er seit 40 Jahren befreundet ist und immer wieder zusammenarbeitet. Nun hat Wenders Handkes Stück "Die schönen Tage von Aranjuez" verfilmt. Herausgekommen ist ein Meisterwerk, mit leichter Hand gefilmt in zehn Tagen unter freiem Himmel. Man hört das Zwitschern der Vögel und das Rauschen der Blätter, als säße man dabei (und dieser Effekt ist viel überwältigender als die 3D-Technik, die Wenders benutzt).

Es ist einer der radikalsten Filme der letzten Zeit geworden - kein Thesenfilm, kein Weltverbesserungsfilm, kein Actionfilm. Weil er so gut wie keine Handlung hat und man trotzdem immer weiter reingezogen wird in diesen "Sommerdialog" (Handke).

Nick Cave und Peter Handke haben Gastauftritte

Ein Mann (Reda Kateb) und eine Frau (gespielt von Handkes Ehefrau Sophie Semin) sitzen an einem Tisch im Garten und reden miteinander. Eineinhalb Stunden lang: mal sanft, mal herausfordernd, etwa wenn er sich dreist nach ihren "Fick- und Vögeljahren" erkundigt. Dazu hat Wenders einen Schriftsteller (Jens Harzer) erfunden, der in Hörweite den Dialog der beiden mit-, auf- und weiterschreibt. 

Nick Cave und Handke haben Gastauftritte, eine Jukebox liefert den Soundtrack zum nahenden Unwetter: Gus Blacks "The World is on Fire".

Als ich das Kino wieder verließ, fühlte ich mich wie Camus: Das Licht ist heller geworden, der Regen nicht mehr so nass und die aus den Fugen geratene Welt ist wieder ein Ort, an dem man weiter leben kann. Und dann habe ich erkannt, dass die Vertreibung aus dem Paradies nicht das Ende ist, sondern erst der Anfang.

"The world is on fire, and I love you, I love you."