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stern-Reportage

Prinzessin Diana, die Unzerstörbare

20 Jahre nach dem Tod von Diana debattiert das Königreich darüber, was von ihr bleibt. Unser Reporter fragte sich das auch und begab sich auf die Suche nach den Spuren der Prinzessin. Protokoll einer Reise.

Nun, da die Welt nach 20 Jahren Schweigen und Totenstille endlich von einer, nennen wir sie Mittelsfrau, erfuhr, dass , Princess of Wales, Männer mit haarigen Rücken nie mochte und sie von oben auf ihre Söhne stolz hinabblickt und glücklicherweise auch Schwiegertochter Kate mag und als Zugabe noch verriet, auch sie hätte für den Brexit gestimmt, wenn, ja wenn sie nicht gestorben wäre … nun also geht das Märchen von der Märchenprinzessin in die nächste Runde. Getrieben von gelben Blättern und dem britischen Boulevard, die seit Wochen nichts anderes kennen als erstens Diana, zweitens Diana und drittens Diana. Und deshalb alle möglichen Menschen einvernehmen, die Diana dem Vernehmen nach kannten oder glauben, sie gekannt zu haben und ergo – da selbst dieser Personenkreis überschaubar ist – irgendwann auch auf Simone Simmons kamen: alte Freundin, Buchautorin und als "Medium" noch mit kurzem Draht zu ihr.

Die Prinzessin und ihr größter Fan: Margaret Tyler hat ihr Haus in London komplett der königlichen Familie und vor allem Diana gewidmet

Die Prinzessin und ihr größter Fan: Margaret Tyler hat ihr Haus in London komplett der königlichen Familie und vor allem Diana gewidmet

Simmons, Zweigstelle Erde, hält also nach wie vor Zwiesprache mit der Prinzessin der Herzen, beinahe wie früher zu Dianas Lebzeiten, als die beiden stundenlang telefonierten wie pubertierende Teenies. Miss Simmons sagt: "Es klingt komisch. Aber ich höre ihre Stimme, wie sie mit mir über Weltereignisse spricht und ihre geliebten Enkelkinder."

"Rest in Peace", Ruhe in Frieden

Komisch fürwahr, Dianas Stimme aus dem Grab, immerhin gut hundert Kilometer entfernt von Simmons Londoner Wohnsitz, auf einer künstlich angelegten Insel des weitläufigen Familienanwesens derer zu Spencer, Althorp Estate, Northamptonshire. An deren Ufer ein kleiner, wirklich: Tempel steht zum Gedenken an die Prinzessin,, "Rest in Peace", Ruhe in Frieden.

Wir wissen nicht, ob Simone Simmons, die sich als "Psychic Healer" bezeichnet, nicht doch besser einen Facharzt aufsuchen sollte wegen der Stimme aus der Gruft. Wir wissen aber mit Sicherheit, dass es mit der friedlichen Ruhe nichts ist. Zurzeit schon mal gar nicht, da sich dem 20. Todestag der Prinzessin nähert, verblichen am 31. August 1997, aber quicklebendig in Presse, Funk und Fernsehen.

In stillem Gedenken. Blumen vor dem Kensington Palace, in dem sie lebte, nach wie vor Wohnsitz ihrer Söhne

In stillem Gedenken. Blumen vor dem Kensington Palace, in dem sie lebte, nach wie vor Wohnsitz ihrer Söhne

Ein Diana-Heft liegt in den Zeitungsläden neben dem nächsten, eine Sonderbeilage folgt auf die andere, und darin wird ihr irdisches Dasein auf die drei großen Ks reduziert – Kleider, Klunker, Kerle. Andrew Morton, ihr notorischer Biograf von damals, hat seine autorisierte Fassung um ein paar lächerliche Erinnerungen erweitert und unter dem alten Titel "Diana: Her True Story – In Her Own Words" unter großem Getöse recycelt. Und weil dieses "In Her Own Words", in ihren eigenen Worten, so authentisch klingt, lief jüngst unter ebendiesem Namen auch eine TV-Dokumentation mit im Königreich bislang unveröffentlichten Aufnahmen ihres Sprachtrainers, in der sie Bilanz ihrer unglücklichen zog.

Die in Wahrheit schon unglücklich begann, nämlich mit Charles, der die junge Di am Rande einer Feier kennenlernte und nach verblüffend kurzem Abtasten über sie herfiel, "he was all over me". Was sie als a) wenig royal und b) einigermaßen eklig empfand und ihre Gefühlslage mit einem vielsagenden "Arrghh" lautmalte. So ging das los mit den beiden. Zwölf Jahre lagen zwischen ihrem Ja zum Prinz in der St. Paul's Cathedral und dem "Arrghh" im Video.

"Times"-Kolumnistin Melanie Phillips beklagt eine "emotionale Inkontinenz"

Das Leben zwischendrin: eine einzige Seifenoper. Traumhochzeit mit 20 und ultralanger Schleppe, zwei goldige Söhne in der kurzen Glücksphase danach, ein zunehmend kühler Prinz mit zunehmend unglücklicher Prinzessin, die an Bulimie litt. Die beiden entfremden sich und gehen dann auch jeweils fremd. Er wohl von Anfang an mit seiner ewigen Camilla Parker Bowles, sie mit diesem und jenem. Zuletzt war sie nach der Scheidung mit dem Kaufhauserben Dodi Al Fayed liiert, an dessen Seite sie in den Tod fuhr, gerade 36 Jahre alt. Seither mystifiziert, verehrt, in Stein gemeißelt und sogar in Bronze gegossen als unglücklicherweise grotesk verunglücktes Monument im berühmten Harrods-Kaufhaus gleich neben der Männerschuh-Abteilung. Natürlich besungen als "Rose Englands" und "Kerze im Wind" von Sir Elton John, den sie in etwa so verehrte wie er sie.

Ach ja, es war einmal. Und ach, es ist jetzt wieder.

Die Zeitungen, auch die seriösen, fragen in ellenlangen Leitartikeln, was denn nun geblieben sei nach 20 Jahren Diana. Und kommen zu erstaunlich unterschiedlichen Befunden. Die an sich proroyale "Times" möchte, please, auf keinen Fall noch mal einen solchen Kult wie im Sommer 1997, "dieses Gefühl der öffentlichen Trauer, Menschen in U-Bahnen weinend über Zellophan-umwickelten Blumensträußen" . Das war ja neu in diesem Land, dessen Bewohner Gefühle bestenfalls auf dem Fußballplatz rausgrölten und sie ansonsten schön britisch verbargen. Bis ..., genau, bis. Die "Times"-Kolumnistin Melanie Phillips beklagt nunmehr eine "emotionale Inkontinenz", die ihre Landsleute nach Dianas Tod befallen habe. Wohingegen ausgerechnet der in Königsdingen unverdächtige "Guardian" diese Wärme als Prunkstück ihres Vermächtnisses zelebriert und sich zu der These versteigt, Diana habe den "British way of death" für immer verändert, das steife Königshaus aufgetaut, und sie markiere obendrein den Zeitenwechsel "zu einer offenen und progressiven britischen Gesellschaft". Nicht wahr, Diana kämpfte gegen Aids und Landminen, gewissermaßen auf Linie mit dem liberalen "Guardian". Bis auf den Brexit natürlich. Geschenkt.

Es war einmal ... Nach holprigem Start war erst noch alles gut zwischen Charles und Diana. Das änderte sich schnell

Es war einmal ... Nach holprigem Start war erst noch alles gut zwischen Charles und Diana. Das änderte sich schnell

Weil, wie man sieht, auf das wenig kohärente Urteil der Kollegen ausnahmsweise kein Verlass zu sein scheint, müssen wir uns selbst auf die Suche begeben nach dem, was von ihr bleibt, und beginnen aus Gründen der Bequemlichkeit in London, wo ein paar Ausstellungen zu ihren Ehren laufen. Stellen aber gleich zu Beginn fest, dass diese Suche etwas komplizierter ist, als ursprünglich gedacht. Gewiss, im Buckingham Palace haben sie während der Sommersaison eine Diana-Ecke hergerichtet, ihr alter Schreibtisch, darauf ein Bilderrahmen mit Fotos der Liebsten, ihre alten Ballettschuhe, ihr alter Koffer mit ihren alten Musikkassetten drin, Klassik und George Michael und, klar, Elton John. Dazu ein paar staatstragend freundliche Worte, fertig.

Und gewiss, ein Kinderspielplatz 200 Meter von ihrem einstigen Wohnort Kensington Palace ist nach ihr benannt und ebenso ein Brunnen im Hyde Park, der entfernt an eine Wasserrutsche erinnert, aber höchstens peripher an die Prinzessin. Im Kensington-Palast selbst hängen seit dem Frühjahr ihre Kleider, die berühmten, geschneidert von den Größten, die sich posthum verneigen vor der Princess, Stilikone einer Ära. "Jeder Designer", speichelt Valentino stellvertretend, "war inspiriert von ihr."

"Ist das eine Schauspielerin?"

Ums Eck, im selben Haus, wohnen die Söhne William und Harry und die Enkelkinder, und ums Eck – gegenüber der Palasteinfahrt – betreibt Abdul Daoud sein Café, das "Café Diana", ein Schrein aus Fotos und Zeitungsausschnitten. Daoud, 61 Jahre, stammt aus Bagdad, er kam vor 40 Jahren nach London, eröffnete das Café, nannte es 1989 "Diana", und irgendwann stand sie in der Tür, bestellte Cappuccino und Croissants und kam dann in regelmäßigen Abständen wieder, mal allein, mal mit den Söhnen.

Ihre Popularität ist ungebrochen. Ein Fan fotografiert sich vor Porträts im "Café Diana"

Ihre Popularität ist ungebrochen. Ein Fan fotografiert sich vor Porträts im "Café Diana"

Daoud ist ein doller Geschichtenerzähler. Einmal, sagt er, saß sie dort auf roten Plastiksitzen, und neben ihr aßen zwei Amerikaner, von denen einer sie bat, bitte mal Senf und Ketchup rüberzuschieben. Was sie tat und mit ihnen nett ins Plaudern geriet. Als sie ging, sagte einer der Gäste aus Übersee, das Gesicht käme ihm irgendwie bekannt vor, "Schauspielerin?", und Abdul sprach indigniert über so viel Unwissen, "No!, Diana, Princess Diana!", und dann fielen die vom Glauben ab, "no way". So sei sie gewesen, sagt Abdul Daoud, jetzt tränenfeucht.

Zuweilen schickte er auch Blumen rüber, und wenn sie anderntags in der Limousine rausfuhr zu den üblichen Terminen und ihn vor seinem Laden sah, ließ sie anhalten und bedankte sich: "Hey, Abdul, du sollst nicht immer Blumen schicken." Zu besonderen Anlässen – Hochzeit, Kinder, Todestag – rüscht er sein Café noch mehr auf mit Flaggen und Krönchen und Nippes. Dann sieht es dort fast aus wie in einem Diana-Museum, das es offiziell nicht gibt, inoffiziell aber sehr wohl, und zwar Luftlinie elf Kilometer entfernt nahe Wembley.

Dort lebt Diana mit Margaret Tyler, 73, in ihrem Königshaus.

Prinzessin Diana lächelt sie von gefühlt 3000 Bildern an

Margaret Tyler ist der größte Monarchen-Fan der Insel. Jede Zeitung und jeder Fernsehsender in Großbritannien hat schon über sie berichtet. Sie trägt eine Jacke aus kleinen Union Jacks, die erstaunlicherweise aber in Holland gefertigt wird. Sie war verheiratet und hat vier Kinder. "Als die Kinder auszogen, zogen die Royals ein", sagt sie. Man könnte auch sagen: Die Monarchen übernahmen ganz einfach ihr schmuckes Tudor-Residenzchen. 10.000 Memorabilien hat sie über die Jahrzehnte gesammelt. Tassen, Fotos, Magazine, Pappfiguren, Teller, noch mehr Tassen, Puppen, Masken, Bücher, DVDs, Messer, Gabeln, Löffel.

Monument und monumentale Verehrer: der Diana-Tempel auf dem Althorp Estate 

Monument und monumentale Verehrer: der Diana-Tempel auf dem Althorp Estate 

Ihr Königshaus ist auch ein Bed & Breakfast, die Zimmer heißen Windsor und Balmoral und Buckingham, und früher lagen Kondome in der Schublade mit dem themengerecht nur leicht abgewandelten britischen Mantra drauf – "Come in and carry on". Margarets Tag beginnt zwischen vier und fünf mit dem Studium der einschlägigen Blätter und endet am späten Abend mit dem Studium der einschlägigen Fernsehbilder. Sie ist ein Vollzeit-Fan, traf die Königin viermal, überreichte selbst gebackene Torte, und endlich, nur Wochen vor ihrem Tod, traf sie auch ihren Liebling: Diana. Die besuchte das Northwick-Kinderkrankenhaus in Harrow, wo auch Tyler als wohltätige Helferin diente, "sie trug ein wunderschönes rotes Kleid und herzte die kranken Kinder". Tyler kann sich bis heute darüber nicht einkriegen, dass eines der Mädchen, das auf Dianas Schoß saß, ausgerechnet Camila hieß. Als Margaret hernach ihre Tochter anrief, hyperventilierte sie am Telefon, die Tochter sorgte sich, bis die Mutter unfallfrei "Ich habe Diana getroffen" hervorbrachte. In dem Moment verstand die Tochter.

Ein Zimmer im Haus hat sie komplett Diana gewidmet, und sie sagt, es vergehe kein Tag, an dem sie nicht an sie denke. Nicht einer. Was daran liegen mag, dass Diana sie von gefühlt 3000 Bildern anlächelt. Es gibt gar kein Entkommen.

Neuerdings äußert sich der Earl wieder zur berühmten Schwester

Man muss an dieser Stelle kurz innehalten und warnen: Tylers Königshaus ist eher die Ausnahme während unserer Exkursion. Die Queen ist allgegenwärtig in Großbritannien, William, Kate und Harry auch, selbst Charles irgendwie. Diana nicht. Sie wohnt wohl tatsächlich in den Herzen. Man muss schon suchen nach ihr im täglichen Leben und findet sie natürlich in Althorp, wo sie begraben liegt auf der Insel. Sie verbrachte dort die Sommer ihrer Jugend und wollte nach dem Zerwürfnis mit Charles auch ein Refugium. Ihr Bruder, auch ein Charles, Earl Charles Spencer, verwehrte ihr das; die Briefwechsel der beiden sind legendär schroff und bitter. Neuerdings äußert sich der Earl wieder zur berühmten Schwester, für die er die Tauerrede hielt in Westminster Abbey und darin enthüllte, wie sehr sie sich im Stich gelassen fühlte von Familie König, und sodann die Medien beschimpfte, obwohl er selbst als Journalist arbeitete. Das Originalmanuskript der Rede liegt heute hinter Glas in Althorp, nebenan läuft eine Ausstellung mit legendären Diana-Fotos von Mario Testino, aber davon abgesehen ist es still um sie.

Abdul Daoud mit Poster vor seinem Café

Abdul Daoud mit Poster vor seinem Café

Leicht desillusioniert verlässt man diesen Ort, schaut noch einmal zurück auf Tümpel und Tempel und die Insel, aus deren Gruft sie mit Simone Simmons über haarige Männerrücken kommuniziert. Und begibt sich zum nächsten Etappenziel nach Bloxwich, Midlands, einem Städtchen, dessen Charme sich nicht auf den ersten Blick erschließt und leider auch nicht auf den zweiten und dritten. Genau dort, lasen wir mit Vorfreude, steht eine Art schwarze Madonna, die Diana sein soll. Den lokalen Parlamentsabgeordneten erinnerte sie wegen der, nun ja, dunklen Anmutung aber eher an Diana Ross und – nachdem ihr der Regen Mittelenglands auch noch ein grünes Mooskleidchen überstreifte – einen Bürger gar an die grüne Prinzessin Fiona aus dem Zeichentrickfilm "Shrek".

Diana mit ihrem letzten Geliebten, Dodi Al Fayed

Diana mit ihrem letzten Geliebten, Dodi Al Fayed

Der Bürgermeister von Bloxwich schmähte das Kunstwerk als "dämonisch", selbst die sonst gütige Königin Elisabeth wollte der Statue nicht ihren Segen geben, als ihr Schöpfer sie neben einer Bushaltestelle zu platzieren gedachte. Nach einigem Hin und Her fand Diana ihren finalen Stellplatz vor dem Beerdigungsinstitut von Andrew Walsh, der sie nach ihrem Ableben in bester Absicht aus Granit meißelte. Allein, ihm fehlte es unverkennbar an Talent, was wiederum erklärt, warum die Mitarbeiter des Bestatters auf den Besuch mäßig erfreut reagieren, "wir hatten so viel schlechte Presse" . Und nicht einmal den schüchtern vorgetragenen Hinweis gelten lassen wollen, eine grün-schwarze Diana sei besser als gar keine und außerdem prima Alleinstellungsmerkmal. Die Gäste werden zügig vom Hof expediert, wie Diana weiland nach der Scheidung.

"Da stand sie jung und schön"

Es ist nun definitiv Zeit für Trost und Erbauliches, und wer könnte besser Trost und Erbauliches beitragen als jener Mann, den Diana "The Rock", Fels, nannte. Sagt zumindest der Fels, der Paul Burrell heißt und viele Jahre lang Dianas Vertrauter war. Oder, in his own words, "der berühmteste Butler der Welt". Paul Burrell lebt in Farndon bei Chester, in der letzten Ortschaft vor der walisischen Grenze. Er betreibt dort einen Blumenladen, den er mit jenen 60.000 Pfund erstand, die ihm Diana hinterließ. Der Butler nennt sie immer noch Boss, und man kann mit Fug und Recht sagen, dass sie sein Leben noch beherrscht.

Ewige Liebe: ihr Butler und Vertrauter Paul Burrell in seinem Blumenladen, den er sich dank seiner Chefin kaufen konnte

Ewige Liebe: ihr Butler und Vertrauter Paul Burrell in seinem Blumenladen, den er sich dank seiner Chefin kaufen konnte

Burrell, Sohn eines Bergmanns, begann mit 18 Jahren im Buckingham Palace und stieg auf zum Diener Ihrer Majestät. Die erste Begegnung mit der jungen Diana in Schloss Balmoral, Schottland, irgendwann um 1980. Paul öffnete die Tür, "da stand sie jung und schön und mit tiefblauen Augen wie ein Bergsee", damals noch Lady Spencer, Charles' Künftige. Schon war es um Paul geschehen. Er erklärte dem jungen Ding das Protokoll, Lunch um zwölf, Tee um fünf, Dinner um viertel nach acht, "wir verstanden uns sofort". Sie verstanden sich so gut, dass ihn Diana später abwarb, aber kaum umgezogen nach Kensington, bemerkte der Butler, dass die Ehe mit Charles nur noch Scharade war. Charles fuhr abends zu seiner Camilla, sie blieb wütend zurück und fragte den Fels: "Wo ist er denn schon wieder?"

Diana mit Söhnen Harry und William

Diana mit Söhnen Harry und William

Nach einem dieser nächtlichen Trips ins außereheliche Schlafgemach, erzählt Paul, zitierte ihn Charles in sein Büro und sagte, er solle gefälligst in seinem Namen lügen, falls ihn die gehörnte Gattin frage, "ich bin, verdammt noch mal, dein künftiger König". Paul lehnte ab, worauf der künftige König vergrätzt ein Buch nach dem Butler schleuderte, der in diesem Moment endgültig realisierte, dass die beiden in diesem Leben keine Freunde mehr würden. Er widmete sich fortan ganz Diana – und wurde ihr Fels. Es war allerdings auch nicht immer nur Zuckerschlecken mit dem Boss. Ihr früherer Privatsekretär Patrick Jephson verglich Dianas Gefühlswallungen mit denen der Kelten-Königin Boudicca, die im Furor mal ganz London abfackelte. Und legte noch einen drauf – "Boudicca mit Migräne".

Nach dem Tod verlor Paul Burrell subito seinen Job und stand mit Frau und zwei Söhnen fast mittellos da

Derart despektierlich würde sich Burrell nie äußern. Er sagt loyal-royal, sie sei zuweilen etwas launisch gewesen und emotional. Vor allem aber einsam. Weshalb sie den Fels in den folgenden Jahren mit allerlei vertraulichen Botenfahrten zum Bahnhof beauftragte, von denen er regelmäßig mit Gepäck im Fond zurückkehrte. Eines der wertvollen Frachtstücke, von einer Decke verhüllt, hieß James Hewitt, Rittmeister und einer von diversen Geliebten. "Und das war das", sagt der Fels.

Wertvolle Erinnerung und wertvolle Fracht: Margaret Tylers Diana-Zimmer

Wertvolle Erinnerung und wertvolle Fracht: Margaret Tylers Diana-Zimmer

Man muss der Einordnung halber vielleicht noch ein paar Dinge erwähnen über diesen Paul Burrell. Nach dem Tod verlor er subito seinen Job und stand mit Frau und zwei Söhnen fast mittellos da. Dann wurde auch noch gegen ihn ermittelt. Es hieß, er habe Habseligkeiten Dianas gestohlen, Kostüme, Platten, Fotos, Videos. Es hieß auch, er sei auf Festen in London in Dianas Kleidern gesichtet worden. Hausdurchsuchung, Anklage, Prozess. Paul dementierte, Diana habe ihm die Dinge zur Aufbewahrung überlassen. Nutzte nichts. Er bat um eine Audienz bei seinem ersten Boss, der Königin, und die empfing den alten Angestellten auch, drei Stunden lang. Er erzählte seine Version der Geschichte, und Elizabeth machte kurzen Prozess mit dem Prozess. Eingestellt.

Nichts anderes als Liebe habe Prinzessin Diana auch immer gewollt

Später, hoch verschuldet, schrieb Paul zwei Bücher über sein Leben mit Diana, verriet nicht allzu viel, aber noch genug, um daraus Bestseller zu machen. Er trat auf im Fernsehen, Dschungelcamp und "Promi Big Brother", auch, das gibt er unumwunden zu, weil er das Geld brauchte, für Ehefrau Maria und die beiden Söhne, die heute in den USA leben. Wohingegen das Leben für ihn noch eine weitere Volte parat hielt, nämlich eine weitere große Liebe nach Maria und Diana. Dieser dritten großen Liebe begegnete er in einem Zug, sie war auf dem Weg zum Klo und hieß Graham, ein Rechtsanwalt. Heirat im vergangenen April. Der Fels sagt, der Boss wäre gewiss glücklich, könnte er, also Diana, ihn heute sehen, verliebt, verlobt, verheiratet. Nichts anderes als Liebe habe der Boss auch immer gewollt, und so fügt sich am Ende doch irgendwie alles. Oder wenigstens das meiste. Maria, 32 Jahre lang Gattin vom Fels, blieb der Hochzeit fern, sie hatte es nie leicht in dieser Geschichte um drei Ecken.

Rittmeister James Hewitt ließ sich regelmäßig in den Palast schmuggeln

Rittmeister James Hewitt ließ sich regelmäßig in den Palast schmuggeln

Es geht auf den Abend zu in Pauls Blumenladen und damit auch aufs Ende der Spurensuche. Man will jetzt aber noch wissen, was denn nun bleibt 20 Jahre nach Dianas Tod. Wenn der Fels das nicht weiß, wer dann? "Magie", sagt er, "Magie, die man nicht lernen kann. Die man hat oder nicht. Sie hatte dieses Etwas." Diese Magie sei unsterblich, und wir würden uns bestimmt in zehn Jahren wieder sprechen, zum 30. Todestag, und abermals über Dianas unkaputtbare Magie reden.

Und das lassen wir jetzt einfach mal so stehen.

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