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ELIZABETH TAYLOR: »Die schönste Frau der Welt«

Sie war »Cleopatra« und »Die Katze auf dem heißen Blechdach«. Sie hatte acht Ehen und noch heute füllt sie die Klatschspalten. Jetzt wird Elizabeth Taylor 70 Jahre alt.

Mit ihren fliederfarbenen Augen galt sie lange als schönste Frau der Welt. Das Spektrum ihrer Rollen reicht von Cleopatra bis zur Schwiegermutter Fred Feuersteins. Schon als junges Mädchen war sie eine wirkliche Diva, und wo immer sie auftaucht, zieht Elizabeth Taylor, die heute ihren 70. Geburtstag feiert, auch heute noch alle in ihren Bann. Wie kein zweiter Hollywood-Star erregte die mütterliche Freundin von Michael Jackson mit ihrem skandalträchtigen und in aller Öffentlichkeit in Szene gesetzten Privatleben Aufmerksamkeit. Dazu gehörten acht Ehen, Suchtexzesse, diverse Krankenhausaufenthalte und Millionen von Dollar teure Parfüm-, Schmuck und Mode-Kollektionen.

Drei Oscars

Taylors Leistungen als Schauspielerin wurden mit drei Oscars und diversen internationalen Preisen gewürdigt. Aus der Klatschpresse verschwand die Frau, die als Kind von der Mutter auf Star getrimmt worden war und selbst für Hollywood-Verhältnisse extrem süchtig nach Publicity ist, auch im gesetzteren Alter nicht. Doch nicht nur das Publikum, sondern auch die Fachwelt weiß die Schauspielerin immer wieder zu überraschen.

»Ein wenig durchdrehen«

Zwei Tage vor ihrem 70. Geburtstag erschien sie mit dem »King of Pop« an der Seite und einer rotblonden Perücke auf dem Kopf bei einer Dinner-Party in Hollywood und verkündete, dass sie für die von Jackson mit fast 20 Millionen Dollar finanzierte Produktionsfirma Worldwide Entertainment als Regisseurin tätig werden möchte: »Ich kenne dieses Geschäft, seit ich neun Jahre bin, und nun will ich mal zusammenraffen, was ich von Regisseuren gelernt habe und es ein wenig durchdrehen.«

Vom Traum der Großmütter zum Vamp

Am Anfang, als Kinderstar eines »Lassie«-Films, war Elizabeth Taylor mit ihren treuherzigen Blicken noch der Enkel-Traum aller amerikanischen Großeltern. Zur heiß begehrten Superfrau und zum Schwiegermutter-Schreck reifte sie rasch. Ein Reitunfall bei Dreharbeiten für den sentimentalen Pferdefilm »National Velvet«, bei dem sich Taylor die Wirbelsäule arg verletzte und auf den später ihre Anfälligkeit für Krankheiten zurückgeführt wurde, beendete die Unbeschwertheit ihres Teeny-Daseins.

Ihren ersten großartigen Erfolg hatte die dunkelhaarige, früh gereifte Schönheit mit dem Film »Giant«, der sie als die letzte große Partnerin von James Dean unvergesslich machte. Von da an lag ihr Hollywood zu Füßen, und die in London geborene Taylor konnte sich ihre Rollen aussuchen. Zur »schönsten Frau der Welt« wurde sie mit 15 Jahren von der Klatschkolumnistin Hedda Hopper gekürt. Das Attribut gab ihr später viele andere auch.

Richard Burton - der wichtigste Mann in ihrem Leben

Nur der walisische Bergmannssohn und Superstar Richard Burton, der eindrucksvollste unter ihren Ehemännern, der sie obendrein gleich zwei Mal heiratete und sich zwei Mal von ihr scheiden ließ, konnte es später wagen, sie eine »fette Wachtel« zu nennen. An der liebe er allerdings »jedes einzelne Pfund«. Da hatten sich die Spuren endloser Zechgelage schon tief in Taylors schönes Gesicht gegraben, die dann Millionen für Entziehungskuren ausgab.

»Der Vater der Braut«

Doch das Publikum verzieh ihr stets. Einer Filmgöttin, die den Menschen so viele bewegende Kinoerlebnisse beschert hatte, konnte und wollte man einfach nicht böse sein. Und hat sie nicht viele wirklich alle begeistert? Als Filmtochter Spencer Tracys etwa in »Der Vater der Braut« - 1950. Mütter und Väter wünschten sich so eine Tochter, kleine und große Mädchen wollten sein wie sie, Männer jeden Alters hätten gern so eine Braut gehabt.

Große Erfolge mit Williams-Stücken

In der Verfilmung von Tennessee Williams Stück »Die Katze auf dem heißen Blechdach« spielte sie die Frau, die ebenso wie ihr von Paul Newman gegebener Ehemann am Triebstau fast zu Grunde geht, unvergesslicher als alle Nachfolgerinnen in Remakes oder auf den Bühnen der Welt. Mit »Plötzlich im letzten Sommer«, ebenfalls nach Williams, näherte sie sich dem Höhepunkt ihrer Hollywood-Karriere. Den ersten Oscar bekam sie 1960 für ihre Rolle als meist tränenüberströmte Edelnutte in »Telefon Butterfield 8«.

Nach krankheitsbedingten Unterbrechungen wurde 1963 »Cleopatra« ein Welterfolg und Taylor die erste Schauspielerin, die eine Gage von einer Million Dollar erhielt. Der zweite Oscar folgte 1967 für das Psychodrama »Wer hat Angst vor Virginia Woolf«, den dritten erhielt sie später für ihr Lebenswerk. Da lag die Hollywood-Karriere schon Jahrzehnte hinter ihr. Seit Ende der 60er Jahre war ihr kein nennenswerter Kinoerfolg mehr vergönnt.

Acht Ehemänner

Umso mehr wurde sie zum Dauerthema in den Klatschspalten, die natürlich zum 70. auch wieder das bewegte Eheleben Taylors hervorkramten. Ihr erster Mann war der Hotelerbe Nick Hilton. Das Klischee »schön, reich, berühmt - aber unglücklich« trug sie nach der der baldigen Scheidung wie ein auf den Leib geschneidertes Abendkleid. In der zweiten Ehe mit dem Schauspieler Michael Wilding präsentierte sie sich als »glückliche Mutter«: Zwei Söhne wurden geboren, aus späteren Ehen folgten noch eine Tochter und mehrere Adoptivkinder.

Der »ernsten Phase« folgte der Bauarbeiter

Eine vergleichsweise »ernste Phase« war die Ehe mit dem Hollywood- Produzenten Mike Todd, der für sie anspruchsvolle Rollen sicherte. Er kam 1958 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Ihre wohl peinlichste Ehe ging sie 1991 mit dem 20 Jahre jüngeren früheren Bauarbeiter Larry Fortensky ein, den sie in einer Suchtklinik kennen gelernt hatte. Mit 1,5 Millionen Dollar Abfindung wurde er vier Jahre später zum Schweigen verpflichtet.

Text: dpa