HOME

DVD-Neuheiten: Action und Spannung fürs Heimkino

Wollen Sie mitverfolgen, wie aus "Mr. & Mrs. Smith" Herr und Frau Jolie-Pitt wurde? Oder Sie folgen den Brüdern Grimm in den von Hollywood inszenierten deutschen Märchenwald. Wählen Sie selbst aus neun DVD-Neuheiten.

Von Carsten Scheibe

Frank Millers Sin City

Frank Miller ist ein Ausnahmetalent unter den Comic-Kreativen. Sein schmutzig-brutales Werk "Sin City" hält sich an keine Regeln und vermixt die Möglichkeiten eines modernen Comics mit dem Touch eines alten Film-noir-Krimistücks, bei dem es am Ende nur Verlierer gibt. Robert Rodriguez hat das Epos kongenial auf die Leinwand gebracht.

Lange musste Robert Rodriguez betteln, um dem Comickünstler Frank Miller ein geflüstertes Okay abzuringen. Auf eigene Kosten verfilmte Rodriguez eine Geschichte aus dem Dark-Horse-Comic "Sin City", um dem als schwierig geltenden Comicautor so zu beweisen, dass er keinesfalls vorhat, seine Visionen von Hollywood verwässern zu lassen. Der Mann mit dem Cowboyhut hat Wort gehalten: "Sin City" ist eine 1:1 verfilmte Melange aus mehreren Comicgeschichten, die sogar auf ein Drehbuch verzichten konnte. Für den Film wurden die Szenen und Dialoge aus dem gedruckten Werk 1:1 übernommen.

Das Comic 1:1 verfilmt

Rodriguez ist zusammen mit Gastregisseur Quentin Tarantino sogar noch einen Schritt weitergegangen. Wie im Comic, so gibt es auch im Film nur harte Schwarzweiß-Bilder, in denen Farben alleine eingesetzt werden, um rote Lippen, tiefblaue Augen oder das pinkeldunkle Gelb des Gelben Bastards mit schockartiger Wucht zu visualisieren.

"Sin City" ist kein Film für die Massen. Er ist ultrabrutal, sehr hart in seinen Dialogen, aufgrund der ungewöhnlichen Optik gewöhnungsbedürftig und dann auch noch extrem schwarzhumorig. Ergo: Wer bereits den Comic liebt, muss auch den Film sehen - selten ist eine Verfilmung so gut gelungen. Wer keinen Spaß an Sex und Gewalt, Tod und herben Machosprüchen hat, sollte lieber einen weiten Bogen um den Film machen.

Sin City - Stadt des Verderbens

Sin City ist die Stadt des Verderbens. Hier tummeln sich die Harten, die Korrupten, die Gescheiterten und die Fighter mit dem gebrochenen Herzen. Im Verlauf des Films lernt der Zuschauer gleich mehrere Figuren aus dem Kosmos des Frank Miller kennen. Etwa den riesigen Schlägertyp Marv, der nur einmal in seinem Leben etwas Schönes erlebt und mit einer hingebungsvollen Frau ins Bett geht - die am nächsten Morgen ermordet neben ihm liegt. Für Marv ist es nun die wichtigste Sache der Welt, auch entgegen aller Widerstände den Mörder zu finden - und ihn zu richten. Mickey Rourke gibt als Marv das Comeback seines Lebens und eine so eindrucksvolle Vorstellung, dass einem der von oben bis unten mit grell leuchtenden Heftpflastern bedeckte Charakter noch lange im Gedächtnis kleben bleibt.

Spannend ist auch die Geschichte von Dwight (Clive Owen), der den psychopathischen Ex-Lover Jackie Boy (Benicio Del Toro) seiner Freundin loswerden muss - und erst nach dessen Tod feststellt, dass Jackie ein Cop ist. Schon kommt es zum Kampf der Huren gegen die Mafia, da beide Seiten fürchten, dass die Cops Sin City nun auf den Kopf stellen.

Weiter geht es mit dem Cop John Hartigan (Bruce Willis), der kurz vor seiner Pensionierung ein kleines Mädchen aus den Fängen eines Perversen rettet - und dafür in den Bau wandern muss.

Wenige Extras

Es ist erstaunlich, wie hochkarätig der Film besetzt ist - bis in die Nebenrollen. Jessica Alba, Alexis Bledel, Jason Douglas und Michael Clarke Duncan sind nur einige der Gesichter, die man sofort wieder erkennt.

Auf der DVD finden sich abgesehen von einem Making of und einem Blick hinter die Kulissen keine weiteren Extras. Eine erweiterte Fassung der DVD mit neuen Szenen und jeder Menge Extras ist aber ebenso in Vorbereitung wie "Sin City 2".

Fantastic Four - Premium Edition

Seit mehreren Jahrzehnten bringt der amerikanische Marvel-Verlag bereits die Comicabenteuer der "Fantastischen Vier" auf den Markt. Angesichts der erfolgreichen Comic-Verfilmungen der letzten Jahre wundert es nicht, dass nun auch dieser Comic ins Kino drängt.

Marvel hat einen echten Lauf. Nachdem die Superhelden aus dem New Yorker Verlagshaus in den letzten Jahrzehnten eigentlich nur am Kiosk und im Kinderfernsehen stattfanden, kommt inzwischen ein Superheld nach dem anderen zu echten Kino-Blockbuster-Ehren. "Spider-Man" und die "X-Men" sind sicherlich die Abräumer an der Kinokasse, die auch das meiste Kritikerlob eingeheimst haben. Aber auch der "Punisher", der "Hulk" und nicht zuletzt "Blade" liefen sehr gut an der Kinokasse und lockten ein neugieriges Publikum in die Lichtspielhäuser.

Klar, dass da auch die "Fantastischen Vier" folgen mussten, schließlich gehört das Superheldenteam zu den dienstältesten Gründungsmitgliedern des Marvel-Kosmos.

Popcorn-Kino erster Güte

Der von Bernd Eichinger produzierte Popcorn-Film zeigt, wie der Wissenschaftler Reed Richards (Ioan Gruffudd) seinen ehemaligen Schulkameraden, den inzwischen schwerreichen Industriemagnaten Victor Van Doom (Julian McMahon) davon überzeugt, eine Expedition ins Weltall zu starten. Hier gerät das ganze Team in einen Sturm aus kosmischer Strahlung. Zurück auf der Erde bemerken alle merkwürdige Veränderungen an sich. Reed kann seinen Körper auf einmal wie Gummi dehnen. Seine Exgeliebte Susan Storm (lecker anzusehen: Jessica Alba) kann sich unsichtbar machen. Susans ungestümer Bruder Johnny (Chris Evans) saust als Flammenbündel durch die Gegend. Übel dran ist Reeds Kumpel Ben Grimm (Michael Chiklis), der sich in das kräftige, aber unansehnliche Ding verwandelt.

Der Film hält sich nicht lange mit Psychoproblemen, Liebesschmalz und theatralischen Gesten auf. Ohne großes Gewese schließen sich die vier zu den "Fantastischen Vier" zusammen, um gemeinsam gegen Van Doom zu kämpfen, der ebenfalls ganz besondere Kräfte entwickelt, den es im All aber anscheinend das Hirn zerkocht hat.

"Fantastic Four" ist ein wunderbarer Popcornfilm ohne Tiefgang, der leichtfüßig durch die Handlung tippelt und zwischendurch tolle Spezialeffekte und ein paar gelungene Gags präsentiert. Auf dieses Niveau muss sich der Zuschauer auch dringend herab begeben, wenn er Spaß an dem Film haben möchte. Es ist eben irre, Johnny Storm als menschliche Fackel durch die Luft fliegen zu sehen. Oder zu beobachten, wie Reed zum Gummimann wird.

Wuchtiger Sound

Am Ende ist der Zuschauer jedenfalls erstaunt, wie gut und vor allen Dingen un-brutal er unterhalten wurde. Abgesehen von zwei, drei kurzen Szenen könnte man den Film auch Kindern unter 12 Jahren zeigen.

Die Premium-Edition bietet auf zwei DVDs nicht nur den Film (mit wuchtigem DTS-Sound!), sondern auch noch zahlreiche Extras an. Dazu zählen ein 97-minütiges Making-of, eine 22-minütige Fantastic Tour, 20 Minuten mit gelöschten Szenen, ein Blick hinter die Kulissen und zwei Musikvideos mit Velvet Revolver und Anastacia.

Das Comeback

Nach "A Beautiful Mind" holt Starregisseur Ron Howard den australischen Schauspieler Russell Crowe erneut für ein großes Drama vor die Kamera. In "Das Comeback" erzählen die beiden die wahre Geschichte des Boxers Jim Braddock - und sorgen dabei für ganz großes Kino.

Jim Braddock war einmal ein großer, erfolgreicher Boxer. Doch das ist Vergangenheit. Zu viele Verletzungen, keine Zeit zum Heilen: Mit gebrochener Hand bestreitet Braddock seinen letzten Kampf, wird vom Publikum ausgebuht und verliert sogar seine Boxlizenz.

Für Braddock (Russell Crowe) ist das eine Katastrophe. Seine Frau (Renée Zellweger) lässt bereits seit Wochen in allen Läden anschreiben. Die drei Kinder bekommen kaum noch etwas zu essen. Braddock nimmt harte Knochenjobs auf den Docks an, um seine Familie durchzubringen.

Ron Howard nimmt sich viel Zeit, um das harte, hoffnungslose Leben in den Arbeitervierteln von New York während der Großen Depression in den Dreißigern zu erzählen. Kaum jemand hat Arbeit, das Geld reicht vorne und hinten nicht.

Starker Hauptdarsteller

Russell Crowe gibt den Boxer mit großer Tiefe, sodass seine Rechtschaffenheit, sein Mut, seine Kraft und seine Liebe zur Familie klar zur Geltung kommen. Renée Zellweger mimt mit Mut auch zur Hässlichkeit die verzweifelte Ehefrau, die Angst davor hat, schon bald nicht mehr genug Essen für die Familie zu haben. In diesen Momenten, wo es um die Familie und die Große Depression geht, ist "Das Comeback" ganz großes Kino und dank der atmosphärischen Dichte meilenweit von den seelenlosen und inhaltsarmen Hollywood-Blockbustern der Neuzeit entfernt. Da tut es gut, einmal wieder etwas schwerere Kost mit Tiefgang vorgesetzt zu bekommen.

Ganz großes Kino

Aber "Das Comeback" ist natürlich auch ein großartiger Boxerfilm. Braddocks loyaler Manager Joe Gould (Paul Giamatti) gibt seinen Boxer nie auf und besorgt ihm schließlich einen Kampf, als ein anderer Boxer nicht antreten kann. Das ist der Start für ein furioses Comeback, an dessen Ende für den "Cinderella Man", wie Braddock nun von der Presse genannt wird, der Weltmeisterschaftskampf gegen den Schwergewichts-Champion Max Baer (Craig Bierko) steht.

Die einzelnen Kämpfe sind grandios inszeniert und bieten große Gefühle ebenso wie starke boxerische Leistungen. Natürlich wird der Zuschauer hier an Filme wie "Rocky" oder "Knockout" erinnert. Ron Howard gelingt es aber, die Kämpfe so authentisch zu inszenieren, dass der Eindruck entsteht, man wäre selbst am Ring mit dabei.

Gelungen ist bei "Das Comeback" übrigens auch, dass der Film trotz aller dramatischer Szenen, der allgegenwärtigen Armut und der über weite Strecken des Films herrschenden Hoffnungslosigkeit niemals sentimental oder gar kitschig wird.

Kaum Extras

Viele Extras gibt es auf der DVD nicht. So gibt es zusätzliche Szenen mit einem Audiokommentar von Ron Howard und einen Rückblick der Filmemacher auf den tatsächlichen historischen Kampf zwischen Jim Braddock und Max Baer.

Mr. & Mrs. Smith

"Mr. & Mrs. Smith" ist ein überaus vergnüglicher Rosenkrieg-Agenten-Film mit Brad Pitt und Angelina Jolie in den Hauptrollen. Im Blockbuster feiern die beiden eine humorige Zerstörungsorgie, bei der kein Auge trocken bleibt.

Auch wenn man sich das nun wirklich nicht vorstellen kann: Brad Pitt und Angelina Jolie haben Sexprobleme. Aus diesem Grund besuchen sie in "Mr. & Mrs. Smith" einen Therapeuten. Die öde Langeweile in der Ehe dieses doch eigentlich perfekten Paares ist allerdings hausgemacht. Beide geben vor, ganz normale Bürger zu sein, arbeiten aber insgeheim als Killer für verschiedene Organisationen. Verlassen sie morgens frisch geduscht das Haus, dann streifen sie sofort die biedere Hülle ab. Mit einem perfekten Plan in der Tasche bringt dann Mrs. Smith ihre Opfer zur Strecke, während es Mr. Smith lieber spontan und ein wenig waghalsiger mag.

Den Therapeuten können sich die beiden glatt sparen. Denn der ganze Bluff fliegt auf, als beide zur gleichen Zeit auf den gleichen Mann angesetzt werden - und sich gegenseitig ins Gehege kommen. Der klare Auftrag ihrer Organisationen: Den anderen binnen 24 Stunden umzubringen.

Rosenkrieg der besonderen Art

Klarer Fall: "Mr. & Mrs. Smith" ist ein Hollywood-Blockbuster ohne Tiefgang, der aber sehr leichtfüßig, erotisch und mit sehr viel Humor einen Rosenkrieg der ganz besonderen Sorte inszeniert. Es macht einfach einen unglaublichen Spaß, diesem ganz besonderen Paar dabei zuzusehen, wie es ihr eigenes Haus in Schutt und Asche legt und die überall heimlich angelegten Waffendepots plündert, um sich möglichst martialisch um die Ecke zu bringen.

Natürlich bringt der Ehekrieg schon bald wieder frischen Schwung in die angemuffte Beziehung. So dürfte "Mr. & Mrs. Smith" sicherlich der einzige Film sein, bei dem sich Hollywoods Traumpärchen einmal beim angedeuteten Sex beobachten lässt - die beiden sind ja inzwischen auch privat ein Pärchen.

Erfrischender Sommerspaß

Im Film vertragen sich die beiden nach ihrer gemeinsam begangenen Zerstörungsorgie im Rausch der neu belebten Libido wieder und kämpfen dann Seite an Seite gegen eine Schar übler Killer, die ihnen von beiden Organisationen auf den Hals gehetzt werden.

Keine Frage: "Mr. & Mrs. Smith" ist ein Actionfilm, der grandiose Kampfszenen bietet und Brad Pitt und Angelina Jolie perfekt in Szene setzt. Beide dürfen hier zwar keine große Schauspielkunst zeigen - das war aber auch nicht angedacht. Der Film ist ein erfrischender Sommerspaß, der sich nie selbst zu ernst nimmt und so bestens zu unterhalten weiß.

Scharfe Bilder, satter Sound

Im Heimkino wirkt der Film besonders gut, weil das besonders klare Bild eine Angelina Jolie im Lack-Outfit extrem gut zur Geltung gibt. Und der satte DTS-Sound sorgt dafür, dass die zahllosen Explosionen die Wohnzimmer-Couch glatt zum Wackeln bringen. Regisseur Doug Liman ("Die Bourne Identität") braucht knapp zwei Stunden, um seine Geschichte zu erzählen. Das ist ganz schön lange für einen Actionfilm. Da der Film aber keine Längen hat und nonstop von einer starken Szene zur nächsten wechselt, ist das nur ein Geschenk an den Zuschauer. Der glaubt am Schluss ganz bestimmt, eine ganze Palette Red Bull auf Ex geschluckt zu haben, so aufgekratzt, wie er sich fühlt.

Die Insel

Michael Bay gilt als einer der ganz Großen unter den Action-Regisseuren. Zahlreiche seiner Filme haben den Studios Millionen in die Kassen gespült. Zu seinen berühmtesten Werken gehört "The Rock". "Die Insel" wurde mit großem Budget als Science-Fiction-Epos inszeniert, das den Erwartungen an der Kinokasse aber leider nicht gerecht wurde. Sei es drum: Fürs Heimkino ist das Actionwerk genau der richtige Streifen.

Die Handlung klingt seltsam bekannt und wurde aus bestimmt über einem Dutzend SciFi-Klassiker zusammengeklaut. Lincoln Six-Echo (Ewan McGregor) und Jordan Two-Delta (Scarlett Johansson) leben Mitte des 21. Jahrhunderts in einer abgeschotteten Wohneinheit, in der es ihnen an nichts mangelt. Der Luxus der behüteten Existenz wirkt auf den Zuschauer zwar befremdlich, scheint die Bewohner aber nicht zu stören. Sie sind nur süchtig nach der Lotterie, die einzelne Menschen zur Überfahrt auf die "Insel" auswählt - einem Paradies in der Südsee. Der Zuschauer weiß es längst. Die Insel gibt es nicht und die ganze Institution ist nur dafür da, um Klone für die "wahren" Menschen zu züchten. Klone, die Ersatzorgane bereitstellen, falls es ihrem Original einmal nicht mehr gut geht. Lincoln Six-Echo und Jordan Two-Delta kommen hinter das Geheimnis - und brechen aus.

Solider SciFi-Thriller

"Die Insel" ist spannendes Kino. Die Millionen, die für den Film aufgewendet wurden, sind gut sichtbar für die futuristischen Kulissen aufgewendet worden. Viel Action, ein starker Sound und ein passendes Ende machen "Die Insel" zu einem soliden SciFi-Thriller. Gelungen ist, dass auch die Nebenrollen mit Sean Bean, Steve Buscemi und Michael Clarke Duncan bestens besetzt sind.

Ein umfangreiches Making-of stellt die Extras, die auf der DVD zu finden sind.

Brothers Grimm

Ja, was ist denn das? Wilhelm "Will" und Jakob "Jake" Grimm ziehen als Möchtegern-Exorzisten durch das von den Franzosen besetzte Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts. Mit viel Hüttenzauber, technischem Schnickschnack und ein bisschen Psychologie reden die Gebrüder so manchem Dorf einen üblen Geist ein, der dann effektvoll und vor Zeugen beseitigt wird - natürlich gegen klingende Münze.

Diese recht gewöhnungsbedürftige Neuinterpretation der Gebrüder-Grimm-Biografie stammt von Terry Gilliam, der Matt Damon und Heath Ledger rekrutiert hat, um in die Rollen der berühmten Dichter zu schlüpfen.

Im mit großem Aufwand inszenierten Hollywood-Film bekommen es die beiden Scharlatane schon bald mit der bösen Spiegelkönigin (Monica Bellucci) zu tun, die in einem verfluchten Dorf nach und nach alle Mädchen in den dunklen Wald entführt. Von den Franzosen gezwungen, machen sich die Grimms an ihre Arbeit und spüren der Hexe nach - freilich ohne zu wissen, was sie da eigentlich tun.

Weder gruselig noch witzig

Terry Gilliam zitiert fleißig aus den Grimmschen Märchen und bringt Rotkäppchen, Hänsel und Gretel sowie viele andere bekannte Gestalten zum Einsatz. Wirklich gut ist das Ergebnis allerdings nicht, da die Effekte billig wirken, alle Schauspieler völlig übertrieben agieren und die Märchenzitate reichlich fehl am Platze sind. Kurzum: Bei der Geschichte passt nichts so richtig zusammen, sodass der Zuschauer nie richtig Einlass in das moderne Märchen findet. Die "Brothers Grimm" sind weder gruselig noch witzig, sodass der Streifen weder als Horrorfilm noch zum Amüsement taugt.

Sound bringt Besitzer eines 7-Boxen-Systems zum Frohlocken

Immerhin lässt sich die DVD gut im Heimkino einsetzen, um Krach zu schlagen. Ein satter Sound in Dolby Digital EX und DTS ES bringt Besitzer eines 7-Boxen-Systems zum Grinsen, wenn in den Actionszenen der ganze Fußboden zu vibrieren beginnt. Da wundert es auch nicht, dass neben den Tonspuren nur noch zwei Trailer Platz auf der Scheibe gefunden haben.

Elizabethtown

Drehbuchautor und Regisseur Cameron Crowe hat für "Almost Famous" einen Oscar bekommen und zugleich gezeigt, wie man gefühlvolles Kino abseits des Üblichen inszeniert. In "Elizabethtown" fängt Crowe noch einmal seine ganz besondere Magie ein.

Drew Baylor (Orlando Bloom) hat seit Jahren seine Familie vernachlässigt, um für eine große Sportfirma den ultimativen Schuh zu designen. Der Superschuh wird zu einem Superflop - und der geschasste Baylor will sich ins Messer stürzen. Den Selbstmord weiß ein Anruf zu verhindern: Sein Vater ist gestorben. Die hysterische Schwester und die hyperventilierende Mutter fordern von Drew, sich um die Organisation der Beerdigung zu kümmern. Auf dem Weg nach Elizabethtown in Kentucky lernt Drew die lebensfrohe, leicht merkwürdige und unglaublich schöne Claire (Kirsten Dunst) kennen - eine Seelenverwandte?

Perfekter Pärchenfilm

Der Film nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise raus aus dem Großstadtstress und hinaus aufs flache Land, wo die Menschen noch miteinander reden, echte Beziehungen haben und wo alles möglich scheint. "Elizabethtown" erzählt auf sehr romantische, ungewöhnliche und auch überraschende Weise, wie die fröhliche Claire den verzweifelten Drew wieder ins Leben zurückholt und ihm die wahren Werte zeigt. Dabei gibt es keine Klischees, viele überraschenden Wendungen und am Ende sogar einen mit einem sagenhaften Soundtrack unterlegten Roadtrip kreuz und quer durch Kentucky.

Keine Frage: Cameron Crowe ist ein begnadeter Erzähler mit Visionen, die er gerne mit dem Zuschauer teilt. Kirsten Dunst und Orlando Bloom passen perfekt zu ihren Rollen und machen den Zuschauer sehr neugierig darauf, wie diese Geschichte wohl ausgehen mag. Ein perfekter Pärchenfilm für die, die sich mehr erwarten aus nur ein Happyend. Zu den DVD-Extras gehören eine Vorstellung der Crew, erweiterte Szenen, eine Fotogalerie und Trailer.

Die Bluthochzeit

Zu einem echten Überraschungserfolg ist dank Mundpropaganda diese Verfilmung eines belgischen Comics geworden. Armin Rohde spielt hier den exzentrischen Unternehmer Hermann Walzer, der die Vermählung seines Sohnes Mark plant - im ganz großen Stil. Ein richtig tolles Essen soll es geben und zwar auf dem Landgasthof des Nobelkochs Franz Berger (Uwe Ochsenknecht). Walzers großkotzige und herrische Art verleidet allen aber schon bald die Feier. Zum Eklat kommt es, als dem Familienoberhaupt die Vorspeise nicht schmeckt und er seinen ganzen Klan sofort zur Abreise zwingt.

Das lässt der Koch nicht zu, der den bereits verplanten Umsatz dringend braucht. Er nimmt einfach die Braut samt Schwiegermutter zur Geisel und fordert: Frauen gegen Geld. Das kann Walzer natürlich nicht hinnehmen. Als passionierter Jäger greift er sofort zur Waffe - und es kommt zum blutigen Duell der Sturköpfe.

Echte Charakterköpfe

Regisseur Dominique Deruddere aus Belgien kann mit Uwe Ochsenknecht und Armin Rohde auf zwei echte Charakterköpfe zählen, die ihre Rollen herrlich überzogen, trotzig und herrisch spielen. Es ist ein Vergnügen, bei dieser Eskalation der Gewalt zuzuschauen, bei der kein Stein auf dem anderen bleibt und wo es bei den Nebenrollen immer wieder zu neuen Verletzten kommt - also zu unerwarteten Kollateralschäden.

"Die Bluthochzeit" ist in der Tat blutig und brutal. Der schwarze Humor überwiegt allerdings und treibt dem Zuschauer oft genug das Grinsen ins Gesicht. Entspannt und etwas ungläubig schaut man dabei zu, wie die Spirale der Gewalt immer mehr anzieht - bis zum furiosen Finale.

Viele DVD-Extras

Constantin Film inszeniert den Kinofilm mit einem satten DTS-Sound und vielen DVD-Extras. Dazu gehört neben einem Making-of (20 Minuten), Interviews und Darstellerinfos auch eine Bildergalerie aus dem Comic.

Ein Duke kommt selten allein

Von 1979 bis 85 lief auf dem amerikanischen Sender CBS die Fernsehserie "Ein Duke kommt selten allein". 20 Jahre nach dem Ende des roten Stock-Car-Autos "General Lee" im Fernsehen ersteht das beliebte Vehikel mit der Südstaatenflagge auf dem Dach im Heimkino des neuen Jahrtausends zu einem zweiten Leben. Johnny Knoxville und Seann William Scott spielen die beiden Cousins Bo und Luke Duke so passend, dass man das Original sofort vergisst. Das ist sicherlich das größte Kompliment, das man dem Kinofilm machen kann.

Der Film hält sich nicht lange mit einer tief schürfenden Story auf, sondern feiert eine wilde Party, auf der es um grandiose Autofahrten über kaum befahrbare Waldwege, um schwarz gebrannten Schnaps, um nackte Mädels und um jede Menge Zoff mit der örtlichen Polizei und dem Big Boss von ganz Hazzard (schön schmierig: Burt Reynolds) geht. Zu den beiden Dukes gehören auch noch ihr resoluter Onkel Jesse (wunderbar schräg: Country-Legende Willie Nelson) und ihre Kusine Daisy Duke (megasexy: Jessica Simpson), die immer dann den in superkurzen Hotpants steckenden Hintern schwingen muss, wenn ihre beiden Jungs mal wieder in Schwierigkeiten stecken.

Schräge Sprüche und heiße Mädels

Im Kinofilm müssen sich die Dukes dann doch noch kurz zusammenreißen, um ihr geliebtes Hazzard vor den Kohlebaggern zu retten, die schon die Schaufeln wetzen, um alle Farmen abzureißen.

"Ein Duke kommt selten allein" ist ein irrer anarchistischer Spaß, der bestens besetzt ist und bei allen Kinofreunden gut ankommt, die auf schräge Sprüche, jede Menge Prügeleien und nackte Mädels stehen.

Jede Menge Extras zeichnen den Film aus. Das heißeste Extra ist ganz bestimmt Jessica Simpsons Musikvideo zu "These boots are made for walking", das den Puls des Zuschauers dramatisch nach oben treibt.

Weitere Themen

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo