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Filmfestival: Altern, Einsamkeit und schöne Frauen in Cannes

Das Älterwerden ist für Woody Allen ein miserabler Deal. "Es gibt da keinen einzigen Vorteil", stellte der ansonsten gut gelaunte 74-jährige Regisseur am Wochenende bei den Filmfestspielen in Cannes klar. "Der Rücken schmerzt und die Verdauung wird schlecht."

Das Älterwerden ist für Woody Allen ein miserabler Deal. "Es gibt da keinen einzigen Vorteil", stellte der ansonsten gut gelaunte 74-jährige Regisseur am Wochenende bei den Filmfestspielen in Cannes klar. "Der Rücken schmerzt und die Verdauung wird schlecht." Und was er über den Tod denkt? "Meine Beziehung dazu hat sich über die Jahre nicht verändert: Ich bin total dagegen!" Um den Tod, die Angst davor und natürlich kaputte Beziehungen und die Suche nach dem Sinn im Leben geht es auch in Allens neuem Film "You Will Meet A Tall Dark Stranger" mit Stars wie Antonio Banderas und Naomi Watts, der außer Konkurrenz gezeigt wurde. Überhaupt sind das Altern und die Einsamkeit beherrschende Themen beim Filmfestival.

So stellte auch der britische Regisseur Mike Leigh mit "Another Year" seine Version des Älterwerdens vor: Gerry und Tom sind seit vielen Jahren glücklich verheiratet. Mit einem tiefen Gefühl der Verbundenheit und des Vertrauens gehen sie gemeinsam durchs Leben. Ihren Freunden Mary und Ken geht es deutlich schlechter. Beide sind Single und unglücklich - und das scheint mit den Jahren nur noch schlimmer zu werden. Deprimierend war sein Film trotz allem nicht. Stattdessen sorgte Leigh, der zuletzt mit dem optimistischen "Happy-Go-Lucky" im Kino zu sehen war, für den ersten wirklich berührenden und gleichzeitig humorvollen Film im Wettbewerb der Festspiele.

Der aus dem Tschad stammende Mahamat-Saleh Haroun stellte in "A Screaming Man" ebenfalls einen älteren und verzweifelten Mann in den Mittelpunkt. Adam verliert nach der Übernahme durch Chinesen nicht nur seinen geliebten Job am Hotelpool. Als der Bürgerkrieg im Tschad eskaliert, muss er sich zudem entscheiden, ob er seinen einzigen Sohn in den Krieg schickt.

Um einsame Menschen ging es auch im deutschen Beitrag "Unter Dir die Stadt" von Christoph Hochhäusler, der in der Nebenreihe "Un certain regard" Premiere feierte. In hyperrealen Bildern, die teilweise beeindruckend komponiert sind, erzählt der gebürtige Münchner von einer jungen Frau (Nicolette Krebitz), die mit dem Chef ihres Mannes eines Affäre beginnt. Im Kontrast dazu porträtiert der Filmemacher die Frankfurter Finanzwelt, in der Anzug-tragende Männer über Millionen schwere Deals verhandeln. Denn für Hochhäusler sind die Banker die Machthaber der modernen Gesellschaft, wie er in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Dabei lässt Hochhäusler ("Falscher Bekenner") jedoch Lücken, schneidet die beiden Erzählstränge in unterschiedlicher Geschwindigkeit nebeneinander und verzichtet dabei auf lange Erklärungen. Das ist für den Zuschauer nicht immer ganz einfach, werden so doch die Beweggründe der Charaktere - vor allem des ungleichen Liebespaares - nicht immer deutlich. Die Protagonisten Svenja und Roland seien blasierte reiche Menschen, die alles hätten und sich in ihre Rolle einfügten, sagte der Regisseur dazu. "Sie leben ihre Gefühle nicht mehr, sondern ihre Rollen." Deswegen seien sie teils so unsicher, wirkten seltsam unbeteiligt.

Was die Protagonisten in Woody Allens neuem Werk vorantreibt, ist dagegen stets klar: das Leben auskosten und versuchen, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Das tun sie auf ganz unterschiedliche Weise: Alfie (Anthony Hopkins) verlässt seine Ehefrau und heiratet die junge Charmaine, eine sexy junge Blondine. Seine Ex-Frau Helena (Gemma Jones) dagegen setzt auf die Weisheit einer Wahrsagerin und den Glauben, nach dem Tod wiedergeboren zu werden.

Woody Allen ist dabei wieder nicht selber im Film zu sehen. "Ich habe jahrelang den amourösen Helden gespielt, aber dafür bin ich jetzt zu alt", resümierte der erkältete Allen, der sich bereits auf die kommende Zusammenarbeit mit Frankreichs First Lady Carla Bruni-Sarkozy freut. "Es macht einfach keinen Spaß zu spielen, wenn man nicht das Mädchen abkriegt. Sie können sich nicht vorstellen, wie frustrierend das ist: Ich habe mit so tollen Frauen wie Scarlett Johansson gedreht - und die anderen Männer kriegen sie ab", klagte der New Yorker schmunzelnd. "Vor allem, wenn die Leute am Set dann sagen "Ach der alte Mann dahinten, das ist bloß der Regisseur!"."

Aliki Nassoufis, DPA / DPA