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Günther Kaufmann: "Arschlöcher gibt es überall"

Ein schwarzer Junge in Berlin verliebt sich in ein Mädchen namens Eva Braune. Und der Name ist Programm. "Leroy" ist eine gelungene Komödie über Nazischläger und Rassismus. Wie das zusammengeht, erklärt Schauspieler Günther Kaufmann im stern.de-Interview.

Leroy ist so cool wie "Shaft". Im berühmten Ledermantel läuft er zum funky Beat der Großstadt am Kottbusser Tor entlang. Er ist stark und unberührbar, so wie sein Held. Aber eben nur so lange, wie der Beat läuft. Denn Leroy hat auch die gleiche Hautfarbe wie sein Held, und die ist selbst im Berlin des 21. Jahrhundert für manche Leute ein Problem. Was allerdings kein Grund zum Drama ist. Ganz im Gegenteil: Der Filmemacher Armin Völckers hat daraus eine großartige Komödie gemacht.

"Leroy" heißt das Werk, erscheint am 28. März auf DVD, und erzählt davon, wie der Junge sich ausgerechnet in Eva Braune verknallt, Tochter eines Republikaner-Politikers, und mit vier Brüdern versehen, die am liebsten "Ausländer klatschen", Pittbulls kraulen und sich die Köpfe rasieren. Völckers ist es gelungen, den Schwachsinn der Fremdenfeindlichkeit auf den Punkt zu bringen.

Schauspieler Günther Kaufmann gibt Leroys Vater. Der 60-jährige Bayer ist Sohn eines GI-Soldaten und kennt sich bestens aus mit dem täglichen Rassismus, der in den Menschen mehr oder weniger schlummert. Gerade deshalb ist er von "Leroy" so begeistert.

Was haben Sie gedacht, als Sie das Drehbuch zu "Leroy" das erste Mal gelesen haben?

Ich habe Tränen gelacht. Armin Völckers [Buch und Regie] ist doch ein Mann mit Humor! Ich habe gleich gesagt: Das Geld ist egal, dieser Film muss gemacht werden, schon wegen des sozialen Anspruchs. Minderheiten werden in Komödienform vertreten. Die Neonazis werden ihrer eigenen Lächerlichkeit überführt. Ich glaube, das wird ein Kultding. Wenn der erst einmal ins Fernsehen kommt, wird der die nächsten 20 Jahre immer irgendwo laufen.

Kann man über Rassisten lachen?

In diesem Fall ja. Über Rassismus kann man nicht lachen. Rassismus ist nicht auszumerzen. Völckers' Weg ist der richtige, damit junge Leute verstehen, wie lächerlich es ist, jemanden abzulehnen, weil er anders aussieht. Sag mal, lang' dir mal ans Hirn, was soll der Blödsinn?! Die jüngere Generation soll verstehen, dass es Unsinn ist, da nützt der erhobene Zeigefinger nichts, die Anklage. Das ist niemandem zugänglich, weil man in den Medien eh die ganze Zeit von diesen schrecklichen Dingen hört und liest. Aber wenn sie die Lächerlichkeit erkennen... Es ist Schmarrn, einen Menschen wegen seines Aussehens schlecht zu behandeln. Arschlöcher gibt es überall, ob blond oder schwarz. Man muss Menschen eine Chance geben zu zeigen, wer sie sind.

Wie schätzen Sie den aktuellen Rassismus in Deutschland ein? Bleibt der konstant, ändert sich da was?

Das ist schwer zu sagen. Als ich Kind war, gab es Vorfälle, die ich nicht vergessen habe. Mit zwölf war ich im Schwimmbad, und die Leute sind aus dem Wasser gegangen und meinten "Jetzt wird's dreckig". So eine Verletzung vergisst man nicht. Meine Mutter hat keine Wohnung bekommen, weil ich da war. Sie hat sich die Hacken abgerannt - nichts. Das gibt es heute wohl nicht mehr so. Aber der Rassismus ist latent, obwohl sich eine Gesellschaft wie die deutsche das heute nicht mehr erlauben kann.

Wann haben Sie das erste Mal bewusst wahrgenommen, allein wegen ihrer Hautfarbe ausgegrenzt zu werden?

Mit zehn habe ich mit Freunden im Hof gesessen, da kam ein Junge rein, schrieb mit Kreide "Der Neger" an die Wand und haute ab, bevor er verprügelt werden konnte. Ich war außer mir, und meine Freunde wollten mich trösten. Ich habe diese Ungerechtigkeit nicht verstanden. Warum ich? Ich bin genauso wie die anderen. Warum diese Ungerechtigkeit? Rassismus tut weh. So einfach ist das.

Kann ein Film denn daran etwas ändern?

Er kann nicht die Welt verändern, aber einen Teil der Gesellschaft. Du kannst damit die Jugendlichen erreichen.

Ist das Schauspiel eine Flucht? Jemand anderes sein...

Nein, das hat sich bei mir ja ergeben. Wenn Fassbinder nicht gesagt hätte, dass ich ein guter Schauspieler sein würde, ich hätte es ja nicht gemacht. Aber es ist natürlich ein Weg, wenn man den erfolgreich beschreitet, dann hat man vieles leichter. Wegen seines Status'. Aber gerade dann darf man nicht vergessen, was mal war. Deshalb dieser Film.

Fehlt dem deutschen Kino eigentlich ein Fassbinder?

Eigentlich nicht. Der Geschmack hat sich ja auch verändert. Etwas Vergleichbares gibt es bisher nicht. Aber Fatih Akin ist auf dem Weg.

Interview: Sophie Albers

"Leroy", ab dem 28. März auf DVD

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