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Cannes: "Zu viel Schuld, zu wenig Genuss"

Die 59. Internationalen Filmfestspiele in Cannes haben begonnen. Im Mittelpunkt des Medieninteresses stand bei der Eröffnungsgala einmal mehr die umstrittene Verfilmung des Dan-Brown-Bestsellers "The Da Vinci Code".

Die 59. Internationalen Filmfestspiele in Cannes haben begonnen. Den Auftakt bildete die Weltpremiere des Thrillers "Das Sakrileg" ("The Da Vinci Code"), eine Verfilmung des umstrittenen Dan-Brown-Bestsellers. Darsteller Tom Hanks und Ian McKellen verteidigten den Streifen. Im Wettbewerb um die Goldene Palme von Cannes, die am 28. Mai in der französischen Mittelmeerstadt vergeben wird, stehen in diesem Jahr 20 Produktionen aus 13 Ländern. "The Da Vinci Code" läuft allerdings wie 27 weitere Produktionen außerhalb der Konkurrenz. Deutsche Beiträge sind im Wettbewerb nicht vertreten, es laufen aber mehrere Werke deutscher Filmemacher in den Nebenreihen des Festivals.

Neben "The Da Vinci Code", der in Deutschland am heutigen Donnerstag in den Kinos startet, führt das Programm auch noch andere Hollywood-Großproduktionen, wie etwa den dritten Teil der Superheldensaga "X-Men". Der spanische Regisseur Pedro Almodovar ist mit seinem neuen Werk "Volver" am Start. Sofia Coppola zeigt "Marie Antoinette" und Richard Linklater "Fast Food Nation". Für Aufsehen dürfte auch Oliver Stone sorgen. Er plant, 20 Minuten seines Films "World Trade Center" über die Anschläge vom 11. September 2001 zu zeigen. Ernste Töne schlägt auch der Film "An Inconvenient Truth" an. Ex-US-Vizepräsident Al Gore erläutert darin die Folgen des Klimawandels.

Auf einen Favoriten für die "Goldene Palme", einem der begehrtesten Filmpreise der Welt, will sich zu diesem Zeitpunkt noch keiner festlegen. Im vergangenen Jahr kürte die Jury das Drama "L'Enfant" der belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne mit dieser Auszeichnung.

"Hölzern, keine Chemie"

"Zu viel Schuld, zu wenig Genuss", strafte der Filmexperte vom "Hollywood Reporter", Kirk Honeycutt, "The Da Vinci Code" ab. Tom Hanks' Verkörperung der Hauptfigur Robert Langdon habe hölzern gewirkt. Die langen Passagen mit religiösen und historischen Debatten habe er zudem als mühselig empfunden, fügte Honeycutt hinzu. Auch sein Kollege von "Screen International", Lee Marshall, fand keine versöhnlichen Worte. Die Handlung sei nur schleppend vorangekommen. "Und zwischen Audrey Tautou und Tom Hanks gab es schlichtweg überhaupt keine Chemie." Bereits bei der Vorpremiere am Mittwochabend hatte die 125-Millionen-Dollar-Produktion die Presse nicht beeindrucken können.

Hanks nahm den Film in Schutz. "Das ist keine Dokumentation", sagte er. "Das ist nicht etwas, das hochgehoben wird und das erklärt: 'Dies sind die Fakten und so ist es passiert'." Allerdings dürfte gerade die Kontroverse rund um das Buch nach Einschätzung von Filmexperten die Kinokassen füllen. Ähnlich ging es 2004 auch Mel Gibsons Film "Die Passion Christi", der dank der durch die Debatte ausgelösten Bekanntheit weltweit 612 Millionen Dollar allein durch Kartenverkäufe erlöste.

Tom Hanks und Audrey Tautou als Stargäste

Zu den Stargästen der Eröffnungsgala gehörten unter anderem die "Sakrileg"-Darsteller Tom Hanks und seine Kollegin Audrey Tautou in einem gerafften, strahlend weißen Mini-Abendkleid. Für Glamour auf dem Roten Teppich sorgten auch die Jury-Mitglieder, allen voran die schöne italienische Schauspielerin Monica Belluchi in elegantem Schwarz und die Britin Helena Bonham Carter. Als Überraschungsgast des Abends eröffnete der amerikanische Schauspieler Sidney Poitier das Festival offiziell.

Vincent Cassel, der Moderator der Eröffnungszeremonie, brach mit dem üblichen Dresscode und trug keinen schwarzen Smoking mit Fliege, sondern einen weißen Anzug mit Krawatte. Der politisch engagierte Schauspieler und Filmemacher rief das Publikum zu mehr Toleranz gegenüber den Immigranten in Frankreich auf.

Das Festival und der parallel laufende Filmmarkt mit mehr als 10.000 Teilnehmern machen Cannes auch in diesem Jahr wieder zur wichtigsten Treffpunkt der internationalen Filmbranche. An Besuchern erwartet werden unter anderem Halle Berry, Cate Blanchett, Bruce Willis, Gerard Depardieu, Penelope Cruz, Samuel L. Jackson, Monica Bellucci, Jamie Foxx und Beyonce.

DPA/Reuters / DPA / Reuters