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Filmfestspiele in Cannes: Almodóvar sorgt für den ersten Höhepunkt

Zur Präsentation seines neuen Films "Volver" brachte Regisseur Pedro Almodóvar viele Frauen mit - zur Freude der Fotografen. Doch auch die Kritiker waren zufrieden.

Es sind die Frauen, die in Cannes die meisten Blicke auf sich ziehen. Die Schönheiten im Abendkleid auf dem roten Teppich werden tausendfach fotografiert, die kurvigen Möchtegern-Sternchen am Strand lassen sich willig begaffen. Und die Frauen in Pedro Almodóvars Werk "Volver" haben dem Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele einen ersten Höhepunkt beschert.

Er habe wieder ein "sehr weibliches Universum" geschaffen, bekannte der spanische Regiestar in Cannes, wo sein Beitrag schon in der Pressevorführung viel Applaus bekam. "Volver" ("Zurückkehren") sei von all seinen Filmen bisher am intensivsten mit seiner eigenen Kindheit auf dem Land in La Mancha verbunden. "Meine Mutter, die Schwestern - all diese Frauen waren das Leben für mich", sagte Almodovar. "Die Männer waren abwesend."

Penelope Cruz in einer Glanzrolle

Kaum vorhanden sind die Männer auch in seinem Film über drei Frauengenerationen einer Familie, die in weiblicher Solidarität über seelische Wunden triumphieren. Überwältigend feminin tritt Penelope Cruz in der bisher schönsten Rolle ihrer Karriere auf: Die sonst eher mädchenhaft und zerbrechlich wirkende Spanierin demonstriert Bodenhaftung und beherrscht die Szene hüftschwingend mit gut gefülltem Dekolleté und nachlässig hochgesteckten Haaren - ganz im Stil der italienischen Diva Sophia Loren. "Die Frauen aus dieser goldenen Epoche des italienischen Films sind für mich der Urbegriff von Müttern", bekannte Almodóvar.

In "Volver" geht es um Verbrechen, Untreue und sexuellen Missbrauch, um Geheimnisse, die die Frauen einer Familie teils verbergen, teils enthüllen müssen, um gemeinsam stark zu werden. Aber Almodovar verbindet Tragik und Schmerz leichthändig mit Komik. Die grellen Farben und schrillen Töne seiner früheren Werke wie "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" oder "Matador" sind in seinem 16. Film deutlich milder geworden. Mit 55 Jahren verlässt sich der Oscar-Gewinner, der in diesem Jahr auch mit dem Prinz-von-Asturien-Preis gewürdigt wird, auf seine stilistische Souveränität und eine emotional reife Geschichte.

"Er ist eine Art Marsmensch", schwärmte Penelope Cruz von ihrem Lieblingsregisseur. "Es ist fast unheimlich, wie viel er über Frauen weiß." Wie sehr seine Schauspielerinnen Almodóvar vertrauen, beweist der Auftritt von Carmen Maura in "Volver": Der attraktive Star erscheint als alte, faltige Oma in Kittelkleid und lumpiger Strickjacke auf der Leinwand. Maura gestand in Cannes, dem Festival der Eitelkeiten, dass sie sich zuerst selbst vor ihrem Bild erschreckt habe.

Karin Zintz/DPA