Dreamgirls Schwarze Stimmen für weiße Ohren


Inspiriert von den legendären Supremes, erzählt das Hollywood-Musical Dreamgirls vom Aufstieg eines farbigen Mädchentrios. Die Schwäche der für acht Oscars nominierten Glitzer-Orgie sind ausgerechnet die Songs.

Hört sich alles wundervoll an. Ein astreiner Hollywood-Glitzerstoff. Die Geschichte eines langbeinigen, dunkelhäutigen Mädchentrios, das in den 60er Jahren die Hitparaden-Gipfel der ganzen Welt stürmte. Mit Liedern, die weder schwarz noch weiß klangen, sondern revolutionär dazwischen. Latte macchiato würde man heute wohl sagen, Motown hieß das damals.

Und auch wenn in dem über zweistündigen Film ständig die Rede ist von den Dreamettes und ihrer Frontfrau Deena, wird schnell klar, dass man mitten in einer Hommage an The Supremes und Diana Ross gelandet ist.

Damit garantiert nichts schiefgeht, besetzte man die Orgie aus schillernden Schlauchkleidern und Perückentürmen mit Oscar-Preisträger Jamie Foxx ("Ray") und einer der schönsten Sängerinnen des Planeten: Beyoncé Knowles, einst Mitglied der supererfolgreichen Girlband Destiny's Child. Fertig ist der Kassenschlager, gerade für erstaunliche acht Oscars nominiert.

So tritt man voller Vorfreude ins Kino, der Vorhang öffnet sich, und es wird gesungen. Es wird gesungen, wenn diskutiert wird. Es wird gesungen, wenn gestritten wird. Es wird fast pausenlos gesungen. Eigentlich keine große Sache in einem Musical. Aber, und dieses Aber müsste man auf ganz hohe Plateauschuhe stellen: Es handelt sich eben nicht um die globalen Gehörgang-Schmeichler der Supremes. Weit und breit kein "Baby Love", kein "Stop! In the Name of Love". Es sind die Songs einer 26 Jahre alten Broadwayshow. Songs, die teilweise so poliert daherkommen, als hätte man alles Motownige aus ihnen herausgebügelt. "Dreamgirls" trägt seinen Titel schon deshalb zu Recht: Das ständige Säuseln und Trällern versetzt Zuschauer, Zuhörer auf Dauer in einen schläfrigen Zustand.

Was aus gründen der Pophistorie nicht mal übel ist. Denn so lässt sich in Ruhe von den echten Supremes träumen. Nach Elvis und den Beatles zu der Zeit die großen kommerziellen Abräumer. Deren Popularität auch für politischen Wirbel sorgte. Ross und Kolleginnen stehen für die erste schwarze Gruppe, die es dauerhaft nach oben schaffte. Die einer von Schwarzen gegründeten Plattenfirma, Motown Records, zum Durchbruch verhalf.

Allerdings muss sich Supremes-Manager Berry Gordy, im Film gespielt von Foxx, bis heute den Vorwurf gefallen lassen, dass seine farbige Erfolgsstory bei genauem Hinsehen recht blass wirkt. Gordy habe das Schwarzsein seiner Schützlinge bewusst verneint, den Sound für weiße Ohren gezähmt. Statt sexuell gesättigter Heuler sangen die drei lieblichen Pop mit kindlichen Texten. Zur dunklen Supremes-Seite gehört auch, dass die Frau mit der besten Stimme, die kurvenreiche Florence Ballard, der mädchenhaften Diana Ross erst das Schweinwerferlicht überlassen musste und später, alkoholkrank und ausgezehrt, ganz aus der Band katapultiert wurde.

Im Film wird diese Krise thematisiert, am Ende dominieren jedoch Versöhnungsgesten. Und die eigentlichen Hingucker sind weder der etwas biedere Foxx noch die soliden, aber mäßig prickelnden Auftritte von Deena alias Beyoncé.

Darstellerisch und stimmlich stehlen die dralle Neuentdeckung Jennifer Hudson und der fast schon vergessene Eddie Murphy den Stars die Show. Florence, die 1976 völlig verarmt starb, hätte darüber sicher geschmunzel ...
Start: 1. Februar

Matthias Schmidt<br/>Mitarbeit: Andrea Ritter print

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